Der deutsche Aktienindex Dax hat sich diese Woche wieder an sein Rekordhoch herangerobbt. Am Freitag übersprang er direkt die Marke von 26.500 Punkten und war damit nur eine Haaresbreite von der jüngsten Rekordmarke von 26.573,50 Punkten entfernt. Natürlich, der KI-Boom und die hervorragenden Zahlen von Nvidia helfen den Börsen. Doch im Hintergrund läuft eine Entwicklung, die manche Anleger besorgt.Denn die Rekordjagd findet nicht mehr in einer Welt des billigen Geldes statt. Vielmehr steigen die Preise für langfristige Finanzierungen deutlich an. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen betrug in dieser Woche 3,2762 Prozent. Damit erklomm sie den höchsten Stand seit dem Jahr 2011, also seit 15 Jahren.Die Rechnung, die der Anleihemarkt ausstellt, zahlen erst einmal die Schuldner. Also die Staaten, die neue Schulden aufnehmen, sowie die Unternehmen, die ihre Investitionen über den Kapitalmarkt finanzieren müssen. Zur Kasse gebeten werden am Ende aber alle, angefangen von den Bürgerinnen und Bürgern bis hin zu den Konsumenten der Produkte, die sich so verteuern.Nvidia verdoppelt Gewinn, die Börse zuckt mit den SchulternAuf den Märkten findet seit einiger Zeit aber auch eine schon historisch zu nennende Rekordjagd statt. Der Chipkonzern Nvidia meldete für das zweite Quartal einen Umsatz von 96,2 Milliarden Dollar. Das ist doppelt so viel wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Auch der Gewinn stieg im Jahresvergleich von 26 auf fast 60 Milliarden Dollar. Wer nun denkt, dass der Aktienkurs bei diesen Zahlen durch die Decke geht, irrt: Auf Wochensicht stand ein fast schon mickrig zu nennendes Plus von 4,5 Prozent. Zwar lagen die Ergebnisse über den Erwartungen der Analysten, aber ein kräftiges Umsatzwachstum war schon eingepreist. Nvidia muss nicht mehr beweisen, dass es einen Boom gibt – das wissen alle. Das Unternehmen muss nun aber zeigen, dass dieser Boom noch größer wird, als es die Kurse ohnehin vorwegnehmen.Nvidia hin, Nvidia her: Auch für die Aktionäre werden die steigenden Renditen irgendwann teuer. Denn je höher die Renditen sicherer Anleihen steigen, desto weniger selbstverständlich wird es, für Aktien mit hohen Bewertungen und weit in der Zukunft liegenden Gewinnen immer höhere Kurse aufzurufen. Solange die Gewinne tatsächlich schneller wachsen, als die Zinskosten steigen, wird sich das auch in steigenden Aktienkursen zeigen. Aber der Spielraum wird kleiner, wie die gigantischen Nvidia-Zahlen und der relativ kleine Kursgewinn zeigen.Unsicherheit lässt sich nicht beseitigenDem Dax selbst gab das diese Woche trotzdem einen Schub, vor allem die Halbleiterwerte legten zu. Das Momentum aber ist begrenzt. Denn die Märkte treibt die Frage um, wie dauerhaft die hohen Zinsen sein werden. Wenn sichere Anleihen eine wertvolle Alternative zu Aktien sind, wird der Anleihemarkt immer mehr zum Taktgeber für die Aktienmärkte. Damit wachsen auch Crash-Risiken.Die Anleger wollen derzeit vor allem wissen, ob die hohen Renditen nur eine vorübergehende Reaktion auf Inflations- und Konjunkturdaten sind oder ob sich die Bedingungen an den Kapitalmärkten dauerhaft verändern. Davon hängt entscheidend ab, wie viel Spielraum den Aktienkursen trotz steigender Gewinne bleibt. Und genau darin liegt der Widerspruch dieser Börsenwoche. Nvidia meldet ein Rekordwachstum, der Dax klettert in Richtung Rekordhoch – aber trotzdem bleiben die Anleger vorsichtig.Deswegen gehen die Blicke zum Wochenschluss auf die Notenbanken. So wird die Rede des neuen amerikanischen Notenbankchefs Kevin Warsh in Jackson Hole zum nächsten Test für die Märkte. Anleger sollten darauf achten, ob er Signale für sinkende Zinsen gibt – das könnte die Aktienrally weiter antreiben. Ein möglicher Hinweis, dass die Inflationsgefahr groß bleibt und damit auch die Renditen hoch sind, würde die Rechnung der Schuldner auf dem Anleihemarkt wieder in Erinnerung rufen. So oder so, in beiden Fällen würde die Botschaft dieselbe bleiben: An den Börsen entscheidet eben nicht mehr allein die Frage, wie hoch die Gewinne sind. Es kommt auch darauf an, was das Geld dafür kostet.