Vor dem Saisonstart drohte Cole Palmer seinem neuen Mitspieler Morgan Rogers scherzhaft mit dem „Gerichtsvollzieher“, sollte dieser seinen bekannten Torjubel nachahmen. Die beiden 24-Jährigen hatten sich vor zehn Jahren in der Nachwuchsakademie von Manchester City kennengelernt und laufen seit dem Wechsel von Rogers für 137 Millionen Euro von Aston Villa in diesem Sommer erstmals gemeinsam im Profifußball für den FC Chelsea auf. Von der Drohung ließ sich Rogers nicht beeindrucken. Nach seinem Treffer im Premier-League-Auswärtsspiel beim Lokalrivalen Fulham führte er ebenso den „Cold“-Jubel aus wie später Palmer selbst, der ebenfalls erfolgreich war: Dabei reibt man sich die Arme, als würde man frieren. Die Geste lässt sich jedoch auch dahin gehend interpretieren, dass man gehörig Ballast abstreift – was im Fall der beiden und ihres Klubs am Montag wohl die treffendere Deutung gewesen wäre.Der FC Chelsea startete nach der gründlich missratenen vergangenen Saison unter dem neuen Cheftrainer Xabi Alonso mit einem zuversichtlich stimmenden 3:2 in die neue Ligarunde. Der Erfolg vermittelte den Eindruck, als hätten der Verein und seine Spieler eine gewisse Distanz zu den zwei spektakulären Trainerwechseln sowie den zahlreichen Zerwürfnissen und Intrigen der Vorsaison gewonnen, die unrühmlich außerhalb sämtlicher Europapokalränge auf Platz zehn geendet hatte.Fifa-Präsidentschaft:Warum der größte Infantino-Kritiker Infantino nicht selbst herausfordertEuropas Fußball-Boss Aleksander Ceferin verzichtet auf eine eigene Kandidatur. Alles deutet darauf hin, dass die Opposition eine radikale Lösung für die Fifa-Krise präferiert – bald steht ein markantes Datum an.Unter Alonso wirkten die Blues zum ersten Mal seit dem einschneidenden Besitzerwechsel vor vier Jahren wieder wie eine richtige Fußballmannschaft. Statt ausschließlich talentierte Jungprofis zu verpflichten, holte der Klub auf Drängen Alonsos zuletzt mehrere gestandene Kräfte. Dazu zählt der ehemalige Wolfsburger Verteidiger Maxence Lacroix, 26, von Crystal Palace, der dem Team Stabilität verlieh. Schon nach 38 Sekunden erzielten die Blues durch Stürmer João Pedro das 1:0, später erhöhten Rogers (41. Minute) und Palmer (49.). Das 1:1 von Fulhams Josh King (23.) sowie der Anschlusstreffer von Gonzalo García (54./2:3) ließen die Partie nicht kippen. Beide Treffer resultierten mitunter aus Fehlern des unsicheren Chelsea-Torwarts Robert Sánchez.Alonso setzt gegen Fulham auf eine besonders robuste StartformationFür Alonso war es nach seiner Zeit als Spieler beim FC Liverpool der erste Pflichtspielsieg als Trainer auf der Insel. Dass er diesen gegen seinen spanischen Landsmann Álvaro Arbeloa errang, der gleichzeitig mit ihm beim FC Fulham anfing, dürfte ihm etwas bedeuten. Die beiden verbindet eine ambivalente Beziehung. Einst liefen sie gemeinsam 262 Mal für Liverpool, Real Madrid und die Nationalelf auf und freundeten sich an. Angeblich wohnen sie mit ihren Familien in London in der Nähe, zudem besuchen die Kinder dieselbe Schule. Aber es war eben pikanterweise auch Arbeloa, der Alonso nach dessen Entlassung bei den Königlichen zu Jahresbeginn bis zum Saisonende als Trainer beerbte. Nach dem Match antwortete Arbeloa auf die Nachfrage, ob er mit Alonso „auf ein Bier“ gehen werde: „Ich denke nicht. Gebt mir einige Tage, einige Wochen.“Seit Morgan Rogers diesen Sommer für 137 Millionen Euro von Aston Villa zum FC Chelsea wechselte, laufen der 24-Jährige und sein Kumpel Cole Palmer (li.) erstmals gemeinsam im Profifußball auf. Dylan Martinez/ReutersIm direkten Duell spielte Alonso seine lange Premier-League-Erfahrung aus. Angesichts der Rivalität der Klubs und der für Gastmannschaften unwirtlichen Atmosphäre im traditionsreichen Craven Cottage setzte er auf eine besonders robuste Startformation. Alonso nominierte fünf Verteidiger, dazu zwei defensive Mittelfeldspieler, die den beiden Spielmachern Palmer und Rogers sowie Pedro offensiven Freiraum verschaffen sollten. Der Plan ging auf: Das Trio überzeugte, allen voran Palmer, der an sämtlichen Toren beteiligt war. Das 1:0 legte er auf, beim 2:1 schuf er mit einer starken Einzelaktion den entscheidenden Platz und das 3:1 erzielte er schließlich selbst, als er Fulhams Torwart Bernd Leno mit einem Schuss durch die Beine überwand.Die Zugabe lieferte Palmer nach der Partie am Sky-Mikrofon. Auf das Nachhaken der Reporterin, wie „bereit“ er für die Saison sei, konterte er süffisant: „Hast du das Spiel nicht gesehen?“ Nach seinem fulminanten Durchbruch in der Premier League hatte Palmer in der vergangenen Spielzeit einen Rückschlag erlebt. In der Hinrunde fiel er monatelang verletzt aus und fand, auch bedingt durch die komplizierte Lage des Klubs, nicht mehr zu seiner Form zurück. Das kostete den Engländer die Teilnahme an der Weltmeisterschaft. Die Pause tat ihm offenbar gut, um an körperlichen Defiziten zu arbeiten und Selbstvertrauen zurückzugewinnen.Die Verpflichtung des von ihm nachdrücklich befürworteten Rogers tat ihr Übriges. Für seinen Landsmann wiederum war das gelungene Debüt enorm wichtig, um die horrende Ablöse zu rechtfertigen. Beispielhaft für die gute Laune stehen die Neckereien um den Torjubel. Während Palmer ihn populär gemacht hat, war Rogers einst der erste der beiden, der ihn aufführte. Das Urheberrecht darauf besitzen sie allerdings nicht – sondern der NBA-Profi Trae Young.
Premier League: Chelsea ist wieder eine richtige Fußballmannschaft
Nach einer zuletzt missratenen Saison startet der FC Chelsea mit einem Sieg gegen Fulham in das Kapitel unter Trainer Xabi Alonso. Entscheidend für den Erfolg ist Cole Palmer.










