St. Josef, Ückendorf. Jetzt ist der altlinke Spontispruch »Unterm Pflaster liegt der Strand« doch tatsächlich in die Welt des Katholischen eingerieselt: In der Kirche liegt der Sand, nämlich in St. Josef in Gelsenkirchen-Ückendorf. Er bedeckt den Boden im Mittelschiff des neugotischen Baus von 1896, darauf stehen schicke Lounge-Möbel, gefertigt aus alten Kirchenbänken. Und die Verwandlung des Gotteshauses in eine Art Partylocation geht noch weiter: Druckluft bläst eine blaue Plastikmembran auf wie einen Riesenluftballon, der nun in der Kirche zwischen Säulen, Bögen, Gewölben herausquillt oder feststeckt, je nach Perspektive. »Wie Christo von innen« sei das, sagt die Aufseherin, umgestülpte Verpackungskunst. Der Ballon ist durch einen kleinen Eingang begehbar, im Inneren fühlt man sich wie unter Wasser, sitzt also weniger am Strand als vielmehr auf dem Meeresboden. Oder zumindest am Grund eines Aquariums. Wo einst Gebete zum Himmel stiegen, ist jetzt alles denkbar.
Kunst in leeren Kirchen: Gott wohnt hier nicht mehr
20.000 Kirchen werden Ende des Jahrzehnts leer stehen. Im Ruhrgebiet fragt die Ausstellung Manifesta: Was soll aus ihnen werden? Ein Kunstkreuzweg in neun Stationen







