Im März dieses Jahres urteilte der Kritiker Simon Strauß in der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« über die Münchner Kammerspiele und ihre Intendantin Barbara Mundel: »Das, was dort geboten wird, ist nicht provokativ, es ist egal .«Nun ist das Haus in der alljährlichen Umfrage der Zeitschrift »Theater heute«, an der diesmal 45 Kritikerinnen und Kritikerinnen teilnahmen – Strauß machte nicht mit –, zum »Theater des Jahres« gekürt worden.
Es liegt nahe, dass die insgesamt neun Voten für die Kammerspiele auch als eine Art Solidaritätserklärung für Mundel zu verstehen sind: gegen die polemische »FAZ«-Diagnose, und gegen die Mächtigen der Münchner Stadtpolitik. Die Stadtoberen wollen die 67-jährige Mundel offensichtlich nicht über den Ablauf ihrer Amtszeit im Jahr 2028 hinaus beschäftigen und haben ihren Job, zunächst ohne sie zu informieren, bereits vor einiger Zeit neu ausgeschrieben.Zur »Schauspielerin des Jahres« wurde die 1992 geborene Paulina Alpen gewählt, die sich im Staatstheater Stuttgart in der Produktion »Die Welt im Rücken« mit grandiosem Kopf- und Körpereinsatz in die Seelenzustände einer bipolaren Künstlerexistenz versetzt. Zum »Schauspieler des Jahres« kürten die Abstimmenden den 1968 geborene Guido Lambrecht – für seine rund fünfstündige Performance mit Texten aus Michel Houellebecqs Roman »Serotonin«, die im Hans Otto Theater Potsdam herauskam.







