Trump verwirklicht sich jetzt auch beim Design der Kriegsschiffe. Sie sollen aussehen wie im Zweiten Weltkrieg. Oder wie in «Top Gun»Wenn es nach dem amerikanischen Präsidenten geht, werden die Kampfjets bald wieder mit Dampf in die Luft katapultiert. Technologisch wäre das ein absurder Rückschritt. Aber es sieht lässiger aus.24.08.2026, 13.18 Uhr4 LeseminutenMit Hochdruck: Der Katapult auf der USS «Theodore Roosevelt» schleudert die F-18-Jets mit Dampf in die Luft.Marco Garcia / ReutersDonald Trump bleibt dabei. Er mag Dampf. Schon 2017, frisch im Amt, liess sich der amerikanische Präsident im Interview mit dem «Time»-Magazin über Katapulte auf Flugzeugträgern aus. Statt auf moderne elektromagnetische Systeme zu vertrauen, solle man die Kampfjets besser wieder mit aufgestautem Dampf starten lassen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Denn er habe sich mit einem Matrosen über die technologische Entwicklung unterhalten. «Für mich hörte es sich schlecht an. Digital. Die haben jetzt digital. Was ist digital?» Man müsse, so fügte Trump hinzu, Albert Einstein sein, um es zu verstehen. Nun, da er im Amt sei, werde man umrüsten; das versprach er dem Matrosen vor knapp zehn Jahren. «Ihr geht zurück zum verdammten Dampf.»Die Aussage sorgte für Konsternation bei der militärischen Führung, die einen milliardenschweren Rückbau auf ein überholtes System befürchtete. Denn die USA stellen seit zwanzig Jahren keine Dampfkatapulte mehr her. Doch beruhigte man sich damit, dass der neue, noch uneingeweihte Präsident sicher nur, nun ja, heisse Luft produziere.Wie im ActionfilmAber die Sache ging ihm nicht aus dem Kopf. So griff er seine Affinität für die alten Katapulte bei einem Auftritt lange nach seiner Abwahl im Jahr 2022 wieder auf. Dieses Mal verwies er auf den Actionfilm «Top Gun», wo die Startbahn stimmungsvoll im Sonnenaufgang dampft, während die F-14-Tomcats ihre Triebwerke zünden: «Die Piloten werden aufs Meer hinausgeworfen, sie heben einfach ab, und es ist wunderschön anzusehen», sagte Trump. «Diese Piloten sind die Grössten, ‹Top Gun›, einverstanden?»Fast zehn Jahre nachdem er das Thema für sich entdeckt hat, macht der Commander-in-Chief Ernst. In einem Memorandum Mitte August wies der Präsident das Pentagon an, den gesamten Schiffbau bei der US-Navy radikal umzukrempeln. Sektion zwei im Dokument betrifft die «Wiederherstellung von Dampf- und Hydrauliksystemen» auf Flugzeugträgern. 60 Tage gibt er seinem Kriegsminister, um einen Plan zur Umsetzung vorzulegen.Pete Hegseth wird nicht nur die bereits eingebauten Hightech-Systeme in der USS «Doris Miller», dem neusten, zu fast 50 Prozent fertiggestellten Flugzeugträger, wieder herausreissen müssen. Trump schwebt auch ein fundamentales Redesign der geplanten Flotte vor. Wie die «Washington Post» berichtet, will der Präsident bei allen kommenden Modellen kategorisch den Kommandoturm versetzen lassen. Was genau er damit bezweckt, bleibt unklar. Aber er hat offenbar ästhetische Einwände.Der «Liberace-Präsident»Der Tower steht bei den Flugzeugträgern der Gerald-R.-Ford-Klasse hinten. Dadurch haben die Kampfflugzeuge vorne Platz zum Tanken und Beladen. Doch bei der nächsten Generation der Schiffe soll der Turm offenbar deutlich weiter in Richtung Bug platziert werden. Trump wünsche sich, schreibt die «Washington Post» mit Bezug auf mehrere Beamte, ein Retro-Design, das an die Modelle aus dem Zweiten Weltkrieg erinnere.Die USS «Gerald R. Ford» im östlichen Mittelmeer im März 2025.Mc2 Tajh Payne / U.S Navy via ImagoDass sich der «Liberace-Präsident», wie Trump von Kritikern genannt wird, gerne stilistisch einbringt, ist bekannt. Bei der Vergoldung des Oval Office hat er sich ausgetobt, über die Fertigstellung des wuchtigen neuen Ballsaals wird der Supreme Court entscheiden müssen. Offensichtlich sind die Kriegsschiffe sein jüngstes Objekt der Begierde.Zwar hat sich das Weisse Haus bisher nicht zur Frage der Kommandotürme geäussert. Eine entsprechende Anpassung würde aber die Statik der Schiffe stark verändern; der Auftrieb müsste neu austariert werden. Damit dürften die Schiffsbauarchitekten bei der Entwicklung der bis zu zehn neuen Flugzeugträger der Ford-Klasse auf Feld eins zurückgeworfen werden.Desolate Moral auf der USS «Abraham Lincoln»Der Präsident hingegen verspricht eine beschleunigte Fertigstellung. Diese war über den Zeitraum von vierzig Jahren geplant. Die Navy, steht im Memorandum, habe «eine Reihe von Rückschlägen» erlebt, die auf «übermässig komplexe Designs» zurückzuführen seien. Nicht zuletzt durch die Rückkehr zu den Dampfkatapulten werde nun alles schneller gehen, glaubt Trump.Während er sich eine veraltete Technik zurückwünscht, wirkt seine Initiative auch insofern realitätsfern, als die Navy momentan mit anderen Problemen zu kämpfen hat. Auf der USS «Abraham Lincoln» kam es zu Pannen und Versorgungsengpässen. Laut amerikanischen Medien stand es nach dem monatelangen Einsatz im Mittleren Osten so schlecht um die Moral der Besatzungsmitglieder, dass eine Person über die Reling sprang und mit einem Helikopter gerettet werden musste. Inzwischen durfte der Flugzeugträger die Heimfahrt nach San Diego antreten.Nach Pannen und Versorgungsengpässen auf der USS «Abraham Lincoln» häuften sich in jüngster Zeit Berichte über die schlechte Moral der Besatzungsmitglieder (Bild: im Juli 2022 im Pazifik).Canadian Armed Forces via ImagoAuf Fragen von Reportern zu der strapaziösen Mission reagierte der Präsident ungehalten. Von einer Verwahrlosung auf dem Flugzeugträger will er nichts wissen. Lieber, so scheint es, beugt sich der frühere Immobilienentwickler über die Baupläne für neue Schiffe.
Trump verwirklicht sich beim Design der Kriegsschiffe. Sie sollen aussehen wie im Zweiten Weltkrieg. Oder in «Top Gun»
Wenn es nach dem amerikanischen Präsidenten geht, werden die Kampfjets bald wieder mit Dampf in die Luft katapultiert. Technologisch wäre das ein absurder Rückschritt. Aber es sieht lässiger aus.






