Der UN-Generalsekretär gibt sich wie ein moderner Chef – top down. Doch wenn was aus dem Ruder läuft, duckt er sich weg.

Reem Alsalem, UN-Sonderberichterstatterin für Gewalt gegen Frauen, deren Ursachen und Folgen. Topbesetzung also..

Mark J. Sullivan/ZUMA/imago

W enn eine Amtszeit zu Ende geht, fällt es leichter zu sagen, was Sache ist. Es lässt sich leichter über Dinge sprechen, die man bisher verschwiegen hat und die das Bild trüben könnten, das sich die Welt über einen macht. Bei António Guterres ist es im Dezember so weit. Dann endet seine Zeit als Generalsekretär der UN. Jetzt sagt er, was er zehn Jahre lang nicht gesagt hat.

Der portugiesisch-timorische Sozialist gab der Financial Times ein Interview. Den Vorwurf, die Vereinten Nationen zeigten eine institutionell verankerte negative Voreingenommenheit gegenüber Israel, wies Guterres für sich selbst zurück. Er stehe auf der richtigen Seite der Geschichte. Aber: „Ich kann nicht für die UN als Ganzes antworten, weil es innerhalb der Vereinten Nationen viele Organisationen gibt, die unabhängig sind. Wir haben unabhängige Sonderberichterstatter, und viele von ihnen sind aus der Perspektive des Sekretariats völlig außer Kontrolle geraten.“