„Was ich schon vermisse, ist das Meeresrauschen“, sagt Louisa Lippmann scherzend, „und das Geschrei der Möwen.“ Das Ruhrgebiet ist eben kein Ostseestrand. Doch ansonsten zeigt sich die renommierte Beachvolleyball-Spielerin sehr angetan von der neuen Spielstätte im Dortmunder Revierpark Wischlingen, an der an diesem Wochenende bis einschließlich Sonntag die deutsche Meisterschaft ausgetragen wird.„Ich fühle mich wie unterm Eiffelturm“, ruft Nils Ehlers in die begeisterte Menge. Und er hat damit die Jubler auf seiner Seite, auch wenn der 32-Jährige einschränkend nachschiebt: „So ein bisschen.“ Unterm Eiffelturm in Paris erlebte Ehlers 2024 die beste Phase seiner Karriere, als er gemeinsam mit Clemens Wickler die Silbermedaille gewann und Beachvolleyball dank der ikonischen Spielstätte zu einem der Höhepunkte der Olympischen Spiele avancierte.Der 31-jährige Wickler ist derzeit verletzt und begleitet die Titelkämpfe als Ko-Kommentator im Livestream. „Um so eine nationale Meisterschaft beneiden uns alle anderen Nationen“, sagt der weitgereiste Sportler beim Blick auf den riesigen Centercourt, der in die Parkanlage integriert ist – und vor allem auf die Tausenden Fans, die ihn mit Leben füllen. Singend, tanzend, Lebensfreude versprühend.Umzug von der Ostsee ins RuhrgebietEs war eine durchaus umstrittene Entscheidung, nach 33 Jahren am Timmendorfer Strand die Deutsche Meisterschaft an einen anderen Ort zu verlegen. Die Traditionalisten unter den Funsportlern sahen die DNA ihres Sports gefährdet. Doch Alexander Walkenhorst, selbst ehemaliger Spieler und mittlerweile der Macher im Hintergrund, blickt lieber nach vorn.Am Timmendorfer Strand sei die Kapazität begrenzt gewesen, schon allein wegen der nahen Ostsee konnte das Stadion nicht erweitert werden. Deswegen suchte man nach neuen Wegen, um die Sichtbarkeit des Beachvolleyballsports zu erhöhen. Dortmund setzte sich mit seinem Konzept durch und bekam den Zuschlag.Es herrscht Festivalatmosphäre in dem grünen Park vor den Toren der Stadt. Am Wischlinger See laden Liegestühle zum Verweilen ein, Foodtrucks und Getränkestände reihen sich aneinander. Sportangebote verlocken zum Mitspielen, ein großzügig angelegtes Public-Viewing-Areal zum Zuschauen. Herzstück sind der Center Court, der für 6000 Zuschauer Platz bietet, und zwei lauschige Side-Courts unter Bäumen, auf denen hochwertiger Sport zum Anfassen geboten wird. „Ein richtig schönes Venue“, wie die 31-jährige Louisa Lippmann lobt, die schon viel gesehen hat in ihrer langen Volleyballkarriere.Lauschige Spielfläche auf den Nebenplätzen.Achim DreisDie Stimmung wird kaum eingetrübt, als ein Gewitter herbeizieht und die Spiele aus Sicherheitsgründen für eine Dreiviertelstunde unterbrochen werden. „Was wäre ein richtig cooles Beachvolleyball-Event ohne Regenpause?“, meinen zwei Zuschauer gelassen und stellen sich am Pizzastand an. Kurz danach geht es weiter – das gefürchtete Unwetter war ausgeblieben und über Recklinghausen abgezogen.„Die größte Bühne für den größten Moment“Es herrscht ein munteres Kommen und Gehen in der weitläufigen Grünanlage, die sich über insgesamt 39 Hektar erstreckt. Das weitgehend junge Publikum ist aus allen Bundesländern angereist, wie eine stimmgewaltige Abfrage auf dem Center Court ergibt. In der überwältigenden Mehrheit sind freilich die Nordrhein-Westfalen.Ein Heimspiel für Ministerpräsident Hendrik Wüst, der die Veranstaltung besucht und es „richtig cool“ findet, dass sie „im schönen NRW stattfindet“. Wüst nutzt seinen Auftritt, um Werbung für die Olympischen Spiele an Rhein und Ruhr zu machen, „die größte Bühne für den größten Moment“, so Wüst: „Die Spiele sollten nicht bei Diktatoren und Despoten stattfinden, sondern bei uns.“ Der Applaus ist ihm sicher.Markus Dieckmann begleitet Wüst. Der 50 Jahre alte Präsident des Deutschen Volleyball-Verbands (DVV) ist in vielfacher Funktion gefordert, nicht nur als ehemaliger Spieler und Funktionär, der versucht, seinen Sport voranzubringen, sondern auch als mitfiebernder Vater. Seine Tochter Rika, 17, spielt im Turnier mit und erreicht mit Partnerin Clara Dreßen immerhin den siebten Rang.Es ist weiterhin ein Familienfest, diese Beachvolleyball-Meisterschaft, nur mit größeren Ausmaßen als früher. Dortmund ist nicht Timmendorfer Strand, darin sind sich alle einig. Man soll nicht vergleichen, meint der 24-jährige Lui Wüst weise, aktueller Interimspartner von Nils Ehlers: „Es ist eben nicht am Meer.“ Das Salz in der Beachvolleyballsuppe sind letztlich die packenden Spiele, die noch bis zum Finale am Sonntag andauern. Wer Salz auf der Haut spüren möchte, kann ins Solebad im Revierpark Wischlingen gehen. Das Salz kommt zwar nicht aus der Ostsee, sondern aus der Saline Luisenhall. Aber immerhin.
Deutsche Meisterschaft im Beachvolleyball: Im Dortmunder Park statt am Meer
Die deutsche Beachvolleyball-Meisterschaft wird nach 33 Jahren vom Timmendorfer Strand ins Ruhrgebiet verlegt. Kann das gut gehen? Ein Streifzug.







