Man kennt nicht so viele Menschen, die ihren Urlaub in Luxemburg verbringen, die aus anderen Ländern anreisen, nur um in Luxemburg zu sein. Das Land mitten in Europa und die gleichnamige Stadt haben zwar gerade einen für seine Verhältnisse beachtlichen All-Time-Besucherrekord von über 1,6 Millionen touristischen Übernachtungen hingelegt, aber es kommen immer noch deutlich weniger Touristen als etwa nach Brüssel oder Kopenhagen.Was nicht daran liegt, dass Luxemburg weniger zu bieten hätte, im Gegenteil – es ist nur so, dass man bei „Luxemburg“ nicht in erster Linie an Ferien, sondern vor allem an Arbeit denkt, an Bankgeschäfte, diskrete Finanztransaktionen, den Europäischen Gerichtshof. Dabei lohnt es sich schon wegen der spektakulären Brücken der Stadt nach Luxemburg zu kommen. Man kennt den Ponte Vecchio in Florenz, Venedigs Rialtobrücke und all die anderen Brücken, derentwegen allein Touristen aus aller Welt anreisen – aber wer kennt die von den großartigen Ingenieuren Albert Rodange und Paul Séjourné errichtete Adolphe-Brücke, die sich aus dem Zentrum der Stadt Luxemburg über einen in schwindelerregender Tiefe unten vor sich hin plätschernden Bach, die Petrusse, auf die andere Seite schwingt?Die um 1900 errichtete Bogenbrücke galt einmal als ingenieurskünstlerischer Geniestreich, bei ihrer Fertigstellung hatte sie mit einer Spannweite von 84,65 Metern den größten Steinbogen der Welt. Zwischen 2014 und 2017 hat man die Brücke renoviert, und damit Fußgänger und Radfahrer gefahrlos von der einen Seite auf die andere kommen, hat man kurzerhand unter den Bogen der Steinbrücke noch eine atemberaubende Hängebrücke mit Fußweg und mehrspurigem Radschnellweg gehängt.Luxemburg ist schon wegen seiner spektakulären Brücken eine Reise wert: Hier eine historische Aufnahme des Pont Adolphe.Picture AllianceWer sich, was bei dem auf und ab in der extrem hügeligen Stadt empfehlenswert ist, ein Fahrrad leiht oder an den E-Bike-Führungen des sehr kundigen und ebenfalls empfehlenswerten Führers Marco di Vicenzo teilnimmt, saust hinter diesem über die unter der Brücke hängenden Brücke in die Tiefe, was ein Erlebnis ist, und schraubt sich in Serpentinen bis hinunter zum Lauf der Baches, der von seiner Quelle bis in die Alzette dreizehn Kilometer braucht. Di Vicenzo, Kind von Italienern, die wie viele in Luxemburg in den Fünfziger- und Sechzigerjahren ihr Glück suchten, macht unten, wo der Bach an hohen Felsen friedlich vorbeimurmelt, eine scharfe Bremsung. Eine Katze blinzelt misstrauisch und trollt sich beleidigt wegen der Störung ihrer Morgenruhe.Die Petrusse wurde vor Kurzem in Teilen renaturiert, jetzt herrscht hier wieder eine Atmosphäre wie in den grauen Vorzeiten, als sich an ebendieser Stelle in einer Höhle eine keltische, später römische Kultstätte befand. Eine Quelle entsprang dort, der man heilende Wirkung auf die Augen nachsagte.