Bob Hanning ist die Ruhe selbst. Warum auch nicht? Seine Füchse Berlin sind im Juni vor einem Jahr deutscher Handballmeister geworden, im April ließen sie in Köln den Titel als Pokalsieger folgen. Zwischendurch stockte es auf Hannings langem Weg zur Spitze einmal ordentlich, als er im September 2025 Trainer Jaron Siewert und Sportchef Stefan Kretzschmar rauswarf.Als der Erfolg trotzdem ein Berliner blieb, war Hanning als Geschäftsführer des Vereins über jeden Zweifel erhaben. Hannings Allmacht, entstanden aus Überzeugungskraft und eingelösten Versprechen, ist vor der neuen Saison so groß, dass er seinem Trainer Nicolej Krickau und dem Team eine unlösbare Aufgabe für die Serie 2026/27 gestellt hat: Sie sollen mit nur vier Rückraumspielern auskommen.Große Last auf Mathias Gidsels SchulternOkay, Welthandballer Mathias Gidsel zählt für zwei. Aber rein physisch sind es Gidsel, Nils Lichtlein, Matthes Langhoff und Tobias Gröndahl, die nun absehbare 60 Auftritte bis Juni 2027 durchhalten müssen. Dass das knifflig werden könnte, zeigte sich im ersten Saisonspiel am vergangenen Samstag in München, als die Füchse beim 31:38 gegen den SC Magdeburg im Supercup chancenlos waren. Vor allem Gidsels Schultern werden noch mehr Last tragen müssen; als Torschütze und Zuspieler.Klagen gibt es keine aus der Gruppe. Wenn Hanning behauptet, es werde „eine gute Saison für unsere Entwicklung“, stimmen alle zu. Denn der Zwischenschritt gilt intern nur als Atempause, bis die große Attacke auf den SC Magdeburg folgen soll: In einem Jahr werden bei den Berlinern Dika Mem und Simon Pytlick auflaufen. Sie haben ihre Verträge schon unterschrieben und kommen aus Barcelona und Flensburg. Es zeichnet sich inklusive Gidsel ein galaktisches Trio ab, das die Fans in der Schmeling-Halle verzücken möchte: So viel Wurfkraft und Raffinesse gab es nie. Zumindest auf dem Papier.Hannings verlängerter Arm auf dem SpielfeldDie Füchse haben Torwart Dejan Milosavljev (nach Kielce) und Lasse Andersson ziehen lassen müssen, der zurück nach Dänemark geht. Da verlassen den Klub Führung, Klasse und Wurfkraft. Bob Hanning und Trainer/Sportchef Krickau misslang es, Ersatz für Andersson zu verpflichten. Auch, weil Julian Köster lieber nach Kiel zog. Also – klein beigeben, bevor es richtig losgeht? Davon hält Gidsel, 27, gar nichts: „Wir sagen nicht, uns fehlt ein Spieler. Wir sagen, wir können und wollen Erfolg haben mit dem Team, das wir sind.“Alternativloser Weg: Hannings riskanter Plan für die Füchse scheint im Verein über alle Zweifel erhabendpaFür Hanning ist dieser Weg alternativlos, und in Gidsel hat er einen verlängerten Arm gefunden, der seinen Willen auf dem Parkett umsetzt. Wer nicht mitzieht, kann gehen. Denn diejenigen, die nun in neue Rollen schlüpfen, sind seine Jungs – Matthes Langhoff und Nils Lichtlein werden im Rückraum zu Chefs mutieren müssen, im Tor ist Lasse Ludwig als Nummer eins auserkoren.Zahl der Rückraumspieler schrumpft auf dreiAlle kommen aus der Füchse-Jugend. Und Hanning hat recht, wenn er sagt: „Alle fordern, dass junge Deutsche mehr Verantwortung bekommen und auch mal Champions League spielen. Wir machen das, und alle fragen, warum holt ihr keine Neuen?“ Vor allem vom 24 Jahre alten Matthes Langhoff erwarten die Verantwortlichen nun, mehr als eine passende Ergänzung zu sein. Und auch auf den knapp zwölf Monate jüngeren Lasse Ludwig kommt viel zu, war er in der Hierarchie doch klar hinter Milosavljev gesetzt.Nils Lichtlein wird nach einer Operation am Fuß noch länger fehlen. Auch Linkshänder-Routinier Fabian Wiede braucht Zeit nach seiner Knieverletzung vom Oktober 2025. So schrumpft die Zahl der Rückraumspieler vor dem Berliner Start an diesem Donnerstag gegen die MT Melsungen auf drei, rechnet man eventuelle Nachrücker aus dem Nachwuchs nicht mit ein.Misere des dünnen KadersMathias Gidsel erkennt in der misslichen Lage des dünnen Kaders die Chance, noch mehr zu geben – auch wenn das schwer vorstellbar ist. Ohne Andersson und den ebenfalls abgewanderten österreichischen Kreisläufer Lukas Herburger fehlt es dem Team auch an Führung.Es ist Gidsels Anspruch an sich selbst, in seinem fünften Jahr in der Hauptstadt eine Gruppe an die Hand zu nehmen, die niemand für die großen Schalen und Pokale auf dem Zettel hat – bis dann in einem Jahr die Belohnung für alle mit einem umfangreichen, stark besetzten, millionenschweren Aufgebot folgen wird. Es ist ein hohes Risiko, das die Füchse Berlin eingehen, dem SC Magdeburg die Vorherrschaft streitig zu machen. Aus Hannings Sicht ein überschaubares. Aus voller Überzeugung schickt er diesen Sommer ein Team ins Rennen, das nominell kaum wettbewerbsfähig wirkt.
Bob Hannings riskanter Weg mit den Füchsen Berlin zur Handball-Spitze
Mit einem dünnen Kader starten die Füchse Berlin in die Handballsaison. Geschäftsführer Bob Hanning stellt vor allem Starspieler Mathias Gidsel vor eine schier unlösbare Aufgabe.








