Ole Book, Borussia Dortmund – der KreativeAls Ole Book, der Sportvorstand der kleinen Sportvereinigung aus Elversberg, in diesem Frühjahr zum Sportdirektor der großen Borussia aus Dortmund wurde, wusste man, dass dieser Mann für Elversberg ziemlich viele hervorragende Elversberg-Spieler gefunden hatte. Was man nicht wusste: ob er auf dieselbe Art und Weise auch für Dortmund ziemlich viele hervorragende Dortmund-Spieler finden würde. Als Ole Book, der BVB-Fan aus Beckum, nun in seine erste Transferperiode als BVB-Sportdirektor startete, merkte man allerdings schnell, dass er bei der Suche nach Dortmund-Spielern zumindest genauso kreativ ist wie bei der Suche nach Elversberg-Spielern. Nur dass er statt 300.000 Euro nun auch mal 30 Millionen Euro für einen dieser Spieler ausgeben kann.Kreative Lösungen auf dem Transfermarkt finden ist Ole Books Spezialität.Picture AllianceNach mehreren Transfersommern, in denen der BVB vornehmlich Neuzugänge der Marke „Best-of-Bundesliga“ präsentiert hatte, kommt jedenfalls bisher kein einziger Neuer aus Deutschland. Das liegt zwar auch daran, dass der Kölner Said El Mala dem BVB letztlich zu teuer war. Vor allem aber liegt es an Book. Und der Eindruck, den zum Beispiel die beiden Griechen Konstantinos Karetsas und Giannis Konstantelias in ihren ersten Wochen beim BVB hinterlassen haben, nährt in Dortmund die Hoffnung, dass Book das mit den Dortmund-Transfers mindestens genauso gut kann wie das mit den Elversberg-Transfers. (pc.)Carles Martinez, Bayer Leverkusen – der spanische Franzosen-VersteherEiner wie Alonso? Carles Martinez ist Leverkusens neuer Trainer.dpaSeit mehr als einem Jahr läuft der Leverkusener Umbruch auf vollen Touren, und noch ist schwer ersichtlich, ob Carles Martinez tatsächlich als beruhigende Kraft in einem komplexen Prozess funktioniert. Seit Xabi Alonso im Mai 2025 gegangen ist, wurden etliche Trainer ernsthaft umworben, Erik ten Hag und Kasper Hjulmand scheiterten, nun ist also wieder ein Spanier da – als Brückenbauer. Er soll den Anschluss an Alonsos Erfolgsära finden und den heterogenen Kader einen. „Connection“ lautet einer seiner Lieblingsbegriffe.Sportchef Simon Rolfes weist darauf hin, dass Martinez in Toulouse erfolgreich eine „sehr internationale Mannschaft“ trainiert und ein „Gespür für französische Spieler“ habe. Mit diesen Fähigkeiten soll der 42-Jährige in Rolfes’ Vorstellung „entwickeln“ und „Potential rausholen“, damit die Umbruchzeit schnell zu Ende geht und bestenfalls wieder ein Fußball entsteht, der fließt wie das Spiel unter Alonso oder im spanischen Nationalteam. Besonders en vogue sind spanische Trainer derzeit ja in England, in der Bundesliga will sich Bayer Leverkusen wieder als Exklave der Weltmeisternation profilieren. (dat.)Said El Mala, 1. FC Köln – der Superheld auf ZeitDas Heldenepos rund um Said El Mala ist ein wenig ins Fiktionale abgekippt, nachdem der Flügelspieler sich überraschend entschieden hat, in Köln zu bleiben und sogar seinen Vertrag zu verlängern. Jetzt ist El Mala endgültig Kölns Superheld, ein Beispiel für Bodenständigkeit in einer abgehobenen Branche, und der FC gilt als Ort des erfolgreichen Widerstands gegen den ausufernden Fußballkapitalismus. Dabei wollte El Mala sehr gerne nach Dortmund wechseln, und sein Klub war zuvor keineswegs abgeneigt, ein Millionenangebot aus Brentford anzunehmen. Aber egal – jetzt wird die Geschichte erst mal im Genre der Fußballromanze geführt.Der 19-Jährige bekommt sogar das Trikot mit der Nummer zehn, das seit Lukas Podolski niemand mehr tragen durfte. Und ganz vielleicht geht ja doch der große Traum in Erfüllung: Angeführt von El Mala schiebt sich der FC ins obere Tabellendrittel, und der Held bleibt noch länger. Vorstellbar ist das, denn El Mala ist ein außergewöhnlich guter Spieler, der jetzt als Anführer weiter reifen kann, statt sich nach jeder vergebenen Chance bei einem Großklub fragen zu müssen, ob er das Geld wert ist. Manchmal sind Romanzen doch ziemlich vernünftig. (dat.)Kathleen Krüger, Hamburger SV – die Frau unter MännernSchon vor dem ersten Anpfiff dieser Saison haben sich die Verantwortlichen beim Hamburger SV etwas getraut, was sich in der 63-jährigen Geschichte der Fußball-Bundesliga noch niemand getraut hat: Sie haben eine Frau zur ersten Vorständin eines Klubs gemacht, die den Sport verantwortet: Kathleen Krüger. Eine Headhunter-Agentur hatte die Einundvierzigjährige auf ihre Liste aufgenommen, wo sie neben lauter Männern stand und sich letztlich durchgesetzt hat.Niemand beim HSV hat so viele Titel gewonnen wie Kathleen KrügerPicture AllianceNiemand beim HSV hat so viele Titel gewonnen wie sie in den mehr als zwei Jahrzehnten, die sie beim FC Bayern München in verschiedenen Positionen tätig war: elf Meisterschaften, fünf Siege im DFB-Pokal, zwei Erfolge in der Champions League. Ein weiterer Titel wird beim HSV vorerst eher nicht hinzukommen, dafür ist Krüger nun in die erste Reihe gerückt. Als sie in München ihren Wegbegleitern von ihrem Wechsel nach Hamburg erzählt hat, sagten diese oft Sätze wie: „Wenn jemand oben mal wieder kontinuierlich anklopfen kann, dann ist es der HSV.“ Ob dies dem Verein wirklich gelingt, hängt auch von den Entscheidungen von Kathleen Krüger ab. (witt.)Nathaniel Brown, FC Bayern München – der RaumfinderSie sahen was, was wir nicht sahen, und das war: einen Spielmacher. Als Nathaniel Brown sein erstes Pflichtspiel für den FC Bayern gemacht hat, ist er anders als in Frankfurt und in der Nationalelf nicht als Links- und auch nicht als Rechtsverteidiger eingesetzt worden. Sondern als Spielmacher. Er hat im deutschen Supercup in Dortmund als solcher dann gleich das 1:0 geschossen und gezeigt, warum Vincent Kompany mehr als einen Außenverteidiger in ihm gesehen hat. „Er ist unfassbar gut zwischen den Räumen“, sagte der Bayern-Trainer danach über den neuen Bayern-Spieler, über den sonst immer als Erstes gesagt wird, dass er unfassbar schnell sei.Nathaniel Brown kann nicht nur schnell laufen, sondern auch ein Spiel gestalten.EPAWürde er die Geschwindigkeit ohne Ball mit der Geschicklichkeit mit Ball kombinieren (auf Champions-League-Niveau muss er das noch beweisen), könnte er wirklich mehr als ein Außenverteidiger sein. Mit Blick auf die Jamal-Musiala-Situation muss er das vielleicht auch. Das wäre ein weiterer Grund, warum die Bayern früher in diesem Sommer bereitwillig die mindestens 50 Millionen Euro als Ablösesumme für Brown bezahlt haben. Weil sie zu dem Zeitpunkt nicht nur mehr sahen, sondern, siehe Musiala, mehr wussten. (cfm.)Soufiane El-Faouzi, FC Schalke 04 – der DauerrennerMan kann sicher sein, dass Soufiane El-Faouzi viel rennen wird in dieser Bundesligasaison. So wie in der ersten Runde des DFB-Pokals, als er in 120 Minuten mehr als 17 Kilometer lief. Oder wie in der vergangenen Saison, in der er insgesamt 427 Kilometer über die Rasenplätze der Zweiten Bundesliga wetzte. Kein Spieler lief mehr Kilometer, kein Spieler lief so oft mit hoher Intensität durch die Stadien. Und wenn man das weiß, bekommt man auch eine Vorstellung davon, wie wichtig Intensität für das Spiel seiner Mannschaft in dieser Saison werden kann: El-Faouzi und die Männer um ihn herum dürften versuchen, ihre Gegner rennend in Schach zu halten.Er läuft und läuft und läuft – aber noch nicht weg aus Schalke: Soufiane El-FaouziReutersWeniger sicher ist, wie oft die Schalker ihre Gegner in der Bundesliga auch spielend aufhalten können. Doch für die Entwicklung von El-Faouzi, 24 Jahre alt, und die des FC Schalke wird das entscheidend sein: Wenn sich auch die spielerischen Leistungen, die er in der zweiten Liga gezeigt hat, in die erste übertragen lassen, stehen die Chancen gut, am Ende auf dem 13. statt dem 17. Platz zu landen. Und, das ist im Schalker Spagat zwischen Schuldenabbau und Wiederaufbau fast genauso wichtig: Es dürfte dazu führen, dass man auf das Preisschild für den Mann, der im Sommer 2025 für 200.000 Euro aus Aachen kam, im Sommer 2027 nicht nur eine, sondern gleich zwei Ziffern mehr schreiben könnte. (tbl.)Martin Demichelis, RB Leipzig – der Wunschkandidat des BundestrainersErfahrung auf höchstem Niveau hat Martin Demichelis bisher nur als Spieler.EPAWas früher Golf war, ist inzwischen Padel. Beim Schlagen der Bälle ergeben sich Geschäftskontakte und werden Deals eingefädelt. Jürgen Klopp und Martin Demichelis jedenfalls sollen auf Mallorca regelmäßig gemeinsam auf dem Court zu sehen gewesen sein. Und womöglich entwickelte sich dort ja die Idee, die Demichelis in diesem Sommer nun nach Leipzig führte.Als Trainer von RB tritt der Argentinier dort eine Stelle an, die aufgrund der Ergebnisse seines Vorgängers eigentlich nicht vakant sein sollte. Doch Ole Werner musste trotz Platz drei in der Vorsaison, verbunden mit der Qualifikation für die Champions League, gehen, weil er sich mit Klopp überworfen hatte. Der ist inzwischen Bundestrainer und nicht mehr bei Red Bull, wird aber vermutlich gespannt verfolgen, was sein Wunschkandidat in Leipzig treibt.Erfahrung auf dem höchsten Niveau besitzt Demichelis nur als Spieler. Als Trainer stieg er jüngst mit Mallorca aus Spaniens erster Liga ab, wurde nach guten Ergebnissen im April aber immerhin zum Trainer des Monats gewählt. In Leipzig wird er regelmäßig alle drei Tage an der Seitenlinie stehen müssen. Viel Zeit zum Padel spielen bleibt da nicht. (ssti.)
Book, Brown, El Mala: Sieben Gesichter der neuen Bundesliga-Saison
Ein Mann für kreative Lösungen bei Borussia Dortmund, ein Raumfinder für den FC Bayern, ein Schalker Dauerläufer und eine Frau unter Männern: Wir stellen sieben Menschen vor, die die Bundesligasaison prägen könnten.








