Der syrische Außenminister Asaad al-Schaibani bejubelte eine „historische“ Entscheidung. Nach Jahrzehnten haben die Vereinigten Staaten Syrien von der Liste der Staatssponsoren des Terrorismus gestrichen. Der Schritt trat am Montag nach einer 45 Tage währenden Prüfungsfrist des amerikanischen Kongresses in Kraft. US-Präsident Donald Trump hatte diesen am 8. Juli von seinem Vorhaben in Kenntnis gesetzt. Außenminister Marco Rubio erklärte zur Begründung, es handle sich um die „Anerkennung“ der „positiven Handlungen“ des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa, der „zukünftigen Verpflichtungen“ und des Machthabers in Damaskus. Scharaa dankte Trump und sagte, Syrien schlage jetzt ein neues Kapitel auf und lasse die „schmerzhafte Vergangenheit“ hinter sich. Das Land werde sich jetzt dem Wiederaufbau widmen.Die Streichung führt Syrien weiter aus der internationalen Isolation heraus. Sie wurde von der Führung in Damaskus als diplomatischer Sieg gefeiert. Schon unter Hafiz al-Assad, dem Vater des gestürzten Gewaltherrschers Baschar al-Assad, war das syrische Regime als Terrorunterunterstützer ein Paria in Washington. Baschar al-Assad war ein enger Verbündeter Irans und Russlands. Unter Scharaas Regie hatten islamistische Rebellenbrigaden das Regime im Dezember 2024 zu Fall gebracht.Die neue Führung hat sich dem Westen und vor allem Washington seither als Partner angedient. Mit Iran gibt es einen gemeinsamen Feind. Scharaa steuert einen pragmatischen Kurs. Er verfolgt auch gegenüber Israel, das seit seiner Gründung mit Syrien verfeindet war, eine Politik des Ausgleichs. Syrien ist der internationalen Koalition gegen den „Islamischen Staat“ beigetreten. Washington versucht sogar, Damaskus zu einem aktiven Eingreifen in Libanon gegen die von Iran gelenkte Hizbullah zu bewegen. Doch hier zeigt sich Damaskus widerwillig.Trump scheint Ahmed al-Scharaa zu mögenDer syrische Übergangsmachthaber hat eine erstaunliche Karriere gemacht. Er kämpfte unter dem Banner von Al Qaida, saß im berüchtigten Camp Bucca im Irak ein, wo Washington während der amerikanischen Besatzung gefährliche Islamisten gefangen hielt. Scharaas Islamistenallianz „Hayat Tahrir al-Scham“ (HTS) war aus dem syrischen Al-Qaida-Ableger hervorgegangen. Der syrische Machthaber hat sich und HTS 2016 von der Terrororganisation losgesagt. Am Montag wurde die Gruppe von der US-Liste internationaler Terrorgruppen gestrichen.Trump scheint Scharaa zu mögen. Er empfing ihn im November 2025 im Weißen Haus und bezeichnete ihn als „harten Kerl“, mit dem er sich gut verstehe. Der frühere Dschihadistenführer hat auch einflussreiche Fürsprecher im Umfeld des Präsidenten. Zu ihnen zählt der mit Syrien befasste amerikanische Sonderbeauftragte Tom Barrack, der als enger Vertrauter Trumps gilt. Doch in Washington gibt es auch einflussreiche Persönlichkeiten, die Scharaa wegen seiner Vergangenheit misstrauen.Westliche Diplomaten sehen in dem amerikanischen Vorstoß einerseits ein „positives psychologisches Signal“, das der internationalen Banken- und Geschäftswelt die Furcht vor amerikanischen Strafmaßnahmen nehme. Es fallen Restriktionen weg, etwa mit Blick auf Finanztransaktionen, amerikanische Auslandshilfe, Rüstungsexporte oder Güter, die sowohl zivile als auch militärische Anwendung finden können.„Jetzt muss Damaskus seine Hausaufgaben machen“Andererseits, so heißt es von Diplomaten aber auch, steigt jetzt der politische Druck auf Damaskus, selbst wirtschaftlichen Fortschritt ins Werk zu setzen und „die eigenen Hausaufgaben zu machen“. Die Sanktionen wurden von Damaskus immer wieder als Hemmnis dargestellt, das wirtschaftlicher Erholung im Weg stehe. Es gibt indes auch andere Gründe, aus denen Syrien mit spitzen Fingern angefasst wird: Es fehlt an Rechtssicherheit für ausländische Investoren, das Bankensystem kränkelt. Die syrische Führung muss einen guten Umgang mit Altschulden finden. Außerdem wurde auch unter der Führung Scharaas ein tiefer Staat mit Parallelstrukturen aufgebaut.Die syrische Bevölkerung will Erleichterungen im Alltag sehen. „Banküberweisungen sind noch immer nicht möglich, man kann noch immer keine internationalen Kreditkarten benutzen. Man braucht noch immer einen VPN für essenzielle Apps“, sagt ein kritischer Beobachter in Damaskus. „Wenn sich da nichts tut, wird der Applaus über den diplomatischen Erfolg schnell als eine weitere hohle Ankündigung angesehen.“