Die US-Regierung will sich Venezuelas gewaltige Ölreserven über Beteiligungen sichern. Nach Angaben des Mediendienstes Axios verhandelt die Trump-Regierung mit Venezuelas Übergangsregierung über eine Beteiligung an den gewaltigen Ölvorkommen des Landes. Im Gespräch sind 17 Ölfelder, für die Reserven im Umfang von 90 Milliarden Fass nachgewiesen sind. Zur Nachricht passt, dass Venezuela erwägt, die OPEC zu verlassen. Das hatte Bloomberg zuerst berichtet. Venezuela war Gründungsmitglied des Ölkartells.Venezuela verfügt über Rohölreserven von 300 Milliarden Barrel (je 159 Liter), mehr als jedes andere Land. Das sind rund 17 Prozent der globalen Reserven. Die Ölindustrie ist verstaatlicht und leidet seit Jahrzehnten unter sozialistischer Misswirtschaft, Wirtschaftskrisen und amerikanischen Sanktionen. Der Investitionsstau ist gewaltig. Er spiegelt sich in der der täglichen Ölproduktion, die von 3,5 Millionen auf 900.000 Barrel pro Tag zurückging.Seit amerikanische Spezialeinheiten Staatschef Nicolás Maduro und seine Frau Anfang Januar entführten und in ein New Yorker Gefängnis brachten, kontrollieren die USA in Absprache mit der Übergangsregierung das Ölgeschäft des Landes. Dieses wird von Maduros ehemaliger Vizepräsidentin Delcy Rodríguez geführt. Die USA verwalten die Einnahmen aus den Ölexporten und regulieren die Investitionen.Neues Gesetz erleichtert Zugang von InvestorenNach Maduros Absetzung änderte Venezuela auf Betreiben der USA sein Kohlenwasserstoffgesetz und räumte ausländischen Unternehmen deutlich mehr Freiheiten ein, Ölfelder zu betreiben und ihren Anteil an der Förderung selbst zu verkaufen. Der erwartete Investitionsboom setzte zunächst nicht ein, die tägliche Ölproduktion stieg lediglich um einige hunderttausend Barrel.Axios zitiert ungenannte Quellen, die von einem gigantischen Deal sprechen. Die Verhandlungen sind offenbar noch nicht beendet. Bei den von Washington ins Visier genommenen Ölfeldern handelt es sich um Vorkommen, die früher von venezolanischen Insidern oder von chinesischen Unternehmen kontrolliert wurden, sagte ein Regierungsvertreter gegenüber Axios.Wie eine solche Beteiligung der US-Regierung aussehen könnte, ist noch unklar. Möglich ist, dass die Regierung private Firmen im Rahmen eines Dienstleistungsvertrags mit der Ausbeutung der Vorkommen betraut. Alternativ könnte sie mit Ölkonzernen Gemeinschaftsunternehmen gründen, die die Ölfelder erschließen.Die Beteiligung der USA erschwert die EnteignungDie Logik hinter dem Vorstoß ist ebenfalls noch unscharf. Offenbar will die US-Regierung mit dem Schritt mehr Rechtssicherheit schaffen und damit ausländische Unternehmen animieren, in die Förderung zu investieren. Venezuela würde es schwerer fallen, seine alte Enteignungspraxis fortzusetzen, wenn davon direkt die US-Regierung betroffen wäre.Während kleinere Ölförderer aus Texas erste Abkommen geschlossen haben, zögern die Ölgiganten. Verhandlungen laufen zwar, doch sie kommen nur langsam voran. Ein Abkommen käme Trump auch deshalb gerade recht, weil sein Krieg mit Iran Öllieferungen durch die Straße von Hormus stark beeinträchtigt.Was für Venezuela dabei herauskommt, ist weniger klar. Schon bisher gibt es Zweifel daran, dass die Petrodollars aus den Exporterlösen nach Venezuela fließen. Die beteiligten US-Ministerien legen seit der letzten Offenlegung der Einnahmezahlen keine Daten mehr vor. Venezuelas Rohöl, das wegen der amerikanischen Sanktionen lange nur mit hohen Abschlägen verkauft wurde, erzielt nun nahezu die derzeit ungewöhnlich hohen Weltmarktpreise als Folge des Irankriegs.Wo sind die Petrodollar?„Eigentlich müsste Venezuela in Dollar schwimmen“, sagt der einflussreiche Harvard-Ökonom Ricardo Hausmann, der in den neunziger Jahren kurz Planungsminister in Venezuela war. Das tut das Land aber nicht. Der Bolívar gab stattdessen weiter nach, während der Schwarzmarktkurs für den Dollar stieg, schrieb Hausmann im Juni. Für ihn ist das ein Hinweis darauf, dass die Petrodollar nicht in seine alte Heimat fließen.Jetzt warnte Hausmann auf X vor dem Abkommen: „Eine nicht legitimierte Übergangsregierung mit einem nicht legitimierten Kohlenwasserstoffgesetz hat keinerlei Legitimation, dieses verfassungswidrige Abkommen zu schließen. Es wird für alle Beteiligten in einem Fiasko enden – angefangen bei Außenminister Rubio.“ Tatsächlich sehen viele Länder die Regierung nicht als legitim an und pochen auf Neuwahlen. Trump dagegen lobt das von Maduro befreite Rodriguez-Regime.Außenminister Marco Rubio hat verschiedenen Quellen zufolge die Federführung bei diesem Vorhaben. Trump liebäugelt bei militärischen Interventionen stets auch mit den Bodenschätzen der betroffenen Länder. Schon vor der Ergreifung Maduros hatte er früheren Berichten zufolge darüber sinniert, wie man die Ölfelder in amerikanische Hände bringen könnte.