Vermutlich kämen selbst intime Kenner in Verlegenheit, wenn man sie fragen würde, über welchen großen zeitgenössischen Staatsmann Goethe den längsten zusammenhängenden Text geschrieben hat. Nein, nicht über Wilhelm von Humboldt, einen jahrzehntelangen vertrauten Freund, nicht über den Freiherrn vom Stein, mit dem er 1815 den Rhein befuhr, auch nicht über Metternich, der ihn 1813 in Weimar besuchte und der wie Humboldt und Stein Korrespondenzpartner blieb. Selbst über Napoleon, der ihn 1808 der später so berühmten Unterredungen würdigte, hat sich Goethe öffentlich nur in Andeutungen geäußert – die Gesprächsskizze, die wir heute kennen, fand sich im Nachlass.
Goethe über Talleyrand: "Unangefochten von allen Stürmen"
Keinem Staatsmann widmete Goethe mehr Zeilen als ihm: In Talleyrand sah der Dichter den Inbegriff der Diplomatie.









