Sommerzeit ist Bücherzeit. Unsere Autorin arbeitet als Buchhändlerin – und hat über die Jahre ganz verschiedene Lesende kennengelernt.
Eine Stimme reißt mich aus den Welten der frisch eingetroffenen Bücher, in denen ich seit einer halben Stunde blättere. Ich war so vertieft, dass ich die Kundin nicht gehört habe, als sie die Tür öffnete. Sie ist eine der wenigen Menschen, die an diesem heißen Samstagnachmittag in die Buchhandlung kommen und die alle dasselbe sagen: „Kühl hier.“ Wenn es draußen nicht 34 Grad hätte, wäre mehr los, dann könnte ich nicht so lange in einer dunklen Ecke sitzen und lesen – außer vielleicht im Winter bei minus 15 Grad und Schneesturm. Dann würden die Leute beim Reinkommen wahrscheinlich sagen: „Warm hier.“
An normalen Tagen passiert es leider ziemlich selten, dass ich viel Zeit zum Lesen habe. Jedenfalls nicht so oft, wie ich es mir vorgestellt hatte, als ich schon als Teenagerin davon träumte, Buchhändlerin zu sein. Vor meinem inneren Auge sah ich mich auf einer Fensterbank liegen, mit einer Tasse Kaffee in der einen Hand und einem offenen Buch in der anderen. Um mich herum Büchertürme und eine in der Sonne schlafende Katze.
Ein ähnliches Bild scheinen viele Kund*innen im Kopf zu haben, wenn sie an diesen Beruf denken. Oft höre ich Sprüche wie: „Schön, den ganzen Tag lesen und so …“. „Schön wäre es“, denke ich, nicke aber nur, denn ich möchte ihre Fantasie nicht zerstören.








