Wenn Parteien Regierungsverantwortung übernehmen, ist das oft nicht gut für ihre Popularität. Das spürt derzeit die CDU auf Bundesebene. Zu Zeiten der ungeliebten Ampelkoalition stand die Union in Umfragen konstant bei über 30 Prozent. Gut ein Jahr nach der Bildung der schwarz-roten Bundesregierung sind es nur noch wenig mehr als 20 Prozent. Die hohen Erwartungen hat die Union in den Augen der Wähler in der Koalition mit der SPD bisher nicht erfüllt, die Unzufriedenheit ist groß.In Frankfurt befindet sich die CDU in einer ähnlichen Situation wie die Bundespartei. Auch sie stand als Opposition einer Ampelkoalition gegenüber, die in Frankfurt auch noch um die Partei Volt ergänzt wurde. Auch sie profitierte bei der Wahl von der Unzufriedenheit mit dieser Koalition. Und auch sie musste sich in einem Koalitionsvertrag auf Kompromisse einlassen mit linksorientierten Partnern, weil das Wahlergebnis keine Mehrheiten der sogenannten bürgerlichen Parteien brachte.Die Situation im Frankfurter Römer ist sogar schwieriger als in Berlin: Während die Union im Bundestag fast doppelt so stark ist wie die SPD, sind die Abstände im Stadtparlament nicht so groß. Hinter der CDU mit 23 Mandaten folgen schon die Grünen mit 20, die SPD stellt 15 Stadtverordnete. Hinzu kommt der Kooperationspartner Volt mit fünf Mandaten. Die Kräfteverhältnisse zeigen: Die CDU hat zwar die vor fünf Jahren verlorene Rolle als stärkste Kraft zurückerobert, doch kann sie die Koalition nicht dominieren.Enttäuschungen bei Wählern nicht auszuschließenDennoch richten sich die Blicke vieler Wähler vor allem auf die CDU. Sie hat nicht weniger als einen Politikwechsel angekündigt, will vor allem bei Sicherheit und Sauberkeit neue Akzente setzen und in der Verkehrspolitik mehr Pragmatismus walten lassen. Die entsprechenden Zuständigkeiten im Magistrat hat sie sich durch die Übernahme des Ordnungs- und des Verkehrsdezernats gesichert. Aber die neuen Dezernenten, am Donnerstagabend sollten Martin-Benedikt Schäfer und Yannick Schwander gewählt werden, werden nicht zu 100 Prozent CDU-Politik betreiben können, sondern müssen sich auf Kompromisse einlassen. Enttäuschungen bei CDU-Wählern sind nicht auszuschließen.„Uns ist bewusst, dass die Erwartungen hoch sind“, sagt der Kreisvorsitzende Nils Kößler, dem als Bürgermeister und Wirtschaftsdezernent eine führende Rolle in der Koalition zukommt. Seiner Ansicht nach ist es Aufgabe aller Partner, diese Erwartungen zu erfüllen. Es gebe einen Koalitionsvertrag mit klar formulierten Vorhaben. Dieser müsse jetzt abgearbeitet werden. Kößler, der sein Amt als Fraktionsvorsitzender am Mittwoch an seine bisherige Stellvertreterin Sara Steinhardt abgegeben hat, verweist schon jetzt darauf, dass dies nicht innerhalb weniger Wochen passieren könne. Er zeigt sich aber zuversichtlich, dass die vier Fraktionen einen konstruktiven Arbeitsmodus finden werden. Bei einer ersten Koalitionsrunde mit fast 20 Teilnehmern habe eine gute Atmosphäre geherrscht.Finanzen könnten zum Streitthema werdenEine der ersten Aufgabe der neuen Koalition ist der Haushalt für das Jahr 2027. „Das muss jetzt schnell gehen“, sagt Kößler. Diese Aufgabe liegt laut Koalitionsvertrag bei der CDU, die dafür Susanne Serke als neue Kämmerin positioniert hat. Auch diese Entscheidung ist nicht ohne Risiko. Finanzdezernenten werden selten gelobt, wenn es mit dem städtischen Haushalt gut läuft. Aber sie kommen in die Schusslinie, wenn das Budget in Schieflage gerät. Noch steht Frankfurt finanziell gut da. Aber im Koalitionsvertrag sind einige kostspielige Vorhaben vereinbart. Auf Betreiben der CDU soll zum Beispiel die Grundsteuer gesenkt werden, es ist außerdem ein kommunales Wohngeld für Haushalte mit mittlerem Einkommen vorgesehen. Das muss erst einmal gegenfinanziert werden.Der Kampf ums Geld könnte zu einer Bewährungsprobe für die Koalition werden. Die CDU geht mit einem deutlichen Nachteil in diese Auseinandersetzung. Ihre Dezernenten haben sich zwar seit vielen Jahren in unterschiedlichen Funktionen in der Partei engagiert, bisher aber keine oder kaum Erfahrung mit der Führung einer Verwaltung. Im Magistrat sitzen sie „alten Hasen“ gegenüber: Kulturdezernentin Ina Hartwig und Bildungsdezernentin Sylvia Weber sind bereits seit zehn Jahren im Amt, auch Oberbürgermeister Mike Josef (alle SPD) gehört dem Magistrat in unterschiedlichen Funktionen schon seit 2016 an. Die Dezernenten der CDU, die in der Vergangenheit das Prinzip des zuverlässigen Regierens meist vor parteipolitische Ziele gestellt haben, müssen sich erst einarbeiten und können sich nicht viel Zeit damit lassen, ihre Büros einzurichten. „Es gibt keine Warm-up-Phase“, sagt Kößler. „Der Betrieb wird gleich unter Dampf stehen.“Einen Vorteil gegenüber der Bundespartei hat die Frankfurter CDU. Auf kommunaler Ebene gibt es nicht ständig Umfragen, die Rückschlüsse auf die Beliebtheit einer Partei zulassen. Sollte es also mit dem Politikwechsel nicht sofort klappen, zeigt sich das nicht auf der Stelle in Wahlprognosen. Spätestens aber bei der nächsten Kommunalwahl im Frühjahr 2031 schlägt die Stunde der Wahrheit. Dann kann die CDU keine Entscheidungen mehr rückgängig machen.