Es hätte wohl nicht viel gefehlt, und im März 2022 wäre die Energieversorgung von Berlin und Brandenburg zusammengebrochen. So erzählt es ein Mitarbeiter des Bundeskriminalamtes (BKA) aus Wiesbaden als Zeuge vor dem Amtsgericht Tiergarten.

Der Grund: ein Hackerangriff des sogenannten Anonymous-Kollektivs auf das IT-System der Deutschland-Tochter des russischen Energiekonzerns Rosneft mit Sitz in Berlin. Die Firma ist Betreiberin der Raffinerie im uckermärkischen Schwedt.

Auf der Anklagebank des Amtsgerichts Tiergarten sitzt an diesem Mittwoch Can S., nicht mehr so anonym, wie er bei Anonymous im März 2022 agierte. Der 31-jährige gelernte IT-Systemelektroniker aus dem nordrhein-westfälischen Witten ist Vater von zwei Kindern, die drei und sieben Jahre alt sind.

In dem Prozess hat er alle Vorwürfe eingeräumt, die in der Anklage stehen. Wohl auch, weil ihm das Gericht an diesem ersten Verhandlungstag bei einem umfassenden und glaubhaften Geständnis eine Bewährungsstrafe in Aussicht gestellt hat.

Anfang März 2022 sei ihm und einigen weiteren Anonymous-Mitstreitern, die er nur unter Pseudonymen kenne, im Internet eine Datei mit sämtlichen Zugangsdaten zu den IT-Systemen von Rosneft Deutschland angeboten worden, erzählt Can S. Der Kontakt lief über einen öffentlich zugänglichen Chat-Server.