Tesla drängt auf den Markt für Robotaxis: mit Cybercabs ohne Lenkrad und PedaleAmerika nähert sich der fahrerlosen Zukunft: Die neuen Cybercabs von Tesla könnten schon im August Passagiere durch Austin transportieren. Dabei setzt die Firma auf eine andere Strategie als ihre Konkurrenten.25.08.2026, 05.30 Uhr6 LeseminutenTesla präsentierte das Cybercab ohne Lenkrad und Pedale vor zwei Jahren.Zuma / Press Wire / ImagoIn den USA fährt bald ein weiteres Fahrzeug ohne Lenkrad und Pedale auf den Strassen: Tesla will noch im August seine neuen Cybercabs in Austin lancieren. Das meldete jüngst das Tech-Portal «The Information» unter Berufung auf Tesla-Angestellte. Die Cybercabs sind Teslas erste von Grund auf als Robotaxi konzipierte Fahrzeuge: Die Zweisitzer haben kein Lenkrad und keine Pedale. Stattdessen blicken die Passagiere auf einen grossen Bildschirm und haben einen freien Fussraum. Das Fahrzeug fährt eigenständig.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Teslas CEO Elon Musk will künftig verstärkt auf autonomes Fahren setzen.Gonzalo Fuentes / File Photo / ReutersDie Cybercabs sind die ersten selbstfahrenden Autos von Tesla ohne Lenkrad und Pedale. Sie spielen eine Schlüsselrolle im Plan des CEO Elon Musk, Tesla eine dominante Rolle im Markt für Robotaxis spielen zu lassen. Er sieht autonomes Fahren und KI als zentrale Bausteine für die Zukunft des Konzerns. Musk hatte die neuen Fahrzeuge erstmals vor rund zwei Jahren bei einem Robotaxi-Anlass in den Warner-Filmstudios in Los Angeles der Öffentlichkeit vorgeführt. Im April begann nun die Serienproduktion.In der Zwischenzeit hat Tesla bereits einen Robotaxi-Dienst in Florida und Texas lanciert, der basiert allerdings auf dem bestehenden Tesla-Modell Y und auf dem Fahrerassistenzprogramm. Die Cybercabs sind die ersten Robotaxis, die durch und durch als solche konzipiert sind.Zunächst sollen die Cybercabs nur Konzernmitarbeiter am Firmensitz in Austin transportieren, bald aber auch die Anwohner. Auch eine Expansion in andere Städte ist geplant. Ob Tesla auch bereits die Lizenz erhalten hat, um für einen solchen Transportdienst Geld zu verlangen, ist nicht bekannt. Ebenfalls ist nicht klar, ob die neuen Cybercabs Teslas bestehende Robotaxi-Flotte in Austin ergänzen oder ganz ersetzen sollen.Tesla kann die Fahrzeuge im Notfall von einem Menschen fernsteuern lassenTesla unterhält bereits seit einigen Monaten einen Robotaxi-Dienst in Austin und anderen Städten in Texas und Florida. Beide Gliedstaaten regulieren Robotaxis sehr freizügig. Die Fahrzeuge in diesem Service sind jeweils Modelle Y, die nur mit Teslas Autopilot-Software und ohne Fahrer durch die Strassen düsen. Allerdings überwachen Tesla-Mitarbeiter die Autos aus der Ferne und können im Ernstfall die Kontrolle übernehmen wie bei einem ferngesteuerten Spielzeugauto. Dafür wurden die Modelle Y mit selbstreinigenden Kameras ausgestattet sowie mit zusätzlichen GPS-Sensoren und Fernsteuerungstechnologie.Auch in San Francisco bietet Tesla bereits Robotaxi-Dienste an. Allerdings fehlt der Firma dort noch die Lizenz, dass die Autos wirklich fahrerlos unterwegs sein dürfen. Das führt zu der bizarren Situation, dass im vermeintlichen Robotaxi stets ein Sicherheitsfahrer sitzen muss, der aber angewiesen ist, nicht mit den Passagieren zu reden, wie mehrere Kunden gegenüber der NZZ berichtet haben.Bei den nun in Austin eingeführten Cybercabs können Remote Operators im Ernstfall ebenfalls die Fahrzeuge aus der Ferne steuern.Offenbar testet Tesla die Cybercabs bereits seit Wochen auf Austins Strassen: Gemäss der Website Robotaxi Tracker haben in Austin in den vergangenen zwei Wochen 54 Cybercabs 170 Fahrten komplett ohne menschliche Intervention absolviert. Tesla selbst publiziert keine Informationen zu seiner Robotaxi-Flotte. Auch in anderen Städten in Florida und Texas werden Cybercabs seit Monaten immer wieder auf öffentlichen Strassen gesehen.Der Marktführer Waymo hat in den USA knapp 4000 RobotaxisDamit betritt Tesla nun einen Markt, der in den USA bis heute klar von Waymo, der Robotaxi-Sparte aus dem Hause Alphabet, dominiert wird. In elf amerikanischen Städten sind deren Robotaxis heute für jedermann nutzbar. In Austin allein unterhält die Firma 300 fahrerlose Fahrzeuge. In den ganzen USA sind es knapp 4000 – vor eineinhalb Jahren waren es erst 700.Speziell in Waymos Heimat Kalifornien wird der Dienst rege von Anwohnern in der San Francisco Bay Area und Los Angeles genutzt. Gerade hat die zuständige Verkehrsaufsichtsbehörde die Gegenden noch einmal ausgeweitet, in denen Waymos fahren dürfen. Somit können nun 25 Millionen Kalifornier deren Robotaxis nutzen.Anders als die Cybercabs von Tesla verwendet Waymo herkömmliche Fahrzeuge der Marken Jaguar und des chinesischen Herstellers Zeekr und rüstet diese mit Kameras und Sensoren auf. Pedale und Lenkräder gibt es nach wie vor. Das ist weitaus günstiger als ein von Grund auf neu konzipiertes Fahrzeug.Hinter Waymo ist die Amazon-Tochter Zoox der zweitgrösste Akteur in den USA. Ähnlich wie die Cybercabs sind auch Zoox’ Fahrzeuge durch und durch als Robotaxis konzipiert, sie haben weder Lenkrad noch Pedale und nicht einmal mehr Scheibenwischer. Die Firma unterhält bis jetzt nur in Las Vegas einen Fahrdienst, der für die breite Öffentlichkeit gratis nutzbar ist; die NZZ hatte diesen vergangenen Herbst getestet.In San Francisco düsen die Zoox ebenfalls schon über die Strassen, sind aber bis jetzt Freunden und Familie von Firmenangestellten vorbehalten sowie ausgewählten Testfahrern. Doch auch Zoox hat Expansionspläne: In Miami, Austin, Dallas und Phoenix vermisst die Firma bereits das Strassennetz mit Kameras und Sensoren, damit die Robotaxis sich fahrerlos auch in diesen Städten zurechtfinden.Technologisch unterscheiden sich Teslas Robotaxis von der KonkurrenzAus regulatorischer Sicht lockern sich inzwischen die Auflagen für Robotaxis in den USA, Präsident Donald Trump ist bekanntlich ein grosser Freund der Technologie. So hat die amerikanische Aufsichtsbehörde National Highway Traffic Safety Administration jüngst Zoox die Lizenz für einen kostenpflichtigen Taxidienst erteilt. In Las Vegas wird Zoox deswegen nun für seine Dienste Geld verlangen.Technologisch unterscheiden sich die Ansätze von Tesla auf der einen und Waymo und Zoox auf der anderen Seite. Musk setzt ganz auf neuronale Netze: Sein künstlich intelligentes Fahrerassistenzprogramm (Full Self-Driving, FSD) wurde mit den Videoaufnahmen geschult, die Millionen von Tesla-Fahrern bis jetzt tagtäglich im Strassenverkehr aufzeichnen.Das autonome Fahrprogramm von Tesla versucht basierend auf dieser Datenbank, menschliches Verhalten nachzuahmen, indem neuronale Netze die in Echtzeit erfassten Kamera- und Sensordaten auswerten. Auf diese Weise kann Teslas Fahrassistenzprogramm auch in Gegenden fahren, die zuvor noch nicht detailliert ausgemessen wurden.Die Zoox-Fahrzeuge sind ohne Lenkrad und Pedale unterwegs – aber nur in Regionen, die vorher aufwendig vermessen wurden.Carlos Barria / File Photo / ReutersZoox und Waymo hingegen sind nur in Regionen unterwegs, die vorher dank Kameras, Radaren und Lidar-Sensoren genau in 3-D ausgemessen wurden (Geofencing). Auf der Strasse vergleichen die Robotaxis dann ständig das, was sie in Echtzeit registrieren, mit dem vorliegenden Kartenmaterial. So gesehen ist Teslas Ansatz erstens günstiger pro Fahrzeug und zweitens schneller skalierbar – wenn die Firma dann einmal den Markteintritt geschafft hat. Waymo kann mit einem jahrelangen Erfahrungsvorsprung seine Marktdominanz zurzeit noch absichern.Robotaxis verstopfen den Verkehr in San FranciscoDoch die Robotaxis haben in den vergangenen Monaten auch immer wieder Negativschlagzeilen gemacht. Als es in San Francisco im Dezember zu einem grossen Stromausfall kam und mehrere Verkehrsampeln nicht funktionierten, blieben die Waymos einfach auf den Kreuzungen stehen und verursachten ein Verkehrschaos.Nach einem schweren Sturm fiel der Strom in San Francisco aus, Ampeln funktionierten nicht mehr – und die Robotaxis blieben einfach auf den Kreuzungen stehen.Auch bei Strassenfesten mit vielen Fussgängern stossen die Fahrzeuge immer wieder an ihre Grenzen und lösen chaotische Szenen aus. Dies war etwa nach den Feuerwerkshows in San Francisco anlässlich des Nationalfeiertags am 4. Juli der Fall.Philip Koopman, ein emeritierter Professor für autonome Fahrzeuge an der Carnegie-Mellon-Universität, sagte jüngst gegenüber der «New York Times», dass die Technologie mit neuen Situationen nicht klarkomme. «Und wenn die Autos sich in einer ungewohnten Situation befinden, neigen sie zu Übermut und spektakulär dummen Fehlschlägen.»Waymo hat seit Dezember gleich drei Mal alle Fahrzeuge für ein Software-Update zurückgerufen. Auch mit Parkplätzen haben die Robotaxis offenbar Probleme: Allein in Austin haben Waymos seit 2024 Strafzettel im Wert von mehr als 9000 Dollar erhalten, wie das «Wall Street Journal» herausfand – unter anderem, weil die Autos auf Behindertenparkplätzen parkierten. Laut Waymo begleicht man diese Bussen wie jeder andere Verkehrsteilnehmer auch.Um die Kritik an den bestehenden Problemen zu kontern, verweist Waymo darauf, dass seine Robotaxis deutlich sicherer seien als menschliche Autofahrer. Tatsächlich kam eine unabhängige Untersuchung des Insurance Institute for Highway Safety zu dem Schluss, dass die Fahrzeuge im Durchschnitt pro Meile in weniger Unfälle verwickelt sind als Menschen.Bei mehr als 50 Millionen Meilen im fahrerlosen Betrieb in Phoenix, San Francisco, Los Angeles und Austin lag die Unfallbeteiligung von Waymo gemäss diesen Angaben um 68 Prozent unter der von menschlichen Fahrern.Direkt vergleichbare Zahlen von Teslas bisherigen Robotaxis gibt es nicht, da in den Statistiken auch die Fahrzeuge mit menschlichen Sicherheitsfahrern mitgezählt werden. Doch klar ist: Die Messlatte für die Cybercabs liegt hoch.Passend zum Artikel
Nun kommen die Cybercabs – Tesla drängt auf den Markt für Robotaxis
Amerika nähert sich der fahrerlosen Zukunft: Die neuen Cybercabs von Tesla könnten schon im August Passagiere durch Austin transportieren. Und auch der Konkurrent Zoox hat nun die Lizenz erhalten, für seine Robotaxi-Dienste Geld zu verlangen.














