Wer gewinnt? Die Welt rätselt über ein von der Trump-Regierung geteiltes Duell zwischen Weisskopfseeadler und KanadagansEin Naturfoto soll die Macht des Weissen Hauses im Zollstreit illustrieren. Doch Kämpfe zwischen zwei Vögeln enden manchmal anders als gedacht.Jana Kehl29.08.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenOptimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Ein Weisskopfseeadler attackiert eine Kanadagans. Künstliche Intelligenz war bei diesem Bildbeitrag aus dem Weissen Haus keine nötig. Anders als bei dem KI-manipulierten Material – das Präsident Donald Trump etwa in einem Kampfjet zeigt, wie er Fäkalien auf Demonstranten ablässt – schien die wilde Realität Machtsymbol genug.«Präsident Trump macht Kanadas kostenloser Mitfahrgelegenheit endlich ein Ende», schrieb Trumps Generalstab diese Woche auf der Plattform X. Anschliessend an den Beitrag, mit dem das Weisse Haus sein entschlossenes Vorgehen im Zollstreit mit dem Nachbarland angekündigt hatte, teilte es ein Foto aus der Wildnis. Kommentarlos.Majestätisch thront der Weisskopfseeadler, das offizielle Wappentier der USA, über der Kanadagans, die im Norden des amerikanischen Kontinents besonders verbreitet ist. Mit seinen Krallen drückt er sie nieder. Die Gans liegt mit dem Kopf auf einem vereisten Gewässer, resigniert lässt sie die Zunge aus dem Schnabel hängen.Zweifellos passt die Szene gut zur amerikanischen Selbstwahrnehmung im Zollstreit. Kanada ziehe die Vereinigten Staaten seit Jahrzehnten «über den Tisch», heisst es im vorherigen Beitrag, in dem Trump dem Nachbarland nebenbei auch noch die Souveränität abspricht: «Sie glauben, sie hätten ein Recht darauf, aber sie sind kein Staat und werden dieses Recht nicht mehr haben!»Die USA dominieren Kanada und der Weisskopfseeadler die Kanadagans: Während Trump beides als Naturgesetz darzustellen scheint, erntet der Beitrag vor allem Spott. Denn der Kampf zwischen Adler und Gans war zum Zeitpunkt der Aufnahme möglicherweise noch keineswegs entschieden.Wehrte sich der Entenvogel?Auf X weisen mehrere Nutzer darauf hin, dass Duelle zwischen Weisskopfseeadlern und Kanadagänsen nicht per se mit einer Niederlage für die Entenvögel enden. Einige vermuten gar, dass das geteilte Foto aus einer Bildserie des kanadischen Hobbyfotografen Mervyn Sequeira stammt. Dabei machen sie auf die unerwartete Wendung der dokumentierten Begegnung aufmerksam: «Die Gans wehrte sich und überlebte, nachdem der Adler aufgegeben und sich zurückgezogen hatte.»Sequeiras Aufnahmen stammen vom Ontariosee – jenem See, den Trump diese Woche in «Lake America» umbenannt hat. Der Fotograf selbst bestätigte dem Sender CBC den Ausgang des Duells der Vögel im vergangenen Jahr: «Als wir dachten, für die Gans sei es nun wirklich vorbei, gab der Weisskopfseeadler einfach auf und flog davon.» Kurz darauf wurde die Tierbegegnung in kanadischen Medien breit aufgegriffen. Damals, im März 2025, eskalierte der Zollstreit bereits. Trump verhängte Zölle von 25 Prozent für unterschiedliche Waren aus Kanada.Die falsche Aufnahme Der Sieg der Kanadagans käme Trumps Gegnern gelegen. Doch auch sie und diverse amerikanische Medien sehen in dem Bild nur das, was in ihr eigenes Weltbild passt. Entgegen den Vermutungen handelt es sich bei dem geteilten Tierfoto aus dem Weissen Haus nicht um eine Aufnahme des Fotografen Sequeira – zu diesem Schluss ist «Der Spiegel» gekommen. Hintergrund, Gefieder oder der Aufnahmewinkel weichen von seinen Bildern ab.Stattdessen ist das Originalbild in der Bilddatenbank des Cornell Lab of Ornithology aufzufinden. Als Aufnahmedatum ist der 17. Januar 2022 aufgeführt. Entstanden ist das Foto im amerikanischen Gliedstaat New York, knapp 400 Kilometer von der kanadischen Grenze entfernt. Die Datenbank nennt einen Mann namens Derek Stoll als Urheber, das Weisse Haus selbst macht hierzu keine Angaben.Das Duell der Vögel zeigt: Nicht nur künstliche Intelligenz, auch die wilde Natur kann täuschen. Unabhängig davon, ob die Kanadagans gesiegt oder resigniert hat – viral gegangen ist sie schon lange. Der kanadische Komiker Brittlestar merkt an, dass der Schrei des Weisskopfseeadlers in Filmen oft eigentlich der Ruf eines Rotschwanzbussards sei. «Das Schnattern der Kanadagans ist hingegen ganz echt, Baby.»Passend zum Artikel