Die Geduldsprobe beginnt direkt nach der Ausfahrt aus dem Landshuter Allee Tunnel. Auf drei Spuren quält sich der Verkehr an der Oberfläche durch Neuhausen Richtung Norden, ehe er nahezu komplett ausgebremst wird. Vor den Rampen, über die der Mittlere Ring über die Kreuzung mit der Dachauer Straße geführt wird, verengt sich die Landshuter Allee auf nur noch eine Spur. Seit vergangenem Donnerstag ist im Münchner Westen auf dieser zentralen Verkehrsachse daher vor allem eines garantiert: Stau.Das Baureferat der Landeshauptstadt saniert seit Montag vergangener Woche die Landshuter Allee zwischen der Dachauer und der Moosacher Straße im Norden in Milbertshofen nördlich des Olympiaparks. In mehreren Abschnitten werden dabei – vorwiegend nachts – die Rampen instandgesetzt, die auf die und von der Allee herabführen. An zwei verlängerten Wochenenden aber muss jeweils eine Fahrbahn von der Dachauer bis zur Moosacher Straße komplett gesperrt werden, um den Belag auf der in die Jahre gekommenen Straße zu erneuern.Die erste dieser Phasen startete am vergangenen Donnerstag, und bereits am Freitagnachmittag und -abend wurde deutlich, welche Auswirkungen die Komplettsperrung einer Fahrbahn dieser so wichtigen Verkehrsachse nach sich zieht. Im Feierabendverkehr staute es sich in nördlicher Fahrtrichtung bis in den Landshuter Allee Tunnel zurück. Autofahrer auf dem Weg nach Hause mussten deutlich mehr Zeit einplanen. Denn die Reduzierung von drei auf nur noch eine Spur und die Verlagerung des Verkehrs auf die Ausfahrt vor der Kreuzung mit der Dachauer Straße hat gravierende Folgen.Die Sanierung der Fahrbahn der Landshuter Allee Richtung Norden wird an diesem Wochenende abgeschlossen. Robert HaasAuch am Samstagnachmittag ist von einer Entspannung der Situation kaum etwas zu merken. Insbesondere auf der Dachauer Straße, auf die der Großteil der Fahrzeuge ausweichen muss. An der Kreuzung kommt es phasenweise zu teils massiven Rückstaus und chaotischen Szenen, weil sich zu viele Fahrzeuge aus der Landshuter Allee kommend mit jenen aus der Dachauer Straße in die Quere kommen. Und die Grünphasen nicht ausreichen, um den Verkehrsfluss über die Kreuzung komplett aufrechtzuerhalten.Der Stau verlagert sich auch weiter in nordwestliche Richtung stadtauswärts. Auf der Dachauer Straße geht es ebenfalls nur im Schritttempo voran; die Hanauer Straße – eine Seitenstraße der Dachauer, die zum Georg-Brauchle-Ring und weiter am Olympia-Einkaufszentrum vorbei Richtung Triebstraße führt – ist an diesem Wochenende ebenfalls ein Nadelöhr, in dem es nur schleppend vorangeht. Erst auf dem Georg-Brauchle-Ring und der Moosacher Straße Richtung Frankfurter Ring entspannt sich die Verkehrslage wieder etwas.Was aber macht diese Komplettsperrung der Fahrbahn der Landshuter Allee mit den Menschen in Neuhausen – und welche Auswirkungen hat die anhaltende Verkehrsbelastung auf die Entwicklung der Feinstaubwerte, die immer wieder Stoff für Diskussionen bieten?Erst vor wenigen Tagen hat Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) eine Weisung seines Amtsvorgängers Dieter Reiter von der SPD aufgehoben, der per Dekret zu Tempo 50 auf der Landshuter Allee zurückkehren wollte. Mitten im Kommunalwahlkampf argumentierte Reiter damals mit deutlich besseren Werten bei der Luftreinhaltung – in der Folge aber entwickelte sich ein juristisches Tauziehen. Anwohner legten gegen die Aufhebung von Tempo 30, das die Stadt im Jahr 2024 wegen regelmäßiger Überschreitung der Stickoxid-Werte eingeführt hatte, Beschwerde beim Verwaltungsgericht München ein – und bekamen Recht. Die Tempo-50-Schilder, die Reiter hatte aufstellen lassen, mussten wieder abgehängt werden.OB Krause hat nun die darauffolgende Beschwerde Reiters gegen die Gerichtsentscheidung kassiert – seitdem gilt zumindest vorläufig wieder Tempo 30 auf dem etwa 2,5 Kilometer langen Abschnitt der Landshuter Allee. An diesem Wochenende jedenfalls liegen die vom Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) gemessenen Werte an der Landshuter Allee deutlich unter dem EU-weiten Grenzwerte von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter. Der Stau führt den Daten zufolge also nicht zu einer erhöhten Belastung in Neuhausen.In der Dom-Pedro-Straße, einer Seitenstraße der Landshuter Allee, herrscht an diesem Samstag entspannte Ruhe. Nur vereinzelt weichen Autos vom Mittleren Ring in das beschauliche Viertel aus. Vor dem Neuhauser Augustiner haben es sich zwei junge Frauen mit zwei Kaffeespezialitäten gemütlich gemacht. Der Verkehr von der Hauptverkehrsachse ist nur als leichtes Hintergrundrauschen auszumachen. Ob sie die Stau-Situation auf der Landshuter zusätzlich belaste? „Wir sind in Neuhausen den Verkehr schon gewohnt“, sagt eine der beiden. „Durch die Baustelle wurde es ja nicht mehr.“ Eher etwas weniger, ergänzt ihre Freundin: „Es sind ja Sommerferien. Das merken wir schon.“Der nächste Sanierungsfall im Münchner Westen: die Donnersbergerbrücke wird instandgehalten, muss aber spätestens in zehn bis 15 Jahren komplett neu gebaut werden. Florian PeljakMit der aktuellen Baustelle aber werden die Menschen im Münchner Westen noch etwas länger leben müssen. Von Montag, 24. August, wird zwar die Fahrbahn von der Dachauer Straße Richtung Norden wieder befahrbar sein. Dann steht aber die Sanierung der Rampen im Bereich der Dachauer Straße an. In den drei Nächsten bis zum Donnerstag, 27. August, werden diese jeweils von 21 bis 6 Uhr erneuert und gesperrt. Von Dienstag, 25. August, bis ebenfalls Donnerstag wird zudem die Rampe des Sapporobogens instandgesetzt, ehe am kommenden verlängerten Bau-Wochenende von Donnerstag bis Sonntagabend, 30. August, die Sanierung der Fahrbahn der Landshuter Allee stadteinwärts ansteht.Die Sanierung dieser so wichtigen Achse, die täglich von mehr als 75 000 Fahrzeugen befahren wird, ist Teil einer größeren Wiederherstellung der Infrastruktur im Münchner Westen, die in die Jahre gekommen und dementsprechend marode ist. Dazu gehört auch die südlich des Landshuter Allee Tunnels gelegene Donnersbergerbrücke, die in den kommenden Jahren saniert wird, um deren Lebensdauer zu verlängern. Spätestens aber in zehn bis 15 Jahren muss das aus dem Jahr 1972 stammende Bauwerk komplett saniert werden. Dann droht entlang des Mittleren Rings und im Westen der Landeshauptstadt das Verkehrschaos.
München Landshuter Allee Baustelle und Verkehr
In München wird die Landshuter Allee zwischen Dachauer und Moosacher Straße saniert. Die Arbeiten führen zu Fahrbahn- und Rampensperrungen, verlängerten Staus und geänderten Verkehrsflüssen. Trotz Baustelle bleiben Feinstaubwerte niedrig.






