Nach dem Tod Haralds und Skandalen: An den neuen König haben die Norweger hohe ErwartungenMit dem Tod von König Harald geht in Norwegen eine Epoche zu Ende. Sein Nachfolger Haakon muss nicht nur in die grossen Fussstapfen seines beliebten Vaters treten, sondern auch das arg ramponierte Ansehen der skandalgeschüttelten Royals aufpolieren.Ingrid Meissl Arebo, Stockholm29.08.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenDer neue norwegische König Haakon (vorne) und Kronprinzessin Ingrid Alexandra (hinten in der Mitte) treffen sich zu einer ausserordentlichen Sitzung mit dem Kabinett.Lise Aserud / NTBDie Mitteilung des norwegischen Hofes, dass Seine Majestät König Harald V. am Freitagmorgen um 6 Uhr 35 still eingeschlafen sei, war keine Überraschung. Dank den regelmässigen Aktualisierungen über den sich verschlechternden Gesundheitszustand des 89-jährigen Monarchen musste sich die Bevölkerung auf das Schlimmste vorbereiten. Schon am Donnerstag begaben sich Tausende Norwegerinnen und Norweger zum Osloer Schloss, um Kerzen anzuzünden und Blumen abzulegen für ihren «bestefar», den Grossvater der Nation.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Ein Mann der SuperlativeDieser Kosename zeigt die Beliebtheit Haralds, der ein Mann des Volkes blieb, nachdem er 1991 den Thron bestiegen hatte. Dass er der erste seit 567 Jahren in Norwegen geborene Prinz war, machte ihn für viele Landsleute zu etwas Besonderem. Schon zu seinen Lebzeiten fiel kein böses Wort über den König, der als klug und witzig, bescheiden, geschickt und einfühlsam galt. Während seiner Regierungszeit besuchte er 353 der 357 norwegischen Gemeinden, um vor Ort an den Freuden und Hoffnungen, Sorgen und Ängsten seiner Landsleute teilzunehmen.Harald war eine einende Kraft, die den stolzen kleinen Erdölstaat durch Höhen wie Tiefen trug und auch in den schwierigsten Stunden die richtigen Worte fand. Mochte es auch noch so stürmen um die Royals – und das tut es seit geraumer Zeit –, das 1,88 Meter grosse Familienoberhaupt stand stets robust im Wind. Im Gegensatz zu seinem schwedischen Pendant, König Carl XVI. Gustaf, erlaubte sich Harald auch nie einen politischen Ausrutscher. Norwegens Monarchie ist eine konstitutionelle, die Aufgaben des Königs sind rein repräsentativ und zeremoniell.Schweres ErbeHaakon, der nach dem letzten Atemzug seines Vaters neuer König geworden ist, hat einen schweren Mantel zu tragen. Noch am Freitagmorgen machte der 53-Jährige deutlich, dass er das Erbe seiner Vorfahren weiterführen und für Kontinuität in der Monarchie sorgen will. Sein Wahlspruch «Alles für Norwegen» ist derselbe, von dem sich schon sein Urgrossvater, Grossvater und Vater leiten liessen, wobei Harald den inoffiziellen Zusatz «Was kann ich für dich tun?» angefügt hatte.Mit Haakon übernimmt kein Novize die Regentschaft, sondern ein routinierter Kronprinzregent, der seinen krankheitsbedingt ausfallenden Vater in den vergangenen Jahren immer häufiger vertreten musste. Als Harald vor gut 35 Jahren den Thron übernahm, war Haakon eben volljährig geworden. Er begleitete seinen Vater fortan eng. Bevor er «Vollzeit-Kronprinz» wurde, tat er Dienst in der norwegischen Marine und studierte Staatswissenschaften an der kalifornischen Berkeley-Universität und an der London School of Economics.Nun muss sich weisen, ob seine Lehr- und Wanderjahre und vor allem seine Persönlichkeit genügen, um die norwegische Monarchie aus der Vertrauenskrise zu führen. Im Gefolge der Skandale und Kontroversen um das Königshaus ist dessen Unterstützung im Volk auf einen Rekordtiefstwert gesunken. Im Februar sprachen noch 60 Prozent der Befragten ihre Unterstützung aus, gegenüber zuvor stabilen 80 Prozent. Die Umfrage des norwegischen Rundfunks NRK zeigte auch, dass Norwegens verstorbener König beliebter war als die Monarchie. Auf einer Notenskala von 1 bis 10 erreichte Harald 9,2 Punkte, seine 89-jährige Gemahlin Sonja 8,6 und Haakon 7,9 Punkte. Kronprinzessin Mette-Marits Beliebtheit dagegen halbierte sich auf 3,7 – begleitet von der Frage, ob sie einer künftigen Königin würdig sei.Schlagzeilen um die neue KöniginIn Ungnade fiel sie, nachdem ihr enge und langjährige Kontakte zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein nachgewiesen worden waren. Ihre späten und ungeschickten Versuche, die Verbindungen schönzureden und zu entschuldigen, machten die Sache nicht besser. Der Skandal trat im Frühling etwas in den Hintergrund, als sich Mette-Marits Gesundheitszustand markant verschlechterte. Die an chronischer Lungenfibrose leidende Kronprinzessin wurde auf die Warteliste für eine Lungentransplantation gesetzt – ein Beschluss, der nur gefasst wird, wenn die Überlebenschancen einer Patientin auf zwölf Monate sinken. Mitte Juni wurde Mette-Marit erfolgreich ein Spenderorgan eingesetzt.Fast zeitgleich mit der Operation kam der nächste Tiefschlag für das Königshaus: Das Bezirksgericht Oslo verurteilte Haakons Stiefsohn Marius Höiby zu vier Jahren Gefängnis, unter anderem wegen Vergewaltigung und häuslicher Gewalt. Marius, den Mette-Marit 2001 in die Ehe brachte, hat gegen das Urteil Berufung eingelegt. Diese Woche hat Höiby seinen Grossvater in Fussfesseln im Osloer Reichsspital besucht.Doch nicht nur eingeheiratete Familienmitglieder rütteln am Fundament des Königshauses. Auch Märtha Louise, 54, die erstgeborene Tochter von König Harald und Königin Sonja, ist immer für einen Skandal gut. Die Prinzessin, die Healing praktiziert und an Engel glaubt, heiratete vor zwei Jahren in zweiter Ehe den Amerikaner Durek Verrett – einen Schamanen, Verschwörungstheoretiker und Alternativtherapeuten, der von den Medien als Hochstapler bezeichnet wird. Märtha Louise ist zwar seit 2002 keine königliche Hoheit mehr, bleibt aber Prinzessin und ist nun Nummer drei in der Thronfolge – nach Haakons Kindern, Kronprinzessin Ingrid Alexandra und Prinz Sverre Magnus.Doch vielleicht ist das Königshaus nicht verloren. Die 22-jährige Ingrid Alexandra, die dereinst Norwegens erste Königin werden kann, ist bei ihren Landsleuten sehr beliebt.Passend zum Artikel