Frage an die Mona Lisa: Frankfurt oder Köln – welche Stadt ist schöner? „Köln ist schön, aber Frankfurt hat etwas Besonderes an sich“, antwortet die Dame aus dem Gemälde Leonardo da Vincis, ohne zu zögern, und setzt dann wieder ihr bekanntes Lächeln auf. Man könne ihr jede Frage stellen, erklärt Michael Gödde über die „Talking Paintings“.Gödde präsentiert das Projekt am Stand des Unternehmens „Virtual Reality“, das in den hessischen Gemeinschaftsstand auf der weltweit größten Spielemesse Gamescom integriert ist. In der „Business Area“ der Kölner Messehallen will das Land zeigen, was die heimische Games-Branche zu bieten hat.Den Gemeinschaftsstand gibt es seit einigen Jahren, erklärt Daniela Hartmann von der Kreativwirtschaft Hessen, die bei der Hessen Agentur im Auftrag des Wirtschaftsministeriums die Kreativbranche unterstützt. Unternehmen können sich einen Platz am rund 60 Quadratmeter großen Stand mieten, das Land beteiligt sich an den Kosten.Im Standort-Ranking liegt Hessen auf dem letzten PlatzAm ersten Besuchertag lädt der Stand zum „Hessen-Empfang“. Vor Beginn herrscht vertraute Klassentreffenstimmung: Man duzt und kennt sich. Dazu gibt es Apfelwein und Glaabsbräu. Dabei hat Hessen bei der Förderung der Games-Branche Nachholbedarf. Im Standort-Ranking der Bundesländer des Games-Verbands landete Hessen zuletzt auf dem letzten Platz.Gute Laune am hessischen Stand: Daniela Hartmann von der Kreativwirtschaft Hessen und Rolf Krämer, Referatsleiter im Hessischen WirtschaftsministeriumInga Klöber„Gerade bei der Förderung hakt es“, sagt Claudia Stricker vom Verband Game Hessen. Zwar gebe es Fördermittel, doch sie reichten nicht aus. Außerdem vergebe das Land sie nur einmal im Jahr. Gerade kleinen Studios fehle die Planungssicherheit. So entstehe eine „große Lücke zwischen Gründungen und Förderungen“.Junge Talente zieht es in andere BundesländerZwar sind in Hessen starke Unternehmen der Games-Branche angesiedelt, etwa Nintendo. Stricker blickt jedoch mit Sorge auf die kleineren Studios und den Nachwuchs. Einige Unternehmen zögen von Hessen nach Bayern oder Nordrhein-Westfalen: „Die Fördersummen sind dort höher, und man kann sich durch einen kürzeren Rhythmus auf die Förderung verlassen.“An der Ausbildung mangelt es in Hessen dagegen nicht. Hochschulen in Darmstadt, Wiesbaden und Gießen bilden seit Jahren Nachwuchs aus. Einer der Absolventen präsentiert sich mit dem Game-Projekt „Mount EverQuest“. Mit einer VR-Brille erklimmt der Spieler einen Vulkan oder hangelt sich an einem Raumschiff entlang. Die drei Gründer kennen sich aus dem Studiengang „Augmented and Virtual Reality“ der Hochschule Darmstadt, erzählt Mitgründer Tobias Schaffer.Für die wachsende Bedeutung der Branche spricht das Grußwort von Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori (SPD), der den Hessenstand besucht. Hessen sei „gesegnet mit Studios“, sagt Mansoori. Er wisse aber, dass viele von ihnen die Fördermittel für zu niedrig hielten. Die Games-Branche wachse – anders als viele andere Branchen.Das belegen Zahlen des Game-Verbands: Der Jahresbericht beziffert den Umsatz des deutschen Markts für Games, Hardware und Online-Dienste 2025 auf 9,38 Milliarden Euro – ein Plus von vier Prozent.Die Games-Branche stoße Entwicklungen an, die „ihre Wirkung weit darüber hinaus entfalten“, sagt Mansoori. Das Wirtschaftsministerium fördert nach eigenen Angaben „insbesondere“ Serious Games. Ein solches gefördertes Spiel präsentiert Lutz Anderie: In ZNA GovMediX treffen Spieler in einer Notaufnahme Triageentscheidungen und üben den Umgang mit Angehörigen.Hessische Vertreter gehören zu den Schwergewichten der BrancheNach seinem Besuch am Hessenstand bricht Mansoori zu einem Rundgang durch die Messehallen auf. Er besucht die Bundeszentrale für politische Bildung und hessische Vertreter internationaler Games-Schwergewichte wie Crytek und Nintendo of Europe.Im Gespräch mit der Mona Lisa: „Talking Paintings“ auf der GamescomInga KlöberMit Christian Rathemacher vom Wiesbadener Spieleentwickler Weltenbauer spricht der Minister über dessen Auszeichnung als „Studio des Jahres“. Das Unternehmen entwickelt Simulationsspiele, in denen die Spieler beispielsweise Traktoren oder Bagger steuern. Behörden und Unternehmen nutzten die Spiele inzwischen für Trainingszwecke, sagt Rathemacher.Zum Abschluss sagt Mansoori, er werde beim nächsten Mal mehr Zeit mitbringen. Was er allerdings nicht versprechen kann: dass bis zur nächsten Gamescom bei der Förderung etwas geschehe. Vielleicht aber lasse sich an den Zugangsvoraussetzungen arbeiten. Die Hürden könnten sinken, damit Studios leichter Fördermittel erhalten.