Als der Bundesliga-Sender Sky am Samstagnachmittag erstmals live an den Bundesliga-Standort Elversberg schaltete, da sah man die Fußballer von Bayer Leverkusen auf blauen Matten liegen und sich dehnen unter freiem Himmel neben dem Container, in dem sie sich umziehen mussten. Das hatte ein wenig von einem Freiluft-Fitness-Kurs in der Volkshochschule.Der Standort Elversberg ist nicht nur der kleinste jemals in der Bundesliga-Geschichte, sondern das „Stadion an der Kaiserlinde“, wie es so idyllisch heißt, ist noch für einige Monate eine Baustelle. In solch einem Umfeld, zu Gast bei einem absoluten Nobody-Klub in der saarländischen Provinz, mag es gar nicht so leicht fallen, sich hochprofessionell und mit aller Mentalität auf ein Bundesliga-Spiel vorzubereiten. Und vielleicht hatte auch das etwas damit zu tun, dass der deutsche Meister und Pokalsieger von 2024, Bayer Leverkusen, am Samstag in jenem Stadion (Kapazität momentan 9307) in der Gemeinde Spiesen-Elversberg (Einwohner etwa 13 000) das erste Spiel der neuen Saison tatsächlich mit 2:3 (0:2) verloren hat.FC Bayern beim 5:1 gegen Stuttgart:Mutig kopiert ist schon verlorenWie macht er das bloß? Trainer Vincent Kompany gelingt es immer wieder, seine hoch überlegene Mannschaft zu motivieren. Der VfB Stuttgart versucht, die Bayern zum Saisonstart mit gleichen Waffen zu schlagen – vergeblich.Man sollte diese Sensation allerdings aus Sicht der tapferen Elversberger erzählen, und so begab es sich also, dass der furchtlose Aufsteiger namens Sport-Vereinigung Elversberg, 59. Verein in der 64. Bundesliga-Saison, gleich im ersten Spiel gegen den verdutzten Topverein Bayer Leverkusen eine gewaltige Überraschung geschafft - und 3:2 gewonnen hat.Das erste Tor in der 8. Minute erzielte Lukas Petkov auf Vorlage jenes Francis Onyeka, den die Elversberger für diese Saison von Bayer Leverkusen ausgeliehen haben. Das 2:0 in der 9. Minute erzielte jener Elversberger Neuzugang Cole Campbell, der sich bei Borussia Dortmund nicht durchsetzen konnte. Und das 3:0 in der 46. Minute erzielte jener David Mokwa, der sich einst bei der TSG Hoffenheim nicht hatte etablieren können. Am Ende gelangen den zu spät aufkommenden Leverkusenern durch Patrik Schick zum 1:3 (77.) und Christian Kofane zum 2:3 (90+1.) nur noch die Anschlusstreffer zum Endstand.In Elversberg wollen sie keinen Außenseiter-Fußball spielen, sondern selbst die Offensive suchenWie solch ein Sieg der kleinen Elversberger gegen die großen Leverkusener zu erklären ist? „Bestimmt sind wir in jedem Spiel für alle der Underdog“, hatte Onyeka vor der Partie bei Sky demütig gesagt – allerdings hat sein Trainer Vincent Wagner an anderer Stelle umso selbstbewusster ergänzt: „Bloß spielen wir halt gar keinen Underdog-Fußball!“ Und das bewiesen sie direkt mal gegen Bayer 04. Elversberg spielt in der Bundesliga einfach jenen mutigen Fußball weiter, mit dem sie in der vergangenen Zweitliga-Saison als Zweiter hinter Schalke 04 aufgestiegen sind.Als das Spiel gegen die Leverkusener, die am Ende beinahe noch den Ausgleich erzielt hätten, abgepfiffen war, lagen sich die Elversberger in den Armen. Und Zuschauer, die sich verwundert die trockenen Augen rieben, werden fündig im Sortiment jenes Saarbrücker Pharmaunternehmens, das den Aufstieg der Sport-Vereinigung von der vierten bis in die Bundesliga entscheidend mitfinanziert hat.„Wir wussten, dass es hart wird“, sagte Leverkusens Abwehrchef Edmond Tapsoba hinterher bei Sky. Allzu erbaut war er von der Leistung seiner Mannschaft dann auch nicht, aber dass man womöglich diese Elversberger doch unterschätzt habe, das wollte er keineswegs behaupten. Sein Torwart Mark Flekken schimpfte indes: „Das ist nicht akzeptabel – wir haben uns einfach abkochen und überrumpeln lassen.“„Man kann’s nicht so richtig fassen“, sagte nicht ganz unerwartet derweil der Elversberger 1:0-Torschütze Petkov, sprach aber auch sogleich davon, dass man durchaus mit dem Ziel in die Bundesliga aufgestiegen sei, „drinzubleiben“. 33 Spiele sind es allerdings noch bis zu diesem Ziel. Das zweite Spiel findet am nächsten Samstag bei Borussia Mönchengladbach statt, zum dritten Spiel reisen in zwei Wochen die Bayern an. Deutschlands beste Mannschaft ist jetzt gewarnt.
Bundesliga: Elversberg schafft eine gewaltige Überraschung
Underdog-Fußball? Nervosität? Nicht beim kleinen Aufsteiger aus dem Saarland. Beim 3:2 gegen verdutzte Leverkusener zeigt Elversberg genau die Art Mut, die dem Klub den Aufstieg beschert hatte.














