Mit einem Charterflugzeug hat die Bundespolizei ausreisepflichtige Afghanen in ihr Herkunftsland gebracht. Die Abschiebung vom Flughafen Leipzig/Halle nach Kabul begann in den frühen Morgenstunden. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur begleiteten die Beamten 23 Männer auf dem Flug in die afghanische Hauptstadt.Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte nach einer Abschiebung Ende Juli erklärt, man werde sich bei den Rückführungen nach Afghanistan nicht mehr ausschließlich auf Straftäter und „Gefährder“ beschränken. Vielmehr werde man, wie im Koalitionsvertrag vereinbart, ab sofort auch andere Ausreisepflichtige dorthin abschieben. Kontakte zu den Taliban Kritik gab es zuletzt an Absprachen der Bundesregierung mit den Machthabern in Kabul, den islamistischen Taliban. Die Grünen-Bundestagsabgeordneten Schahina Gambir und Sara Nanni warfen der Regierung vor, um ihr Ziel der „Abschiebungen um jeden Preis“ zu erreichen, biedere sie sich den Taliban an, die Frauen und Mädchen grundlegende Menschenrechte entzogen hätten. Durch ihre Zusammenarbeit mit den Taliban helfe sie ihnen, „auf dem internationalen Parkett salonfähig zu werden“.Hier in Kabul gibt es keine Arbeit für mich. Wäre mein älterer Bruder nicht hier, würde ich auf der Straße leben.Afghane, der im Juli abgeschoben wurdeDie Bundesregierung erkennt die Taliban, die vor fünf Jahren die Macht in Kabul übernommen haben, nicht als legitime Regierung an. Die erste Sammelabschiebung afghanischer Straftäter in ihr Herkunftsland war vor zwei Jahren mit Unterstützung des Golfemirats Katar organisiert worden. Damals war Nancy Faeser von der SPD Bundesinnenministerin.553Menschen sind 2026 bereits laut Afghanistan Human Rights and Democracy Organization ausgepeitscht worden.Einer der 31 Männer, die Ende Juli von Deutschland nach Afghanistan abgeschoben worden waren, hatte der dpa anschließend am Telefon berichtet, er sei mit 14 Jahren in Deutschland angekommen und habe teilweise die Muttersprache Dari verlernt. Die Abschiebung trenne ihn von seiner Frau und seinem Kind. „Hier in Kabul gibt es keine Arbeit für mich. Wäre mein älterer Bruder nicht hier, würde ich auf der Straße leben“, sagt er. Ziel für ihn sei, nach Deutschland zurückkehren. Auspeitschungen nehmen laut Menschenrechtlern zu Die Abschiebungen finden vor dem Hintergrund einer sich verschärfenden Menschenrechtslage in Afghanistan statt. Gut fünf Jahre nach der Machtübernahme der Taliban nehmen Menschenrechtlern zufolge die Auspeitschungen zu. Während für 2024 noch 593 Fälle der drakonischen Strafe dokumentiert wurden, seien 2025 bereits 1074 Menschen ausgepeitscht worden, berichtete die Afghanistan Human Rights and Democracy Organization (AHRDO) mit Sitz in Kanada. Im laufenden Jahr dokumentierte die Menschenrechtsorganisation bis April schon 553 Auspeitschungen.In den meisten zwischen Februar 2022 und April 2026 dokumentierten Fällen wurde die Auspeitschung mit außerehelichen Beziehungen, angeblichen Sexualdelikten sowie Homosexualität begründet. In vielen Provinzen wurden die Opfer auf Sportanlagen sowie öffentlichen Plätzen ausgepeitscht. Auch in Gefängnissen wurde die Bestrafung den Angaben zufolge angewandt. Der Erhebung liegen Veröffentlichungen des obersten Gerichts in Afghanistan und öffentlich zugängliche Daten zugrunde. Auch UN besorgt über Zunahme von Auspeitschungen Laut einem Bericht der UN-Hilfsmission für Afghanistan (Unama) von Ende Juli veröffentlichen die Taliban-Behörden seit Mitte April dieses Jahres keine Ankündigungen von öffentlichen Auspeitschungen mehr. Dennoch seien allein zwischen 1. April und 30. Juni 137 Menschen ausgepeitscht worden. Häufig seien lediglich Regierungsangestellte zugegen gewesen, hieß es weiter. Bereits im März hatte das UN-Menschenrechtsbüro (OHCHR) Sorge über eine Zunahme an Auspeitschungen in Afghanistan ausgedrückt.Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation AHRDO verletzt das öffentliche Auspeitschen fundamentale Rechte und verstößt gegen das Folter-Verbot. Die Taliban hatten am 15. August 2021 die afghanische Hauptstadt Kabul erneut eingenommen und regieren seither mit strengen religiös-motivierten Regelungen.Afghanistan mit seinen mehr als 48 Millionen Einwohnern steckt derzeit in einer schweren humanitären Krise. Die Unterernährung habe ein bislang nicht dagewesenes Ausmaß erreicht, warnte zuletzt das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen. Lediglich etwa 33 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung haben nach Angaben der Internationalen Arbeitsagentur (ILO) einen Job. (dpa)
Menschenrechtler warnen vor Lage vor Ort: Deutschland schiebt erneut 23 Afghanen nach Kabul ab
23 Männer sind in den frühen Morgenstunden von Leipzig aus nach Afghanistan geflogen worden. Zugleich verschärft sich die Menschenrechtslage in dem Land.














