Dreimal hintereinander hat Urs Fischer dieselbe Anfangsformation aufgeboten: in den Testspielen gegen Paris FC (4:0), den AFC Bournemouth (2:1) sowie im DFB-Pokal beim VfB Krieschow (9:0). Und eigentlich gibt es keinen Anlass, Veränderungen in der ersten Elf vorzunehmen. Es sei denn, der Trainer des FSV Mainz 05 möchte zum Bundesliga-Auftakt gegen den SC Paderborn den vor zweieinhalb Wochen fest verpflichteten Stefan Posch wieder in der Innenverteidigung haben.Jenen Mann also, der in der Rückrunde der vorigen Saison auf Leihbasis aus Como gekommen war und als Abwehrchef auf Anhieb für deutlich mehr Stabilität sorgte. Vor einer Woche allerdings gehörte der Späteinsteiger noch nicht zum Aufgebot; den Part im Zentrum der Kette zwischen Danny da Costa und Dominik Kohr übernahm wie gehabt Fabio Gruber.Sieben Kandidaten für drei PositionenSofern nicht noch verletzungsbedingte Ausfälle den Kader dezimieren sollten, steht Fischer in der Hintermannschaft vor dem Luxusproblem, auf das er schon vor Wochen hingewiesen hat. Sieben Kandidaten für drei Positionen. Sieben Kandidaten, die alle für Einsätze von Beginn an infrage kommen. Zu den Genannten gesellen sich Stefan Bell, der dienstälteste Mainzer Feldspieler, der Norweger Andreas Hanche-Olsen und der immer noch erst 18 Jahre alte Aufsteiger der vorigen Saison, der Pole Kacper Potulski.Konkurrenzkampf mag das Geschäft beleben, kann aber auch zu Unzufriedenheit führen. Zumal den Rheinhessen in dieser Saison der internationale Wettbewerb fehlt, der vor einem Jahr Rotationen ermöglichte. Urs Fischer wird Fingerspitzengefühl benötigen, um alle Kandidaten bei Laune zu halten.Posch oder Gruber? Das scheint fürs Erste die einzige offene Frage zu sein. Es sei denn, der österreichische WM-Fahrer kehrt auf seinen Platz in der Abwehrmitte zurück und Gruber verdrängt einen der beiden anderen Routiniers, deren Leistungen bislang überzeugten. Der vom 1. FC Nürnberg gekommene peruanische Nationalspieler – seine Mutter stammt aus dem Andenstaat – hat jedenfalls während der Vorbereitung die vom Trainer geforderte Entwicklung genommen.Fischer: „Da muss er die Klappe aufmachen“Fischers Kritik nach den ersten Einsätzen bezog sich zuvorderst auf Grubers Kommunikationsverhalten, der 23-Jährige war ihm zu still. Dass er als junger und neuer Spieler eine gewisse Hemmschwelle habe, gestandenen Nebenleuten wie Kohr und da Costa Anweisungen zu erteilen, sei logisch. „Aber als zentraler Innenverteidiger muss er das ablegen, da muss er die Klappe aufmachen und den anderen sagen, was sie zu tun haben.“Mit diesem Wunsch stieß der Trainer beim Spieler auf Verständnis. „Grundsätzlich bin ich ein ruhiger Typ, ich brauche ein bisschen Anlaufzeit, um wirklich aus mir herauszukommen“, sagt Gruber. Dass er bei seinen bisherigen Profistationen, dem SC Verl in der Dritten und dem Club in der Zweiten Liga, jeweils als Kapitän fungierte, lässt auf diese Fähigkeit schließen. Wobei: Seine bisherigen Trainer, darunter Ex-Nationalspieler Miroslav Klose, hätten ihm das Kapitänsamt übertragen, „ohne dass ich großartig was dafür gemacht habe“.Zweiter Ansatzpunkt Fischers: Gruber habe zunächst zu viel darüber nachgedacht, keine Fehler zu machen. „Aber wenn du die Fehler im Kopf hast, die du nicht machen sollst, dann machst du sie erst recht.“ Eine deutliche Steigerung attestierte er ihm nach dem vorletzten Testspiel – als Krönung bestrafte der Verteidiger den Pariser Schlussmann Kevin Trapp mit einem Fallrückzieher zum 1:0.In den Spielen wie auch in zweikampfintensiven Trainingsformen ist Fabio Gruber nur mit Maske zu sehen. Nicht wegen einer aktuellen Verletzung, sondern als Konsequenz aus mehreren Gesichtsfrakturen, die er sich vor zwei Jahren zugezogen hat. „War nicht so schön und will ich auch ungern wieder haben“, sagt er. Zugleich aber mag er nicht von seinem Spielstil lassen. Also: Maske auf.