Durch den Wegfall der Rente mit 63 wird bei Weitem nicht so viel eingespart wie suggeriert. Um die Rente dauerhaft zu sichern, gibt es bessere Modelle.

Das Einsparpotenzial durch den Wegfall der Rente mit 63 ist weit geringer, als in der Debatte suggeriert wird

Christian Charisius/dpa

A rbeitnehmer, die 45 Jahre Beiträge gezahlt haben, bekommen 7,2 Prozent mehr Rente als gleichaltrige Frührentner, die „nur“ 40 oder vielleicht sogar 44 Beitragsjahre auf dem Rentenkonto haben und deshalb pro Jahr Abschläge von 3,6 Prozent hinnehmen müssen. Unter Gerechtigkeitskriterien ist das nicht einsichtig. Dies über Nacht mit sofortiger Wirkung abschaffen zu wollen, ist es aber ebenso. Das verstößt gegen einen zentralen Grundsatz in der Rentenpolitik, der für das Vertrauen in das System unersetzlich ist: Rentenpolitik muss voraussehbar sein. Problemlos könnte hier beispielsweise eine fünfjährige Übergangsperiode vorgesehen werden. So wie sie beispielsweise Annika Klose, SPD-Mitglied in der Alterssicherungskommission, vorgeschlagen hat.

Das Einsparpotenzial durch den Wegfall der Rente mit 63 ist weit geringer, als in der Debatte suggeriert wird. Über die nächsten fünf Jahre könnten hier insgesamt lediglich 5 Milliarden Euro oder 0,06 Prozentpunkte beim Rentenversicherungsbeitrag eingespart werden. Er läge dann statt bei 18,6 bei 18,54 Prozent. Für die folgenden 15 Jahre betrügen die Kosten jährlich 1,5 Milliarden Euro. Die Kosten einer fünfjährigen Übergangsphase beim Auslaufen der abschlagsfreien Rente sind gemessen an den Gesamtausgaben der Rentenversicherung „Peanuts“.