Der Kabarettist Maxi Schafroth scherzt in seinen Programmen gern darüber, dass er „der zweitberühmteste Sohn“ von Stephansried im Allgäu ist, einem Flecken mit ein paar Einwohnern – und zwar nach Sebastian Kneipp (1821-1897), dem Pfarrer und „Wasserdoktor“. In einem Interview erzählte er mal, dass sie als Kinder komplett ins Tretbecken gesprungen seien, auch zur „Mutprobe“. Da hätten „die zähen Dorfkinder“ und ängstliche, schmale Stadtkinder von außerhalb miteinander gewettet, wer länger drinbleiben kann, bei vielleicht fünf Grad Temperatur. „Das hinterlässt schon Spuren am Körper. Aber das haben wir gemacht. Und ich glaub’, es war g'sund.“Brrrr! Das Kneippen ist nichts für jeden Geschmack. Man kann ja oft genug an Kneippanlagen im Freistaat beobachten, wie Menschen den großen Zeh ins Becken strecken und es sich anders überlegen. Verständlich, auch wenn eine Regel des Pfarrers lautete: „Lernt das Wasser richtig kennen, und es wird euch stets ein verlässlicher Freund sein.“ Aphoristiker, zuweilen mit humoriger Note, war er eh, der Sebastian Kneipp, die Weisheiten plätscherten regelrecht aus ihm heraus.Gerade in der schwäbischen Region gehört das Kneippen für viele mit dazu. „Unterguss, Oberguss, kaltes Wasser, husch, husch, husch, das hält das träge Blut im Fluss“, wurde vor Jahrzehnten den Kindern in der Schule als Merkspruch eingetrichtert. Nachzulesen in der Allgäuer Zeitung, als in Stephansried der 100. Geburtstag des Wasserdoktors begangen wurde. Hauptschauplatz seines Wirkens war der Kurort Bad Wörishofen, „Weltstadt der Hydrotherapie“, wo man Touristen, Neugierige und Senioren lockt mit: eben Wasser.Damit zu einer Entwicklung, die nicht so lustig ist wie mancher Spruch des Pfarrers: Bad Wörishofen hat ein Wasserproblem; wegen der anhaltenden Trockenheit, zwischenzeitlicher Regen hin oder her. Die Grundwasserpegel seien in den vergangenen Wochen „auf ein dramatisches Niveau“ gesunken, hieß es kürzlich in einer Mitteilung.„Ins Machen kommen“, kündigt der Bürgermeister anIn der Stadt stehen stolze zwei Dutzend öffentliche Kneippanlagen zur freien Nutzung bereit. Nachdem schon die Quellen für zwei Anlagen versiegt waren, musste kürzlich eine weitere „vom Wasser genommen“ werden. Dabei ging es auch darum, Koi-Karpfen in einem Teich das Überleben zu sichern. Die meisten Becken in Wörishofen werden mit Trinkwasser gespeist, auch das wird aber knapper. 21 Becken sind weiterhin in Betrieb, beruhigen sie im Kneippkurort laut Medienberichten Einheimische wie Gäste.Aber: Man muss sich etwas einfallen lassen, eine Arbeitsgruppe sei schon aktiv, es geht etwa um die Umrüstung auf Wasserkreisläufe. „Ins Machen kommen“, sagte Bürgermeister Daniel Pflügl in der Mitteilung der Stadt. Womit man wieder beim Pfarrer Kneipp angelangt wäre: „Not lehrt beten – und seinen Verstand gebrauchen.“
Kneippkurort Bad Wörishofen: Die Wasserstadt hat ein Wasserproblem
Im schwäbischen Mekka des Kneippens sind wegen der Trockenheit einzelne Quellen versiegt, Trinkwasser wird knapp. Es gilt umzusteuern.






