Der Ton wird rauer. Vor den Landtagswahlen im Osten tobt ein neuer Ost-West-Konflikt. Eine hoch toxische Mischung aus Historie, Psychologie und dem Streit um die Deutung von Begriffen wie Freiheit oder Wohlstand und Gerechtigkeit. Und neben Historie gibt es auch viel Hysterie.Gut, dass wenigstens FDP-Chef Wolfgang Kubicki das ein oder andere mit Humor nehmen kann. Als politischer Außenseiter vielleicht genau die richtige Art. Dennoch bleibt die Analyse messerscharf. „Die SPD kann die Menschen nicht mehr binden“, sagt er im Theater Ost in Berlin-Adlershof. Die AfD springe als Arbeiterpartei für die Sozialdemokraten ein. Und auch die CDU verliert zusehends an Bindungskraft. Und dieser politische Schwung wandere nun von Ost nach West. Kubicki: „Damit wird die übliche Anmaßung des Westens in Frage gestellt. Das macht viele Wessis rasend.“Im Theater Ost stellt sich der West-Liberale Kubicki den Fragen des Ost-Liberalen Holger Friedrich, dem Verleger dieser Zeitung. Unterm Strich wird dieses Gespräch zur Anklage eines übersättigten Parteienstaats, der seine besten Zeiten hinter sich hat. Weit hinter sich.
Kubicki: „Spiegel-Abo nach 40 Jahren abbestellt.“
Immer schwerer wiegende politische Defizite haben sich über die Jahre bemerkbar gemacht: beginnend 2015 mit weitgehend unkontrollierter Migration, dann seit Corona die zunehmende Staatsverschuldung und die schleichende Erosion der Wirtschaft. Selbstgerechtigkeit und Selbstgefälligkeit sind Begriffe, die Kubicki hier gerne benutzt: „Parteien haben zusehends die Vernunft durch Moral ersetzt. Alles, was angeblich einem guten Zweck dient, ist gut. Und was gut ist bestimmt heute die Politik.“








