An der deutschen Ladenkasse ist die Girocard die erste Wahl. Das haben die Halbjahreszahlen wieder einmal bestätigt, welche die Euro Kartensysteme als Betreiber vorgestellt haben. Rund 4,21 Milliarden Mal nutzten Verbraucher die Karte, das sind vier Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Dabei legte der Umsatz leicht zu auf 151,9 Milliarden Euro; der durchschnittliche Zahlbetrag sank auf 36,12 Euro. Das klingt zwar wie eine schlechte Nachricht, veranschaulicht aber eine andere Entwicklung: Immer häufiger werden auch kleine Beträge gezahlt. Es ist also nicht mehr nur die Tankfüllung, die mit der Girocard beglichen wird, sondern eben auch die zwei Brötchen beim Bäcker.Dazu passt eine andere Entwicklung: Kontaktloses Bezahlen ist mittlerweile der Standard. 92 Prozent aller Bezahlvorgänge wurden im Juni quasi im Vorbeigehen erledigt: mit der Karte, aber auch mit Smartphone und Smartwatch. Denn die Girocard findet sich mittlerweile auch auf vielen digitalen Endgeräten, seien es die von Apple oder mit dem Android-Betriebssystem. Die Daten werden verschlüsselt übertragen, häufig ist nicht einmal die Eingabe der persönlichen Identifikationsnummer (PIN) notwendig.Immer mehr BezahlterminalsDoch nicht nur in den Portemonnaies ändert sich etwas, auch an den Ladenkassen. Mittlerweile stehen an ihnen 1,4 Millionen Bezahlterminals, welche die Girocard akzeptieren – ein Plus von 11,1 Prozent. Doch das illustriert auch einen Kampf, den die Girocard gerade ausficht: Denn sie ist dringend auf diese Akzeptanz angewiesen. Trotz 100 Millionen ausgegebener Karten graben ihr die Kreditkartenanbieter mit ihren Kartensystemen das Wasser ab.Am sichtbarsten ist das für Kunden durch die unterschiedlichen Kombinationen von Symbolen auf ihren Karten. Maestro ist so gut wie verschwunden. Neu hinzu kamen V Pay, Visa Debit und Mastercard Debit. Die Logos stehen für verschiedene Zahlungssysteme, die auf einer Karte gebündelt werden können. Die Girocard selbst ist das Bezahlsystem der deutschen Banken und Sparkassen. Mit ihr wird vor allem an deutschen Ladenkassen bezahlt und über das Girocard-System auch abgewickelt. Das zusätzliche Logo (Co-Badge) eröffnet einen zweiten Zahlungsweg: V Pay gehört zu Visa, Maestro und Debit Mastercard zu Mastercard. Diese Systeme sollen die Karte auch dort nutzbar machen, wo eine reine Girocard nicht akzeptiert wird, etwa im Ausland oder bei internationalen und digitalen Angeboten.Girocard will Kreditkarten angreifenDas hat aber mit einer Kreditkarte nichts zu tun. Bei V Pay, Maestro und Debit Mastercard wird das Geld trotzdem direkt vom Girokonto abgebucht. Der Unterschied liegt nur darin, welches Zahlungssystem die Transaktion abwickelt. Und genau hier haben die „Co-Badges“ Schwierigkeiten verursacht. Gerade im Urlaub denken viele, dass Debit Mastercard oder V Pay das Gleiche wie eine Kreditkarte wären. Beim Bezahlen mag das noch funktionieren – doch schwieriger wird es bei Reservierungen, etwa für Mietwagen oder Hotelzimmer. Denn diese reservieren oft eine Vorautorisierung. Doch nicht jedes System kann diese über das Co-Badging vornehmen. Das kann der Kunde aber vorher nicht erkennen. Daher war der einzige zuverlässige Tipp bislang, eine Kreditkarte dabeizuhaben.Genau hier möchte die Girocard jetzt angreifen. Das sagt Christopher Kirsch, Direktor Produktentwicklung Girocard bei Euro Kartensysteme. In einem ersten Schritt sollen von Frühjahr 2027 an In-App-Käufe möglich sein, damit die Kunden ihre Girocards direkt in den Apps von Händlern nutzen können. Unausgesprochenes Ziel ist dabei, dass die Zahlungsströme vom Co-Badging von Mastercard und Visa auf die Girocard umgeleitet werden: Damit soll auch wieder mehr Umsatz zu den hiesigen Banken fließen. Als Beispiel wird Payback Pay genannt, wo Kunden bislang per Lastschrift oder Kreditkarte bezahlen können. Hier soll künftig auch die Girocard als Zahlungsmittel hinterlegt werden können.Noch wichtiger dürfte aber eine Entwicklung sein, die ebenfalls für das Jahr 2027 allgemein angekündigt wurde: Dann soll es möglich sein, die Girocard anstelle einer Kreditkarte bei der Buchung von Mietwagen oder Hotelzimmern zu nutzen. Die Vorautorisierung soll auch bei der Girocard möglich sein, Sparkassen und Volksbanken haben die erforderlichen Arbeiten schon abgeschlossen. In welchen Ländern die Funktion zum Start verfügbar sein wird, steht bislang aber nicht fest. Es kann also sein, dass man zwar in Deutschland Mietwagen und Hotelzimmer buchen kann, aber Hotelanbieter im Ausland die Kosten der Implementierung scheuen.