Porsche treibt die Fokussierung auf das Kerngeschäft weiter voran. Der Sportwagenhersteller verkauft seine hundertprozentige Tochtergesellschaft MHP an die Tata Consultancy Services (TCS), das IT-Beratungsunternehmen des indischen Mischkonzerns Tata. Die Abgabe, über die beide Unternehmen am Montag informierten, ist Teil der strategischen Neuausrichtung, mit der der Porsche-Vorstandsvorsitzende Michael Leiters das Stuttgarter Unternehmen wieder auf die Entwicklung und den Bau von schnellen, sportlichen Autos konzentrieren will. Den Verkaufspreis nannte Porsche nicht.„Mit der Veräußerung von MHP setzt Porsche einen weiteren wichtigen Schritt seiner Strategie um, sich konsequent auf sein Kerngeschäft zu fokussieren. Gleichzeitig gewinnen wir mit TCS einen strategischen Partner“, sagt Leiters. „Die Verbindung der Automobilexpertise von Porsche mit der Technologie- und KI-Expertise von TCS wird unsere Innovationskraft weiter stärken, Prozesse effizienter gestalten und unsere Wettbewerbsfähigkeit in einer zunehmend daten- und softwaregetriebenen Mobilitätswelt nachhaltig ausbauen.“Schon im Mai hatte der Autohersteller angekündigt, drei nicht zur Autoproduktion gehörende Geschäftsbereiche aufzugeben: Porsche schließt das Batteriegeschäft von Cellforce komplett, nachdem die Produktion schon im vergangenen Jahr eingestellt worden war, aber noch rund 50 Mitarbeiter in der Entwicklung beschäftigt waren. Zudem beendet Porsche die Aktivitäten der Tochtergesellschaften Porsche E-Bike Performance und Cetitec, die Antriebssysteme für Elektrofahrräder und Software für Datenkommunikation entwickelt hatten.Porsche will wieder wie ein „guter Mittelständler“ denkenIm Interview mit der F.A.Z. hatte Leiters seine Strategie mit der Vision einer „Sportwagenschmiede“ beschrieben. „Wir wollen in jedem Segment die sportlichsten Fahrzeuge anbieten. Porsche verkauft Autos über Emotionen, weniger über Rationalität. Deshalb müssen wir das Markenerlebnis und den Sportwagencharakter noch stärker betonen“, sagte Leiters Ende Juli.Zudem stehe „Schmiede“ für handwerklichen Anspruch und Bodenständigkeit. „Wir wollen wieder wie ein guter Mittelständler denken: genau hinschauen, wofür wir Geld ausgeben, und jeden Euro hinterfragen.“ Damit geht für Leiters die Notwendigkeit einher, sich von allem zu trennen, was nicht auf diese Ziele einzahlt.Umsatz von MHP ging 2025 um zehn Prozent zurückDas 1996 als IT- und Managementberatung gegründete Unternehmen MHP mit Hauptsitz in Ludwigsburg berät nach eigenen Angaben mit 4500 Mitarbeitern auf der Welt rund 300 Kunden vor allem aus Automobilwirtschaft, Verteidigung sowie Luft- und Raumfahrt bei der industriellen Transformation. Der Umsatz ging 2025 um 10,4 Prozent auf 743 Millionen Euro zurück. Das Unternehmen schreibt schwarze Zahlen, den Gewinn nennt es nicht. Porsche beteiligte sich von 1998 an mit 51 Prozent an MHP, erhöhte die Anteile nach und nach und übernahm das Unternehmen 2024 schließlich komplett. Porsche will die Erfahrungen und die Dienste auch nach dem Verkauf an Tata weiter nutzen und Kunde bleiben.Nach Informationen der „Wirtschaftswoche“ setzt Leiters bei der strategischen Neuausrichtung allerdings nicht nur auf Verkäufe: Der Hersteller steht demnach in Verhandlungen über den Kauf des Allgäuer Tuningspezialisten RUF. Die Gespräche mit dem Eigentümer Alois Ruf seien weit fortgeschritten. Porsche wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Das Unternehmen mit Sitz in Pfaffenhausen bei Memmingen hat eine Zulassung als Automobilhersteller, veredelt Verbrennermodelle von Porsche und könnte Leiters beim Umbau von Porsche in die „Sportwagenschmiede“ helfen. Der Porsche-Chef will das Geschäft mit hochpreisigen und individuell nach Kundenwünschen ausgestatteten Sportwagen ausbauen.