Der Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo ist um ein Vielfaches schlimmer als frühere Ausbrüche. Wie Africa-CDC, die Gesundheitsagentur der Afrikanischen Union, Ende vergangener Woche mitteilte, haben sich in den ersten 100 Tagen mehr als 5100 Menschen infiziert. Die Todesrate sei extrem hoch: mehr als 2400 Infizierte starben. Das ist mehr als das Siebenfache der Todesfälle in der vergleichbaren Phase des schweren Ebola-Ausbruchs 2014 in Westafrika.Das Virus – es handelt sich um den seltenen Bundibugyo-Strang – verbreitet sich rasant, weil es bisher keine Impfstoffe und Medikamente gegen diese Variante gibt. Wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Africa-CDC mitteilten, hat die zuständige Koordinierungsgruppe nun die sofortige Lieferung von 70.000 Dosen des Impfstoffes Ervebo genehmigt, 20.000 sind für klinische Tests in Kongo und 50.000 für Mitarbeiter im Gesundheitswesen vorgesehen. Dieser Impfstoff wurde eigentlich gegen die Zaire-Variante entwickelt, ob er gegen Bundibugyo beim Menschen wirkt, ist noch unklar. Seit Anfang Juli werden außerdem zwei antivirale Therapieverfahren klinisch getestet. Forscher arbeiten auch an spezifischen Impfstoffen.Weitreichende humanitäre FolgenDie bestätigten Infektionen bilden nur einen kleinen Ausschnitt des tatsächlichen Gesundheitsnotstands. Schätzungen zufolge würden „nur 30 bis 40 Prozent“ der Fälle entdeckt, teilten die Experten des Africa-CDC weiter mit. Das liege unter anderem daran, dass die Symptome bei dieser Variante mit denen anderer Krankheiten verwechselt werden könnten. Auch die Verfolgung der Kontaktketten sei schwieriger als in früheren Ebola-Ausbrüchen. Nachgewiesen wurde das Virus mittlerweile in sechs Provinzen im Osten des Landes, neue Fälle tauchten auch in der Grenzregion zur Zentralafrikanischen Republik auf. Besonders betroffen ist die Provinz Ituri.Hilfsorganisationen machen nun auch verstärkt auf die weiter reichenden humanitären Folgen aufmerksam. Jeden Tag verlören im Durchschnitt fast zwei Kinder beide Eltern durch die Krankheit, sagte die Sprecherin der Organisation „Save the Children“, Katharina von Schroeder, der F.A.Z. Allein in Ituri sind nach Angaben der dortigen Behörden 180 Kinder betroffen. Tausende Kinder hätten zudem einen Elternteil oder eine Betreuungsperson verloren.Gesundheitspersonal versorgt einen Ebola-Patienten am 18. Juni im Behandlungszentrum Rwampara in Ituri.dpaBisher werden viele Kinder von Verwandten oder Nachbarn aufgenommen. Das kann jedoch zu einer weiteren Verbreitung des Virus beitragen, weil möglicherweise infizierte Kinder nicht isoliert würden. Die Organisation baut jetzt Beobachtungszentren auf, in denen Kinder von Ebola-Patienten und Ebola-Opfern nicht nur versorgt, sondern auch 21 Tage lang auf Symptome hin beobachtet werden.Verbreitung über KörperflüssigkeitenEtwa ein Viertel der Infektionsfälle sind nach den Daten der Behörden Kinder, mit einem hohen Anteil von Babys und Kleinkindern. Das Virus verbreitet sich über Körperflüssigkeiten und damit auch über die Muttermilch. Außerdem besteht bei Babys und Kleinkindern engerer Kontakt zu anderen Menschen. In früheren Ebola-Ausbrüchen haben sich vor allem Frauen, die nach einer Ebola-Infektion genesen und damit immun waren, um die Kinder infizierter Eltern gekümmert. Da es sich nun um eine neue Variante handelt, sind auch solche Initiativen vorerst schwierig.Medizinisches Personal und Anwohner während einer Kundgebung zur Aufklärung über das Ebolavirus am 21. August in BeniAP Photo/Sebastien Kitsa MusayiVor allem auf dem Land gebe es immer noch Vorbehalte in der Bevölkerung, berichten die Hilfsorganisationen. Zusätzlich erschweren die bewaffneten Konflikte in Ostkongo die Arbeit. Einige Gebiete sind von der Rebellenorganisation M23 besetzt. Diese hat jüngst den Transport mit einigen öffentlichen Verkehrsmitteln eingeschränkt und strikte Kontrollen angekündigt.Deutschland hat jüngst zusätzlich elf Millionen Euro für die Bekämpfung des Ebola-Ausbruchs bereitgestellt. Die Lage sei „absolut dramatisch“, sagte Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) im Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB). Deutschland liefere Ausrüstung, stelle mobile Labore zur Verfügung und schule Gesundheitskräfte. Auch die EU und die Vereinten Nationen haben ihre Hilfen aufgestockt. Inzwischen sterbe im Schnitt alle 30 Minuten ein Mensch an der Krankheit, sagte der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe, Tom Fletcher, vor gut einer Woche.
Ebola-Ausbruch im Kongo: Extrem viele Todesfälle
Das Ebolavirus verbreitet sich rasant in der Demokratischen Republik Kongo. Stark betroffen sind auch Babys und Kleinkinder. Die Todesrate ist hoch.







