Der Rüstungskonzern Rheinmetall baut die Produktion in seinem Fahrzeugwerk in Kassel deutlich aus und investiert in den nächsten Jahren 270 Millionen Euro an seinem nordhessischen Standort. „Diese Investition verstehen wir als strategische Maßnahme mit Blick auf bedeutende Aufträge im Bereich militärischer Fahrzeuge, die wir künftig aus dem In- und Ausland erwarten dürfen“, sagte der Rheinmetall-Vorstandsvorsitzende Armin Papperger am Donnerstag.In einem Hangar des Flughafens Kassel-Calden unterzeichnete der Rüstungsmanager gemeinsam mit dem hessischen Ministerpräsidenten Boris Rhein (CDU) und Landeswirtschaftsminister Kaweh Mansoori (SPD) eine Vereinbarung, um ein „Defence Hub Nordhessen“ aufzubauen.Dafür baut der Dax-Konzern unter anderem ein neues Logistik- und Technologiezentrum am Flughafen Kassel-Calden. Der Flughafen wird zunehmend auch durch das Militär genutzt, sowohl für Transporte als auch für Trainings- und Ausbildungsflüge der Bundeswehr. Am Flughafen soll auch neue Drohnen-Technik erprobt und erforscht werden – auch von Rheinmetall in einem neuen Drohnen-Kompetenzzentrum.„Eine Drohne muss man in wenigen Monaten entwickeln. Geschwindigkeit ist ein ganz entscheidendes Maß“, sagte Papperger. Alle paar Monate schreite die Technik fort. Rheinmetall liefert der Bundeswehr die Kampfdrohne FV-014 und steht dabei im Wettbewerb mit jungen Drohnenherstellern wie Stark oder Helsing.Eintausend neue Arbeitsplätze in der RegionDie hessische Landesregierung unterstützt das Projekt mit einem zweistelligen Millionenbetrag, Ende 2027 soll es in Betrieb gehen. Mit einem Anteil von 68 Prozent ist Hessen der größte Anteilseigner des Regionalflughafens. „Kassel-Calden ist und bleibt ein zentraler Baustein der Verkehrsinfrastruktur in Nordhessen“, sagte Hessens Ministerpräsident Rhein. „Mit den Investitionen schaffen wir zusätzliche Wertschöpfung und Arbeitsplätze“, sagte Rhein. Perspektivisch sollten in der Region mehr als 1000 neue Arbeitsplätze entstehen.Rückgrat der Investition ist ein erwarteter Milliardenauftrag für die Fahrzeugklasse Boxer, die etwa als Transportpanzer, als Artilleriefahrzeug oder auch als Basis für die Flugabwehr mit dem Skyranger-System genutzt werden kann. Der Bundestag soll in einer Sitzung am 9. Dezember über einen ersten Boxer-Auftrag entscheiden. Auf Rheinmetall könnte dann ein Auftragsvolumen von 12,4 Milliarden Euro entfallen, auf den Rüstungskonzern KNDS die andere Hälfte.Wie auch in anderen Projekten wie etwa dem Schützenpanzer Puma haben die Konzerne für die Produktion ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet, für den Boxer heißt es Artec GmbH. In einem zweiten Schritt könnten für die Bundeswehr in den Jahren 2030 bis 2035 weitere Tausende Boxer-Fahrzeuge bestellt werden, dabei geht es um ein Auftragsvolumen zwischen zwölf und 14 Milliarden Euro alleine für Rheinmetall. „Wir reden hier in Summe über ein Auftragsvolumen nur in Deutschland von fast 40 Milliarden Euro“, sagte Papperger. Damit sei Beschäftigung bis in die Vierzigerjahre gesichert.Produktion von Panzerfahrzeugen bei Rheinmetall in KasselLucas BäumlProduktion soll auf 500 Fahrzeuge im Jahr steigenUm den erwarteten Großauftrag abarbeiten zu können, baut der Düsseldorfer Dax-Konzern die Produktion kräftig aus: Im Werk in Kassel soll die Jahreskapazität auf „mehr als 500 Fahrzeuge“ gesteigert werden. Momentan arbeiten 2200 Mitarbeiter für Rheinmetall an dem Standort, bis 2029 soll die Zahl der Beschäftigten auf 3500 wachsen, wie Papperger am Donnerstag sagte.Aktuell macht der Rüstungskonzern an dem Standort rund 1,5 Milliarden Euro Umsatz im Jahr, künftig sollen es bis zu fünf Milliarden Euro werden. „Kassel wird in absehbarer Zeit das größte Panzerwerk Europas. Es wird das modernste Panzerwerk der Welt sein“, sagte Papperger.In Kassel schweißt Rheinmetall etwa die Wannen für zahlreiche Fahrzeuge, gefertigt, modernisiert und instand gesetzt werden hier aber auch der Schützenpanzer Marder, die gepanzerte Pioniermaschine Kodiak, oder eben der Büffel, Boxer und Fuchs. Marder, die in Kassel modernisiert werden, gehen etwa an die Bundeswehr und in die Ukraine. Aktuell durchlaufen etwa 200 Fahrzeuge im Jahr das Werk, die meisten davon sind Instandsetzungen. Neu gebaut werden derzeit etwa 40 bis 50 Boxer im Jahr, schon heute liegt die Kapazität freilich deutlich darüber.Der Nachfolger des „Fuchs“ kommt aus FinnlandUm die jährliche Boxer-Produktion verzehnfachen zu können, will Rheinmetall die Herstellung effizienter machen. Produktionsschritte sollen automatisiert werden und der Fertigungsbereich insgesamt vergrößert. Kassel wird der erste Standort sein, in dem autonom fahrende Schweißanlagen für das Chassis unterwegs sein werden.Der milliardenschwere Auftrag für den Boxer und erwartete weitere Aufträge für den Bergepanzer Büffel sind für das Kasseler Werk wichtig, fällt dort doch bald die Produktion des Schützenpanzers Fuchs weg. Über Jahrzehnte prägte der Fuchs das Werk, die Bundeswehr hat sich in der Nachfolge des Schützenpanzers aber für ein Modell des finnischen Rüstungskonzerns Patria entschieden, das unter anderem von KNDS und der Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft im Saarland gebaut wird.Rheinmetall-Chef Papperger verwies am Donnerstag darauf, dass sein Unternehmen inzwischen eine „Buy Germany“-Strategie verfolge und inzwischen 11.000 Zulieferer aus Deutschland habe. „Ich glaube, wir müssen in der jetzigen Zeit auf Deutschland gucken und schauen, dass wir hier Arbeitsplätze schaffen“, sagte Papperger. Rheinmetall gebe alleine in diesem Jahr Aufträge im Wert von acht Milliarden Euro in die Kette seiner 11.000 Zulieferer.Während sich der Rüstungskonzern in den nächsten Jahren auf 70.000 Mitarbeiter verdoppeln wolle, arbeiteten in der Lieferkette 210.000 Menschen. Papperger verglich Rheinmetall am Donnerstag mit der Automobilindustrie in Deutschland, die rund 600.000 Menschen Arbeit gebe. „Dieses Unternehmen kann fast die Hälfte der Automobilindustrie in Deutschland abdecken.“
Rheinmetall investiert 270 Mio. Euro in Panzerwerk Kassel
Deutschlands größter Rüstungskonzern rechnet fest mit einem Milliardenauftrag für die gepanzerten Boxer-Fahrzeuge. Dafür investiert Rheinmetall 270 Millionen Euro in seine Produktion in Kassel.











