Zum politischen Vorgehen der AfD gehört es, Zweifel zu säen – auch an demokratischen Wahlen in Deutschland. So behauptete AfD-Chef Tino Chrupalla jüngst im Interview mit der ARD, die Briefwahl werde manipuliert. Er sprach von Beispielen in Pflegeheimen, die er jedoch nicht konkret benannte. Auch andere Parteivertreter äußerten bereits Zweifel. Sachsen-Anhalts Spitzenkandidat Ulrich Siegmund etwa.Damit eifert die AfD US-Präsident Donald Trump nach, der die Briefwahl für seine Wahlniederlage 2020 verantwortlich machte und ebenfalls von Manipulation sprach. Im März ordnete Trump Änderungen beim amerikanischen Briefwahlrecht an.Gewählt wird im September nicht nur in Sachsen-Anhalt, sondern auch in Mecklenburg-Vorpommern. Auch hier liegt die AfD in Umfragen vorn. Wie nimmt Landeswahlleiter Christian Boden die Diskussion wahr?AfD-Chef Tino Chrupalla bezweifelt, dass die Briefwahl in Deutschland sicher ist. Er behauptet, in Pflegeheimen werde Wählenden der Stift geführt. Was sagen Sie zu solchen Theorien?Das Wahlrecht steht in Deutschland jeder dazu berechtigten Person zu. Auch in Pflegeheimen. Da kann es sein, dass jemand zum Beispiel nicht mehr richtig lesen kann. Hier können Hilfspersonen unterstützen. Aber die müssen dem Willen des Wählers entsprechen. Ich halte solche Zweifel an der Briefwahl für fernliegend. Die Briefwahl ist sicher. Per Brief wählen ja etwa auch Menschen, die im Urlaub sind oder in Schichten arbeiten. Ich habe allerdings auch den Eindruck, dass Wahlen in Deutschland bei der Bevölkerung als verlässlich und eingespielt gelten.Wie wird in Deutschland grundsätzlich sichergestellt, dass Wahlen nicht manipuliert werden?Es gibt kein Verfahren, das hundertprozentig sicher ist. Das gibt es aber in den wenigsten Lebensbereichen. Selbst Onlinebanking ist sehr sicher, aber eben nicht zu einhundert Prozent. Aber: Bei Wahlen sind überall Sicherheitsmechanismen eingebaut. Die Fantasie vieler Menschen ist groß. Meiner Erfahrung nach passieren solche Dinge in der Regel nicht. Es können menschliche Fehler passieren. Jemand verzählt sich zum Beispiel. Aber hier greifen viele Ebenen, die kontrollieren, ob sauber zusammengezählt wurde. Und jeder Bürger ist frei, sich all das auch selbst anzusehen. Die Wahl ist geheim. Die Auszählung ist es nicht.Was bedeutet das in der Praxis?Jede und jeder darf sich beteiligen. Wenn ich wirklich glaube, dass manipuliert wird und ich den Leuten im Wahllokal nicht traue – warum gehe ich dann nicht hin und sehe mir das an? Die Auszählung ist öffentlich. Dafür muss sich auch niemand anmelden. Wahlhelferinnen und Wahlhelfer werden auch gesucht. Warum helfe ich nicht mit und sehe mir das Ganze von innen an? Zu behaupten, es laufe immer alles schlecht, hilft nicht weiter.Empfohlener redaktioneller Inhalt An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. 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Wann steht denn ein Ergebnis fest, wenn es knapp werden sollte?Am Wahltag oder in der Wahlnacht wird es ein vorläufiges Ergebnis geben. Das werde ich am nächsten Tag auf der Landespressekonferenz verkünden. Wenn es gut läuft, sind wir nach Mitternacht im Bett. Wenn nicht, wenn ein Wahllokal etwa Schwierigkeiten hat oder weil zur Kontrolle noch mal ausgezählt wird, dann kann es dauern. Aber im Gegensatz zur Kommunalwahl sind es bei dieser Wahl nur zwei Kreuze. Das vereinfacht die Sache.Und das amtliche Endergebnis?Das wird einige Tage brauchen. Denn in der Zwischenzeit müssen die einzelnen Kreiswahlausschüsse zusammentreten und das jeweilige Endergebnis feststellen. Ganz am Ende kommt der Landeswahlausschuss zusammen und stellt das Ergebnis auf Landesebene fest. Das wird am 30. September sein.Was, wenn Kleinparteien das Ergebnis anzweifeln und nach dem Vorbild des BSW klagen?Nach der Landtagswahl kann man Einspruch einlegen. Dazu bildet der Landtag einen Wahlprüfungsausschuss. Das ist der Rechtsausschuss. Da müssten dann ich als Landeswahlleiter und auch die betroffenen Wahlleitungen Stellung nehmen. Am Ende entscheidet der Landtag. Genauso läuft es übrigens auch bei der Bundestagswahl. Gegen die Beschlüsse ist das BSW schließlich vors Bundesverfassungsgericht gezogen. Im Land würde analog das Landesverfassungsgericht angerufen. Die Stimmzettel werden übrigens auch nach dem abschließenden, amtlichen Ergebnis für etwaige gerichtliche Überprüfungen noch aufbewahrt.Gehören Zweifel etwa an der Briefwahl eigentlich dazu oder beobachten Sie Veränderungen im Umgang mit Wahlen?Das ist eine schwierige Frage. Parteien wollen ins Parlament kommen. Das ist verständlich. Aber ich beobachte, dass der Ton in den vergangenen Jahren rauer geworden ist. Damit geht einher, dass Wahlen infrage gestellt werden. Ich halte das für eine schlechte Entwicklung. Ich weiß aber auch nicht, wie viele Bürgerinnen und Bürger das wirklich glauben. Im Übrigen: Die Wahl wird in jedem einzelnen der 1974 Wahllokale entschieden. Da sitzen sehr viele Menschen, zählen gemeinsam öffentlich aus und tragen das Ergebnis zusammen. Es müssten sich schon sehr viele Menschen absprechen, um etwas zu manipulieren. Das halte ich für fernliegend.Stimmen Sie selbst per Briefwahl ab oder gehen Sie ins Wahllokal?Ich gehe ins Wahllokal, weil für mich Wahlen eine Selbstvergewisserung der Demokratie sind. Dieses Gefühl will ich erleben. Wir hatten bei der letzten Bundestagswahl eine sehr hohe Wahlbeteiligung. Die Leute haben gemerkt, dass es auf ihre Stimme ankommt. Ich kann nur an alle appellieren: Gehen Sie wählen. Schauen Sie sich das an. Bringen Sie sich produktiv ein. In der Demokratie ist die geringste Form des Einbringens, wählen zu gehen. Das zeigt auch, dass man mit diesem Gemeinwesen verbunden ist. Deswegen ist es auch eine tolle Sache, dass sich so viele Menschen als Wahlhelfer und Wahlhelferinnen engagieren. Ich freue mich immer, wenn ich all das in einem Wahllokal erlebe.