Wie geht das? Kay Bruhnke war ratlos: „Es ist so krass, er macht alles, wirklich alles mit 100 Prozent. Er ist schon im Training, bevor wir mit dem Bus hinfahren.“Bruhnke schüttelte den Kopf. Er gehört noch nicht so lange zur Basketball-Nationalmannschaft, und man tritt ihm gewiss nicht zu nahe, wenn man sagt, dass er wird kämpfen müssen, um nächstes Jahr bei der Weltmeisterschaft in Qatar im Dress des Deutschen Basketball-Bundes (DBB) auflaufen zu dürfen.Für den Moment aber war der 25 Jahre alte Flügelspieler bester Zeuge der Professionalität eines gewissen Dennis Schröder. Der führte das durcheinandergewirbelte Team am Wochenende beim Supercup in Hamburg – sechs Deutsche aus der amerikanischen Profiliga NBA fehlten – zu Siegen über Tschechien und Kroatien. Der Auftritt des Kapitäns hinterließ nicht nur bei den Neuen einen bleibenden Eindruck: „Sein Engagement für Deutschland ist unglaublich“, sagte Trainer Álex Mumbrú schwärmend, „ein Anruf reicht, und er kommt.“„Es ist wie eine Klassenfahrt“Während Franz Wagner (Orlando) und sein Bruder Moritz (Brooklyn) fehlten, um sich in den Vereinigten Staaten für die nächste NBA-Saison zu präparieren, schien Schröder die Tage von Hamburg zu genießen. „Es ist wie eine Klassenfahrt. Alle freuen sich, zum Team zu kommen.“ Schröder schaut erwartungsfroh auf diese Woche. Denn es stehen weitere, wichtigere Spiele an nach dem erfolgreichen Einspielprogramm.Am Donnerstag spielt der Europa- und Weltmeister in der zweiten Qualifikationsrunde für die WM 2027 zunächst in Köln gegen die Niederlande, ehe es am Sonntag in Danzig zum Match gegen Polen kommt. Im November und Februar folgen weitere Spiele in der Sechsergruppe. Die deutsche Auswahl liegt auf Rang drei zusammen mit Kroatien, einen Punkt hinter den führenden Polen. Die ersten drei Teams dürfen in Qatar antreten. Dort will die Auswahl des DBB dann den gegen Serbien vor drei Jahren in Manila gewonnenen Titel erfolgreich verteidigen.Schnurstracks zurück zur WM-Form: 2027 wollen Schröder und Co den WM-Titel erfolgreich verteidigen.dpaSchröder war mit wenig schmeichelhaften Nachrichten von seinem deutschen Standort Braunschweig nach Hamburg gereist. Allen Kritikern nahm er den Wind aus den Segeln, als er sagte: „So ist das Geschäft. Ich spiele da, wo ich gebraucht werde.“ Während die Nationalmannschaft sein Zuhause ist, sein Status zementiert und sein Ansehen bei Fans und Kollegen riesig, lebt er prächtig von seinen Künsten in der NBA, wird dort aber hin und her geschoben. Mit 32 Jahren zog er nun von den Cleveland Cavaliers zur zwölften Station seiner NBA-Reise, zu den Charlotte Hornets.„Ich hatte keine Chance in Cleveland. Dort wollen zwei Legenden den Ball“, sagte der kleine Spielmacher mit Sinn für die Realität des NBA-Systems. Donovan Mitchell und James Harden stehen in der Hierarchie vor ihm. „Ich spiele schon 13 Jahre in der NBA. Was auch immer die von mir brauchen, das wird gemacht.“ Die Hornets haben die Play-off-Runde ein Jahrzehnt lang verpasst. Kein Ort für die großen Ziele mithin.Zurück nach BraunschweigIn Charlotte möchte er den jungen deutschen Nationalspielern Hannes Steinbach und Christian Anderson ein Mentor sein; jemand, der sie lenkt und ihnen hilft. Das hätte er zu Beginn seiner NBA-Karriere auch gern gehabt, sagte Schröder. Er hat einen ereignisreichen Sommer hinter sich, musste bei den Basketball Löwen Braunschweig, dem Absteiger aus der ersten Liga, einige Kaderveränderungen anschieben.Über eine Wildcard blieb Schröders Klub dann doch erstklassig. 2020 hatte er alle Gesellschafter-Anteile der Basketball Löwen Braunschweig GmbH übernommen. Der blitzschnelle Aufbauspieler steckt viel Geld hinein – und Herzblut. In Braunschweig wuchs er auf, entwickelte er sein Talent.Sieben NBA-Teams in den vergangenen drei Jahren: Umzüge gehören für Dennis Schröder, seine Frau und die drei Kinder zum Alltag. Er gebe allen ein gutes Umfeld, erzählt er. Die Kinder würden daheim unterrichtet: „Das Wichtigste ist, dass wir zusammen sind. Und das sind wir überall.“ Dass sich dieses „zusammen“ rein lokal nicht auf die Vereinigten Staaten beziehen wird, hat Schröder jüngst erklärt. Zwei bis vier Jahre werde er noch in der NBA spielen, bevor er ein paar Saisons für die Löwen auflaufen möchte.In Hamburg wirkte der Star körperlich und mental auf der Höhe. In beiden Partien glänzte er mit Pässen auf Center Daniel Theis, musste am Samstagabend in einer harten Partie gegen die Kroaten aber einige Zeit angeschlagen auf der Bank verbringen. Sein Spiel gegen Kroatien betrachtete er kritisch: „Das war nicht gut.“ Immerhin gelangen ihm zehn Punkte und zehn Assists.Voller Einsatz fürs NationalteamHinter den eingesetzten Spielern saßen die Kollegen Isaiah Hartenstein und Ariel Hukporti und schauten zu: Beide NBA-Profis wollten dabei sein, obwohl sie wegen Verletzungen nicht mitmischen konnten. Das erwartet Schröder von Spielern, die in den Kreis des Nationalteams zurückkehren oder sich dort etablieren wollen: „Es geht immer um Engagement. Wenn die Jungs sich committen, hier zu sein, ohne spielen zu können, ist das für das Team und die Organisation viel wert.“Es ist zwar ein Sommer ohne großes Turnier, aber dennoch ein wichtiger Sommer für die Deutschen. Es geht um die Stabilisierung all dessen, was sich die Mannschaft erarbeitet hat in den vergangenen Jahren, teils mit neuen Spielern. Unzufrieden waren sie nach dem Sieg gegen Tschechien, schon eher angetan mit dem Erfolg gegen Kroatien. Jeder Auftritt soll sie näher an die WM-Form bringen. Da war der Supercup für diese große, erweiterte Gruppe hilfreich. „Wir machen auch außerhalb der Spiele viel“, sagte Dennis Schröder.Während er in der NBA daran „scheitert“, eine Führungsrolle zu bekommen, ist in der Nationalmannschaft und im Verband glasklar, wer die Fäden ziehen soll – und das erfolgreich tut.
Herz des Nationalteams: Wo Basketballstar Dennis Schröder sein Glück findet
Der blitzschnelle Basketball-Star Dennis Schröder ist in der NBA auf schier endloser Wanderschaft. Heimat und erfolgreiche Erfüllung findet er in der Nationalmannschaft.






