Von einem „RAMageddon“ spricht Felix Falk, Geschäftsführer des Branchenverbandes Game und Ausrichter der Gamescom. Die weltgrößte Messe für Videospiele startet an diesem Mittwoch in Köln. Nach Hochzeiten während der Corona-Pandemie schlägt nun auch der Chipmangel auf die Hardware der Gaming-Branche durch. Der Begriff „RAMageddon“ ist unter den Spielern als Bezeichnung für die hohen Preise für Computer und Konsolen entstanden, erläutert Falk. Gemeint ist eine ironisch zugespitzte Wortschöpfung aus dem englischen Wort Arbeitsspeicher (RAM/Random Access Memory) und Armageddon, also Weltuntergang. Besonders sei der Preis für Gaming-Computer gestiegen, sagt Falk.Zum Umsatzrückgang der Branche in Deutschland trägt im ersten Halbjahr die Hardware bei – trotz der höheren Preise. Insgesamt sank der Umsatz um drei Prozent auf 4,2 Milliarden Euro; für Konsolen, PCs und Zubehör gaben die Spieler sogar acht Prozent weniger aus. Das liegt allerdings auch daran, dass zuletzt keine neuen Konsolen auf den Markt gekommen sind.Wann findet die Gamescom 2026 in Köln statt?Von Krisenstimmung ist in Köln jedoch nichts zu spüren. Auf der Gamescom werden in diesem Jahr mehr als 1600 Aussteller erwartet – so viele wie nie. Der bisherige Höchstwert wurde im vergangenen Jahr mit 1568 aufgestellt. Zum ersten Mal ist die Ausstellungsfläche ausgebucht – bereits einen Monat vor der Messe. 70 Prozent der Aussteller kommen in diesem Jahr aus dem Ausland. Darunter große Studios wie Ubisoft oder EA, Konsolenhersteller wie Nintendo und Xbox, aber auch Produzenten von Zubehör wie Kopfhörern, VR-Brillen oder Smart Glasses stellen in den Kölner Messehallen aus. Das Event findet vom 26. bis 30. August statt.Zurück kehrt nach einer siebenjährigen Pause das polnische Entwicklerstudio CD Projekt Red, das für das Rollenspiel „Cyberpunk 2077“ sowie die Reihe „The Witcher“ bekannt ist. Fans können eine Erweiterung des dritten Spiels der Serie anspielen, die im kommenden Jahr für den PC und die Konsolen Xbox und Playstation erscheint. Sony hingegen, der Hersteller der Playstation, bleibt der Messe fern. Das Unternehmen hat zuletzt 2019 ausgestellt. Damit sind nur zwei der drei großen Konsolenproduzenten auf der Messe vertreten: Nintendo und Xbox. Microsoft nutzt den Anlass und feiert in diesem Jahr das 25-jährige Bestehen von Xbox mit einem Fan-Fest.Ist die Gamescom die größte Messe der Welt?Die Gamescom ist nicht nur eine Fachmesse, wie die einstige Leitmesse E3 in den USA es war, bei der der Fokus auf Spielneuheiten lag. Spätestens mit dem Aus der E3 2023 hat die Gamescom als größte Computerspielmesse der Welt nochmals an Bedeutung gewonnen, auch für die Koelnmesse. „Die Gamescom schreibt seit 2009 eine einzigartige Erfolgsgeschichte“, sagt der Chef der Koelnmesse, Gerald Böse.Für Besucher tut sie das schon länger. Zuschauer treffen Content Creator, Youtuber und Streamer auf der Messe, und so kommen Tausende junge Menschen am Wochenende nach Köln. Im vergangenen Jahr zählte die Gamescom 357.000 Besucher, Game-Verbandschef Falk und Messechef Böse rechnen damit, dass es in diesem Jahr mehr werden. Wenn auch der Rekord wohl nicht geknackt würde – der liegt bei 373.000 Spielern und stammt aus 2019. Wichtiger als die Besucherzahl sei Falk die digitale Reichweite. Events der Gamescom werden live übertragen. Den Beginn markierte die Corona-Pandemie. 2020 schauten zehn Millionen Menschen digital zu, im vergangenen Jahr waren es mehr als eine halbe Milliarde. Ableger der Gamescom finden demnächst in Bangkok und São Paulo statt.Game-Verbandsgeschäftsführer Felix FalkContent Creator und Cosplayer auf der GamescomDass die Messe eine weltweite Institution ist, war nicht immer so. Vorgänger der Gamescom war die Games Convention, die erstmals 2002 in Leipzig stattfand. 2009 zog die Messe unter ihrem heutigen Namen nach Köln um, wo sie zur Begegnungsstätte für Fans, Cosplayer – die sich bunt als Helden ihrer Spiele kostümieren – und Content Creator geworden ist; maßgeblich geprägt durch Youtuber in den 2010er Jahren. Inzwischen spielen sechs von zehn Deutschen Games. Gamer spielen hierzulande im Durchschnitt 2,3 Stunden am Tag, das ermittelte der Digitalverband Bitkom jüngst. Zehn Prozent der Zocker spielen mehr als fünf Stunden am Tag. Ganz vorne dabei sind Jump-’n-’Run- oder Geschicklichkeitsspiele sowie Strategiespiele. Das Smartphone liegt als Gerät leicht vor Konsolen. Auf den beiden Geräten spielen je rund 85 Prozent; im Durchschnitt spielen Gamer auf vier Geräten. „Gaming ist in der Breite der Gesellschaft angekommen und dort seit Jahren fest verankert“, sagt Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer von Bitkom.Doch dominiert wird die Branche von einem kleinen Anteil aller Spieler. Auf die aktivsten 20 Prozent der Gamer auf der Welt entfallen 60 Prozent der Spielzeit – und sogar drei Viertel Prozent aller Ausgaben. Das geht aus einer neuen Analyse der Unternehmensberatung Bain & Company hervor, die der F.A.Z. vorab vorliegt. Bain hat Marktdaten ausgewertet und mehr als 5300 Spieler auf der Welt befragt. Dabei zeigt sich: Vor allem jüngere Menschen geben Geld für Spiele aus. „Etwa 86 Prozent der Teenager geben in einem typischen Monat Geld für spielbezogene Aktivitäten aus“, schreiben die Autoren von Bain. Ab der Mitte des Lebens nimmt die Bereitschaft, für Spiele zu zahlen, deutlich ab. Wer aus Spielinhalten Videocontent erstellt, beispielsweise für Youtube oder die Streamingplattform Twitch, gibt sogar doppelt so häufig Geld für Spiele aus wie jene, die nur für sich zocken.Für Entwicklerstudios und Publisher mache es diese Entwicklung schwerer, ihre Spiele zu vermarkten. „Die Entwicklung von Spielen mit breiter Anziehungskraft ist keine sichere Sache mehr, unter anderem weil diese Titel zuerst die Spieler mit geringen Ausgaben erreichen“, schlussfolgert Bain. Daher seien in den vergangenen Jahren immer wieder hochkarätige Titel gescheitert. Spieler kaufen häufig Nachfolger einer Reihe, anstatt neue Spiele anderer Genres anzuspielen, die für die breite Masse konzipiert sind.Ist GTA 6 auf der Gamescom anspielbar?Kein Wunder, dass der nächste Teil der erfolgreichen Spielereihe „Grand Theft Auto“ seit Jahren sehnsüchtig erwartet wird. GTA 6 erscheint am 19. November, wird allerdings nicht anspielbar sein auf der Gamescom. GTA stammt von dem amerikanischen Publisher Rockstar Games. Die erfolgreichsten Spiele und größten Entwicklerstudios stammen aus den USA und Asien. „Die ganz großen Blockbuster-Produktionen gibt es bisher nicht in Deutschland“, sagte Falk jüngst im Gespräch mit der F.A.Z. Und dennoch blickt die Gaming-Welt in dieser Woche nach Köln – auf Spiele, Hardware und den „RAMageddon“.