Von einem großen Einschnitt in Engelthal, aber auch in der Geschichte des Bistums hat der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf gesprochen, als sich die Schwestern von Kloster Engelthal jetzt in einem feierlichen Gottesdienst von ihrer Abtei in der Wetterau verabschiedeten. Die Benediktinerinnen siedeln um auf den Rochusberg bei Bingen in das ehemalige Exerzitienhaus des Bistums Mainz. Es wurde umgebaut, damit die Schwestern dort gemäß ihren Ordensregeln leben können.Äbtissin Elisabeth Kralemann im Kloster Engelthal in Altenstadt im Jahr 2018Cornelia SickDie Engelthaler Ordensgemeinschaft hat sich zu dem Umzug entschlossen, weil sie sich nicht mehr in der Lage sieht, das Kloster so weiterzuführen, wie sie dies für erforderlich hält. Der Wohnraum sei zu groß geworden, die Arbeit im Haus und auf dem fast fünf Hektar großen Anwesen sowie in Gäste- und Kursarbeit liege auf wenigen Schultern und übersteige inzwischen die Möglichkeiten der Gemeinschaft, sagte Äbtissin Schwester Elisabeth Kralemann. Des gelte vor allem wegen des Nachwuchsmangels und des Alters der Schwestern. Zuletzt lebten und arbeiteten noch zwölf Nonnen in Engelthal, deren Altersdurchschnitt mittlerweile bei 75 Jahren liegt.Dass der Mainzer Bischof besonders würdigte, wie sich Kloster Engelthal dank der Schwestern zu einem geistlichen Zentrum in der Wetterau entwickelt habe, kommt nicht von ungefähr. Denn das Kloster war längst keine abgeschottete Ordensgemeinschaft mehr, präsentierte sich als Ort der Begegnung für Menschen aller Altersstufen und Herkunft. Es wurde vielen über die Wetterau hinaus zum Ort spiritueller, religiöser und sozialer Einkehr. So richteten die Schwestern eigens ein Gästehaus ein, boten Vorträge und Kurse an, begleiteten Besucher in Glaubens- und Lebensfragen.In Kloster Engelthal soll ein Hospiz aufgebaut werdenMit dem Auszug der Schwestern verwaist das Anwesen nicht. So wird das Bistum Mainz als Eigentümer der Klosteranlage die Liegenschaft auf Pachtbasis an die Diakonie in Hessen und Nassau übergeben, damit diese dort zusammen mit Partnern ein Hospiz aufbauen kann. Auch im Gästehaus gehen die Lichter nicht aus. Es wird von den Regionalen Diensten weiterbetrieben und für verschiedene Veranstaltungen vom Bistum und externen Veranstaltern genutzt.Mit dem Auszug der Schwestern endet eine lange Tradition in Engelthal, das seit der Gebietsreform zur Großgemeinde Altenstadt gehört. Schon vor gut 750 Jahren hatten sich an dem Ort oberhalb des Niddertals die ersten Ordensfrauen niedergelassen. Das Kloster blühte rasch auf, dank Patronat des einflussreichen Klosters Arnsburg und reich dotiert von Stiftern. Späteren Erbstreitigkeiten mit den Stifternachfahren konnte sich die Ordensgemeinschaft entziehen, weil es ihr gelang, sich kaiserlichen Schutz zu sichern.Wird zum Hospiz: Kloster Engelthal wird künftig von der Diakonie gepachtet.Rainer WohlfahrtWährend der Reformation abermals in seiner Existenz bedroht, fiel das Kloster dann den Wirren des Dreißigjährigen Kriegs zum Opfer. Brandschatzende Truppen zerstörten die Gebäude bis auf die Grundmauern. Den Bewohnern des Klosters blieb nur die Flucht. Die meisten Schwestern ließen sich aber nicht entmutigen, kehrten zurück und machten sich daran, ihr verwüstetes Anwesen wiederaufzubauen. Ein entbehrungsreiches Unterfangen, das Jahrzehnte in Anspruch nahm. Bis alles fertig war, dauerte es sogar bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts.Kaum blühte das Anwesen wieder auf, kam 1803 der Reichsdeputationshauptschluss mit der Folge, dass das Kloster aufgehoben und der Besitz säkularisiert wurde. Die Schwestern verließen ihre Abtei in alle Richtungen. Sodann wechselte das Anwesen mehrmals den Besitzer. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm es schließlich die Oberhessische Siedlungsgemeinschaft.Als diese sich zurückzog, erwarb das Mainzer Bistum Klostergebäude und -gelände, verbunden mit dem bischöflichen Wunsch, das Anwesen künftig wieder seiner früheren Bestimmung gemäß zu nutzen. So geschah es: 20 Schwestern der westfälischen Benediktinerinnenabtei Herstelle übersiedelten 1962 in die Wetterau zur Neugründung von Kloster Engelthal. Drei Jahre später wurde es zur Abtei erhoben.Damit verbunden war auch rege Bautätigkeit. Es entstanden neue Wohngebäude, das Bistum ließ die historischen Bauten sanieren und modernisieren, auch die Kirche wurde restauriert. Das letzte große Projekt war der Neubau des Süd- und Westflügels um die Kirche. So hinterlassen die Schwestern eine intakte historische Anlage, die zu den ältesten und bedeutendsten in der Region zählt.