PfadnavigationHomeRegionalesHamburgTourismus-Bilanz„Niemand von uns will in Disneyland leben“Stand: 14:19 UhrLesedauer: 3 MinutenAbendstimmung über der Hamburger InnenstadtQuelle: Media Server/Jörg ModrowHamburg trotzt der schwierigen Lage in der Tourismusbranche, bleibt aber auf einem stabilen Kurs, wie aktuelle Zahlen zeigen. Zudem gibt es neue Potenziale. Bei der Vermarktung aber will man weiter Maß halten.Zur Präsentation der aktuellen Zahlen lud die Hamburg Tourismus GmbH an einen ungewöhnlichen Ort für eine Pressekonferenz: Im 13. Stock der just eröffneten „Air Bar 13“ im Westfield Überseequartier in der Hafencity schaut der Gast der Elphi buchstäblich über die Schulter. Der Ort passt zum Leitbild: Hamburg will Erlebnisse schaffen, statt bloß Attraktionen am laufenden Band zu bieten. Dieser Kurs scheint aufzugehen: Mit 7,76 Millionen Übernachtungen im ersten Halbjahr 2026 zeigt sich die Hansestadt als kontinuierlich attraktive Destination. Die Nachfrage steigt in diesem Zeitrum leicht an. Von Januar bis Juni wurden 7,76 Millionen Übernachtungen gezählt, 0,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. „Der Tourismus trägt ganz bedeutend zu unserer Wirtschaftskraft bei. Der Gesamtkonsum der Touristinnen und Touristen lag bei 10,5 Milliarden Euro im Berichtszeitraum. Das entspricht einem etwas höheren Niveau sogar als 2019“, sagte Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard (SPD). Mehr als 80.000 Erwerbstätige arbeiten in der Branche, rein rechnerisch hängt somit jeder 16. Arbeitsplatz vom Tourismus ab. Lesen Sie auchWachstumstreiber sind Gäste aus dem Inland mit 6,23 Millionen Übernachtungen und einem Plus von 1,5 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2025. Das internationale Geschäft hinkt hinterher. Mit 1,53 Millionen Übernachtungen aus dem Ausland liegt Hamburg im ersten Halbjahr 3,5 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. Im Vergleich der großen deutschen Städtedestinationen schneidet Hamburg allerdings gut ab. Mit einer Zimmerauslastung von 74 Prozent erreicht sie Platz 1 unter den elf größten deutschen Metropolen.Die Zahlen dürften jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es große Herausforderungen für die Branche gebe, so Michael Otremba, Geschäftsführer der Hamburg Tourismus GmbH. „Die Menschen werden unsicherer. Sie geben weniger Geld aus. Es wird gespart: Bei den Übernachtungen wird von drei auf zwei Nächte und bei der Wahl des Hotels von der 4-Sterne- auf die 3-Sterne-Kategorie reduziert. Das Dessert wird eingespart oder die Vorspeise.“ Hinzu komme: Für die touristischen Leistungsträger seien gestiegene Energiepreise, Inflation und höhere Preise für Personal ein großes Thema. Klar sei: „Umsätze sind da, aber die Marge wird geringer“, so Otremba.Angesichts dieser Entwicklungen greift die Stadt nicht nach den Sternen, indem sie sich etwa vorrangig auf die Akquise von internationalen Gästen konzentriert. Sie setzt stattdessen auf einen Standortfaktor, der sich bereits jetzt mehr und mehr auszahlt: Hamburg wird als Eingangstor zu Skandinavien wahrgenommen sowie für Gäste aus dem Norden als spannendes Auftaktziel, um Deutschland zu entdecken. Die internationale Anbindung, vor allem die Verkürzung der Reisezeiten aus Skandinavien kommend im Zuge der Fehmarnbelt-Querung, werde diese Rolle Hamburgs stärken. Die Reisezeiten zwischen Hamburg, Kopenhagen und Malmö verkürzen sich dadurch deutlich, was neue Gäste und Wachstumspotenziale bringen wird. Dänemark ist bereits jetzt der wichtigste internationale Quellmarkt für Hamburg, während Schweden noch Potenzial bietet. Mit mehr als 50.000 Gästen jährlich und einem Zuwachs von 6,6 Prozent im Jahr 2025 im Vergleich zur letzten Auswertung aus 2019 liegt das Land auf Platz 9 im Besucher-Ranking. Hier sei also noch Luft nach oben, so Otremba. Er ist sich sicher: Als Teil einer wichtigen Nord-Süd-Verbindung in Europa werde sich die Sichtbarkeit Hamburgs weiter erhöhen. Neue Attraktionen wie das „Digital Arts Museum“ und das Musical „Moulin Rouge“, das Ende Oktober startet, würden zusätzliche Gäste anziehen.Gleichwohl lege man Wert darauf, hinsichtlich der Vermarktung der Stadt als Tourismus-Destination Maß zu halten, betonte der Geschäftsführer der Hamburg Tourismus GmbH. „Nur eine Stadt, die auch für Einheimische attraktiv ist, ist es auch für Gäste. Niemand von uns will in Disneyland leben.“
Tourismus-Bilanz: „Niemand von uns will in Disneyland leben“ - WELT
Hamburg trotzt der schwierigen Lage in der Tourismusbranche, legt aber im Gegensatz zu Berlin und München bei den Umsätzen leicht zu, wie aktuelle Zahlen zeigen. Zudem gibt es neue Potenziale. Bei der Vermarktung will man jedoch weiter Maß halten.






