Opposition in der Türkei : Gericht verurteilt CHP-Bürgermeister zu Haftstrafen25.08.2026, 17:06Lesezeit: 2 Min.Erst wurden sie abgesetzt, nun müssen sie lange Haftstrafen verbüßen. Ein türkisches Gericht hat mehrere oppositionelle Bürgermeister wegen Korruptionsvorwürfen verurteilt.Ein türkisches Gericht hat mehrere Bürgermeister der Oppositionspartei CHP in Zusammenhang mit Korruptionsvorwürfen zu langen Haftstrafen verurteilt. Das Gericht in Silivri verhängte übereinstimmenden Medienberichten zufolge gegen sechs Politiker aus Istanbul und Adana am Montag jahrelange Haftstrafen. Die Bürgermeister waren im Zuge der Ermittlungen abgesetzt worden.Die höchste Strafe erhielt laut Medien der Bürgermeister des Istanbuler Stadtteils Beşiktaş, Riza Akpolat. Er sei wegen Manipulation von Ausschreibungen, Bestechung und Geldwäsche zu 23 Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Ahmet Özer, Bürgermeister des Istanbuler Bezirks Esenyurt, wurde den Berichten zufolge wegen Amtsmissbrauchs zu einer Haftstrafe von acht Monaten und zehn Tagen verurteilt. Utku Caner Çaykara, Bürgermeister des Stadtteils Avcılar, wurde zwar vom Vorwurf der Manipulation zweier Ausschreibungen freigesprochen, allerdings wegen Bestechlichkeit zu einer Haftstrafe von sechs Jahren und acht Monaten verurteilt.Zeydan Karalar, Bürgermeister der südlichen Stadt Adana, erhielt laut Berichterstattung eine Haftstrafe von sechs Jahren und drei Monaten. Ihm wird Bestechung zur Last gelegt. Türkische Medien berichteten zudem, dass der Bürgermeister des Stadtteils Ceyhan in Adana, Kadir Aydar, zu fünf Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt wurde. Die Bürgermeisterin des Adanaer Stadtteils Seyhan, Oya Tekin, wurde wegen Bestechung zu einer Haftstrafe von acht Jahren und vier Monaten verurteilt worden.200 Angeklagte vor GerichtIm Mittelpunkt des Großprozesses stand ein Geschäftsmann. Die Staatsanwaltschaft hatte Aziz İhsan Aktaş unter anderem die Bildung eines kriminellen Netzwerks vorgeworfen, mit dem er Bürgermeister und Führungskräfte von Gemeinden bestochen haben soll. Alle der rund 200 Angeklagten wurden am Montag vom Vorwurf der Gründung oder Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation freigesprochen. Aktaş selbst wurde wegen Ausschreibungsmanipulation zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt.Der Prozess wurde in der Türkei auch vor dem Hintergrund einer Verhaftungswelle gegen oppositionelle Bürgermeister und der Festnahme des abgesetzten Istanbuler Bürgermeisters Ekrem İmamoğlu aufmerksam verfolgt. İmamoğlu, der profilierteste Gegner von Präsident Recep Tayyip Erdoğan, war im März 2025 verhaftet worden. Seine Festnahme führte zu Massenprotesten in der Bevölkerung. Er muss sich in einem anderen Prozess unter anderem wegen Korruption und Bildung einer kriminellen Vereinigung vor Gericht verantworten.