Lainault ist 59 Jahre alt, bei ihr sind derzeit keine Krankheitszeichen mehr nachweisbar. Von 1989 bis 2019 arbeitete sie für Air France, zunächst als Flugbegleiterin, später als Chefstewardess auf Langstreckenflügen. In dieser Zeit sammelte sie mehr als 12.600 Flugstunden, davon mehr als die Hälfte nachts. Persönliche Risikofaktoren für ihre Erkrankung verzeichnet ihre Krankenakte laut Medienberichten nicht. Die Krebsdiagnose erfolgte 2019.

Gericht sieht verschiedene UrsachenDas Gericht führte die Erkrankung auf mehrere berufsbedingte Belastungen zurück: Nachtarbeit, Passivrauchen und ionisierende Strahlung kosmischen und solaren Ursprungs. An Bord von Air-France-Maschinen durfte auf bestimmten Strecken bis November 2000 geraucht werden. Die Strahlenbelastung entsteht durch Teilchen aus dem All und von der Sonne. Sie ist in großer Flughöhe stärker als am Boden, weil die Atmosphäre einen Teil davon abschirmt – besonders ausgeprägt auf Routen in Richtung der Polkappen, wo das Erdmagnetfeld schwächer abschirmt als etwa über dem Äquator.

Zur selben Zeit veröffentlichte die Harvard Medical School eine Studie im Fachjournal »JAMA Internal Medicine«, die auf ein erhöhtes Risiko für strahlenbedingte Krebstodesfälle bei Flugpersonal hinweist. Die Forschenden werteten mehr als zwölf Millionen amerikanische Sterbeurkunden aus über 500 Berufsgruppen aus. Bei Flugbegleiterinnen und Flugbegleitern gingen demnach 6,9 Prozent der Todesfälle auf strahlenbedingte Krebsarten zurück, bei Pilotinnen und Piloten 6,7 Prozent – mehr als bei Beschäftigten, die direkt mit radioaktivem Material arbeiten. Einen Beweis für den Einzelfall liefert die Studie nicht, wohl aber einen Hinweis auf ein strukturelles Risiko in diesen Berufen.