Zwei Weltrekorde bei Weltklasse Zürich – und fast wären es noch mehr geworden: die magische Nacht im LetzigrundAlison dos Santos steigert sich über die 400 m Hürden um fast eine halbe Sekunde und rennt mit 45,80 Sekunden eine Fabelzeit. Danach setzt die Amerikanerin Masai Russell über 100 m Hürden in 12,09 eine neue Bestmarke.27.08.2026, 20.52 Uhr4 LeseminutenAlison dos Santos gewann nicht nur das Rennen, sondern stellte auch einen Weltrekord auf.Jean-Christophe Bott / KeystoneDie Leichtathletik hat an diesem Augustabend in Zürich eine Sternstunde erlebt: Zwei Weltrekorde an einem Abend – das ist in dieser Sportart, in der alle Leistungen längst auf die Spitze getrieben wurden, ein absolute Ausnahme. Zürich hat aber sogar schon einmal drei Weltrekorde erlebt, aber das ist lange her, sehr lange.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.1997 liessen drei Ausnahmeläufer das Stadion erbeben: Der Kenyaner Wilson Boit Kipketer lief eine neue Bestmarke über 3000 m Steeple, der Äthiopier Haile Gebrselassie schaffte das über 5000 m, und der für Dänemark startende Kenyaner Wilson Kipketer brach über 800 m den damals 16 Jahre alten Rekord des Briten Sebastian Coe.Zürich galt lange Zeit als eigentliches Weltrekordmeeting, doch dann Riss der Faden: Jelena Issibajewas Sprung mit dem Stab über 5,06 m war im Jahr 2009 die Nummer 25. Danach gab es über 17 Jahre zwar immer wieder grossartige Leistungen, aber nichts, was man hätte in die Statistik der absoluten Bestmarken einschreiben können.Das hatte diverse Ursachen, war aber oft ganz einfach dem Wetter geschuldet. Zürich ist Ende August oft ein kühles, regnerisches Pflaster. Hinzu kommt, dass Weltklasse regelmässig das finale Meeting der Diamond League ist. Es geht vor allem um Sieg und Geld, nicht um Zeiten, Weiten oder Höhen.2026 stimmte für einmal alles. Die Bedingungen waren ideal – es war warm, trocken und windstill. Ausserdem hatten die Athleten aus Übersee während der Europameisterschaften eine Wettkampfpause bekommen, die sie nutzten, um die Form noch einmal in Richtung Höhepunkt zu treiben. Sie bedankten sich mit den Weltrekorden Nummer 26 und 27 im Letzigrund.Nur wenig fehlte, und es hätte noch eine dritte Bestleistung gegeben. Im Stabhochsprung der Männer sah das Publikum einen Wettkampf, wie es ihn zuvor noch nie gegeben hat. Dem Griechen Emmanouil Karalis reichten 6,20 m nur zu Rang zwei, Armand Duplantis gewann mit 6,25 – und er scheiterte dreimal nur knapp am Weltrekord von 6,32.Die Langhürden – eine AusnahmedisziplinDer erste Rekord des Abends fiel quasi aus dem Nichts. Der Brasilianer Alison dos Santos rannte die 400 m Hürden wie vom Teufel geritten. Und als er die Ziellinie kreuzte, zeigte die Uhr 45,80 Sekunden. Der Athlet hatte seine Bestzeit um fast eine halbe Sekunde verbessert, war in eine für ihn neue Dimension gestürmt.Die Langhürden waren in den vergangenen Jahren eine Disziplin, in der sich gleich mehrere Ausnahmetalente gegenseitig antrieben. Der Norweger Karsten Warholm legte jeweils los wie ein wilder Stier und zeigte bis ins Ziel keine Schwäche. 2021 gewann er an den Olympischen Spielen in Tokio nicht nur Gold, sondern lief die 400 m Hürden in 45,94 auch als erster Mensch unter 46 Sekunden.An diese Leistungen kam er nie mehr ganz heran, was auch einigen Blessuren geschuldet war. Das nutzte dos Santos, um sich in der Hierarchie nach vorne zu arbeiten. In diesem Jahr war er der dominierende Athlet über die Langhürden.In Zürich schlug der 26-Jährige Warholm mit dessen eigener Taktik. Er startete irrsinnig schnell und überholte den Norweger bereits auf der Gegengeraden. Als er aus der Zielkurve preschte, hatte er den Sieg bereits in der Tasche. Doch er wollte mehr: Dos Santos zog durch und sprintete zum Weltrekord.Russell kam gestärkt aus einer NiederlageZürich-Weltrekord Nummer 27: Masai Russell aus den USA triumphiert in 12,09 Sekunden über die 100 m Hürden.Jean-Christophe Bott / KeystoneDer zweite Weltrekord fiel über die 100 m Hürden der Frauen, eine der Disziplinen, die weltweit die höchste Leistungsdichte aufweisen. Der bisherige Weltrekord hielt nur vier Jahre – die Amerikanerin Masai Russell schnappte ihn sich in Zürich in 12,09 Sekunden. Vorher hatte ihn die Nigerianerin Tobi Amusan in 12,12 innegehabt.Russells Stärke in diesem Jahr ist auch auf einen Misserfolg zurückzuführen. Als Olympiasiegerin von 2024 galt sie im vergangenen Jahr als Favoritin für die Weltmeisterschaften in Tokio. Im Final aber wurde sie Vierte. Es war das Rennen, in dem die Schweizerin Ditaji Kambundji ihr sensationelles Meisterstück ablieferte und sich zur Weltmeisterin krönte. Für Russell war das Verpassen der Medaillenränge «sehr hart und peinlich», wie sie sich in Zürich zurückerinnerte.Im Anschluss an die Niederlage hätte sie am liebsten alles umgekrempelt. Ihr Agent habe ihr jedoch ins Gewissen geredet und gesagt, sie solle auf dem Weg weiterfahren. «Ich habe in den Spiegel geschaut und mich gefragt: Zu was bin ich fähig? Was kann ich noch machen? Ich will nichts bereuen.» Sie lernte, sich von den Erwartungen zu lösen, von spezifischen Zeiten und Rängen. Und lief dieses Jahr sechs Rennen in Zeiten zwischen 12,14 – bloss zwei Hundertstel über dem vorigen Weltrekord – und 12,27 Sekunden.In der Leichtathletik gilt die Regel: Wer eine solche Serie an gewissen Zeiten erreicht, der ist bereit für einen Ausreisser nach oben. Ditaji Kambundji gelang dies an den Weltmeisterschaften 2025, bei Russell kam die Zeit nun an diesem magischen Abend bei Weltklasse Zürich. «Ich habe dieses Jahr bewiesen, dass ich bei jedem Wetter, jeden Bedingungen und an jedem Ort stark laufen kann», sagte sie.An diesem Bewusstsein hat sie stark gearbeitet, nach der WM-Niederlage auch die Vorbereitung geändert. Nach dem Olympiasieg 2024 hatte sie erlebt, was vielen Athleten und Athletinnen nach einem grossen Erfolg passiert: Sie hatte sich bis zur folgenden Saison noch nicht wirklich erholt, verspürte während dem Sommer eine mentale Müdigkeit. Dieses Mal nun verzichtete sie auf die Hallensaison, verarbeitete zuerst alles und startete frisch. Und wie.Passend zum Artikel
Weltklasse Zürich: Zwei Leichtathletik-Weltrekorde im Letzigrund
Alison dos Santos steigert sich über die 400 m Hürden um fast eine halbe Sekunde und rennt mit 45,80 Sekunden eine Fabelzeit. Danach setzt die Amerikanerin Masai Russell über 100 m Hürden in 12,09 eine neue Bestmarke.











