Ecuadors früherer Präsident Lenín Moreno ist wegen Korruption im Zusammenhang mit dem Infrastrukturprojekt eines chinesischen Unternehmens zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Wie die Staatsanwaltschaft am Freitag im Onlinedienst X mitteilte, befand der Oberste Gerichtshof in Quito Moreno für schuldig, während seiner Zeit als Vizepräsident Bestechungsgelder angenommen zu haben.

Er habe im Zusammenhang mit der Vergabe und Finanzierung des mehr als zwei Milliarden US-Dollar teuren Wasserkraftwerks Coca Codo Sinclair als damaliger Vizepräsident zugunsten des chinesischen Konzerns Sinohydro eingegriffen. Der 73-Jährige weist die Vorwürfe als politisch motiviert zurück und kündigte Berufung an.In dem Prozess ging es um den Bau des größten Wasserkraftwerks des Landes durch Sinohydro, das laut Staatsanwaltschaft im Zuge dessen insgesamt 76 Millionen Dollar (65 Millionen Euro) an Bestechungsgeldern zahlte. Das Wasserkraftwerk liegt im Amazonasgebiet an der Grenze der Provinzen Napo und Sucumbíos. Es deckt nach Angaben des staatlichen Energieunternehmens CELEC rund 30 Prozent des nationalen Strombedarfs.

Mit Moreno wurden noch 19 weitere Angeklagte schuldig gesprochen, darunter ein ehemaliger chinesischer Botschafter. Morenos Frau und mehrere Verwandte von ihm sollen wegen Beihilfe für zweieinhalb Jahre ins Gefängnis. Die Familie soll laut Staatsanwaltschaft insgesamt rund eine Million Dollar an Bestechungsgeldern eingestrichen haben. Moreno kündigte Berufung gegen das Urteil an.Bei dem 73 Jahre alten Ex-Präsidenten, der im Rollstuhl sitzt, war das Gericht hinter der Forderung der Anklage zurückgeblieben. Diese hatte sechseinhalb Jahre Haft für Moreno verlangt. Sollte seine Verurteilung bestätigt werden, könnte seine Haftstrafe wegen seines Alters und seiner Querschnittslähmung in Hausarrest umgewandelt werden.