Washington erhöht den Druck – Teheran gibt sich unbeeindrucktDas iranische Regime kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es wirtschaftlich stark unter Druck steht. Auf die Ankündigung neuer Sanktionen gegen die Islamische Republik und deren Handelspartner reagiert es aber betont gelassen.25.08.2026, 16.55 Uhr4 LeseminutenWegen der hohen Inflation können sich immer weniger Menschen in Teheran frisches Obst und Gemüse leisten.Majid Asgaripour / Wana News via ReutersWenige Minuten nachdem der amerikanische Finanzminister Scott Bessent am Montag in Washington neue Sanktionen gegen Iran und dessen Wirtschaftspartner angekündigt hatte, meldete sich der iranische Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf zu Wort. «Die Amerikaner wissen, dass niemand ihre grossspurigen Drohungen ernst nimmt», schrieb Ghalibaf im Kurznachrichtendienst X. «Die Vereinigten Staaten sind wirtschaftlich nicht in der Lage, Irans Beziehungen zu anderen Ländern weiter einzuschränken.»Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Damit wies Ghalibaf indirekt auf die grösste Herausforderung der amerikanischen Regierung hin: Iran von seinen wichtigsten ausländischen Einnahmequellen abzuschneiden, ohne zugleich eine neue wirtschaftspolitische Konfrontation mit China zu provozieren. Die Volksrepublik ist mit Abstand der wichtigste Abnehmer iranischen Erdöls und will sich davon auch künftig nicht abhalten lassen. «Chinas Zusammenarbeit mit Iran erfolgt im Rahmen des Völkerrechts und sollte nicht beeinträchtigt oder gestört werden», sagte Lin Jian, ein Sprecher des Aussenministeriums, am Dienstag.Die USA wollen Iran wirtschaftlich isolierenWenn es nach den Vorstellungen der amerikanischen Regierung geht, sollen alle Länder ihre wirtschaftlichen Verbindungen zu Iran kappen. Finanzinstitutionen, die Iran bei der Abwicklung oder Verschleierung seiner Finanzströme unterstützten, drohe der Ausschluss vom amerikanischen Finanzsystem, kündigte Bessent an. Vergangene Woche hatte der amerikanische Präsident Donald Trump noch von «Massnahmen historischen Ausmasses» gesprochen. Die am Montag vorgestellten Schritte bleiben allerdings hinter dieser Ankündigung zurück.Länder und Unternehmen, die auch künftig mit Iran Geschäfte machten, müssten mit amerikanischen Sanktionen rechnen, sagte Bessent, ohne diese näher zu benennen. Neben China gehörten in letzter Zeit die Vereinigten Arabischen Emirate, der Irak und die Türkei zu Irans wichtigsten Wirtschaftspartnern. Die Emirate haben vor einer Woche allerdings sämtlichen Handel mit Iran ausgesetzt.Wann Washington die angedrohten Sekundärsanktionen gegen Irans ausländische Handelspartner tatsächlich anwenden wird, ist bislang offen. Fest steht jedoch, dass der chinesische Staatschef Xi Jinping Ende September die USA besuchen wird. Das dürfte Washingtons Bereitschaft begrenzen, ausgerechnet jetzt chinesische Grossbanken oder wichtige Unternehmen mit Sanktionen zu belegen.Der Ölexport nach China verschafft Teheran DevisenWegen seiner Erdölimporte ist China die Lebensader für das iranische Regime. Die Einnahmen aus dem Export verschaffen Teheran wichtige Devisen, mit denen der Staat seine Institutionen und den umfangreichen Sicherheitsapparat weiter finanzieren kann – auch wenn die Einnahmen infolge des Krieges und der Blockade stark gesunken sind. Schon vor Beginn des Krieges gegen Iran war die Wirtschaft der Islamischen Republik schwer angeschlagen. Seither hat sich die Situation weiter verschlechtert.So befindet sich die iranische Währung im freien Fall. Die Folgen der Inflation spüre die gesamte Bevölkerung, räumte der iranische Vizepräsident für Exekutivangelegenheiten, Mohammed Jafar Ghaempanah, nach Angaben der halboffiziellen Nachrichtenagentur Isna am Montag ein. Vorher war der iranische Rial auf ein Rekordtief von 2,02 Millionen Rial pro Dollar gefallen. Bereits am Freitag hatte Präsident Masud Pezeshkian mit Blick auf die Wirtschaft geäussert, die Seeblockade erschwere den Handel, und die Regierung verfüge nicht mehr über genügend Mittel, um alle ihre finanziellen Verpflichtungen zu erfüllen.Dennoch gibt es bislang kaum Anzeichen dafür, dass Teheran dem amerikanischen Druck nachgeben will. Bereits vor Bekanntgabe der neuen Sanktionen hatte Teheran mit einer möglichen militärischen Reaktion gedroht. Für den Fall, dass die USA weitere Wirtschaftsmassnahmen gegen Iran verhängen, kündigte es ausserdem an, den Export von Erdöl aus dem Persischen Golf weiter einzuschränken. Der Chef des obersten Rates für nationale Sicherheit, Mohsen Rezai, erklärte am Wochenende, jedes Land, das sich an der von den USA angeführten wirtschaftlichen Blockade beteilige, müsse mit einer iranischen Reaktion rechnen.Teheran hält an seinem Kurs fest«Selbst wenn der Sanktionsdruck weiter erhöht wird, ist eine kurzfristige Strategieänderung Irans im Krieg unwahrscheinlich», sagt der Iran-Experte Ali Fathollah-Nejad auf Anfrage der NZZ. Mittel- oder langfristig könnten gezielte Sanktionen gegen das Regime jedoch den Weg dafür ebnen, dass Iran sein strategisches Kalkül neu bewertet und eine grössere Bereitschaft zu Verständigung und Zugeständnissen entwickelt. «Irans schwere Wirtschaftskrise wird dabei eine wichtige Rolle spielen, da das Regime bis zum Herbst ein erneutes Aufflammen von Strassenprotesten fürchtet», sagt Fathollah-Nejad.Die Vorstellung der USA, dass wirtschaftliche statt militärische Kriegsführung Iran kurzfristig zu Zugeständnissen bewegen wird, bewertet der Iran-Experte als grossspurige Rhetorik. Danny Citrinowicz schätzt die Ankündigung der neuen Sanktionen ähnlich ein. «Wenn Washington weiterhin glaubt, genügend wirtschaftlicher Druck werde Iran irgendwann zur Kapitulation zwingen, dann handelt es sich nicht mehr nur um eine Fehleinschätzung», schrieb der ehemalige Leiter der Iran-Abteilung des israelischen Militärgeheimdiensts am Montag auf X. «Es zeugt von einem grundlegenden Unverständnis des Gegners.» Der «wirtschaftliche D-Day», den Bessent am Montag für Iran ankündigte, dürfte noch eine Weile auf sich warten lassen.Passend zum Artikel
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Das iranische Regime kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es wirtschaftlich stark unter Druck steht. Auf die Ankündigung neuer Sanktionen gegen die Islamische Republik und deren Handelspartner reagiert es aber betont gelassen.











