Dexter weiß, dass irgendwo in den Koffern etwas für ihn versteckt ist. Der zweijährige Belgische Schäferhund läuft die Bühne ab und schnuppert umher. Menschen und Geräusche um ihn herum sollen ihn möglichst wenig interessieren. Seine Aufmerksamkeit gilt der Arbeit. Findet der Spürhund, wonach er sucht, wartet die Belohnung: ein Leckerli.Wie breit das Aufgabengebiet des Zolls von solchen Spürhundeinsätzen bis hin zur Erhebung von Steuern ist, haben die hessischen Zollbehörden am Samstag auf dem Frankfurter Roßmarkt gezeigt. Anlässlich des fünfundsiebzigjährigen Bestehens präsentierten die hessischen Hauptzollämter und das Zollfahndungsamt ihre Arbeit.Dabei gehören Hunde wie Dexter zu den auffälligeren Mitarbeitern der Behörde. Für den Dienst müssen sie auf ihren Hundeführer konzentriert bleiben und dürfen sich auch von Knallgeräuschen nicht ablenken lassen, erklärt ihr Trainer. Einmal im Jahr finde für die Hunde eine Prüfung statt, um zu schauen, ob sie noch topfit seien. „Hund und Hundeführer sind ein festes Team. Hat der Beamte Urlaub oder ist krank, hat der Hund frei“, sagt der Hundetrainer.Gebote per Handzeichen: Am Nachmittag wurden viele der gepfändeten Gegenstände versteigert.Peter JülichNeben Rauschgift- und Tabakspürhunden gebe es auch Vierbeiner, die Waren aus Elfenbein erkennen könnten. „Was wir alles so beschlagnahmen, ist vielfältig“, sagt Zoll-Sprecherin Angelika Hipp-Clemens. Sie erzählt von Passagieren, die etwa Tigerzähne, Krokodilköpfe oder in einem Gehstock versteckte Säbel ins Land bringen wollten. Täglich fielen rund 185.000 Pakete am Frankfurter Flughafen zur stichprobenartigen Kontrolle an.Kokain in BowlingkugelIn einem der Pavillons erzählt Carina Orth von ihrer Arbeit. Sie hat schon vieles gesehen – darunter auch ungewöhnliche Verstecke. Sie berichtet von einem vermeintlichen Bowlingteam aus Südamerika, das den Ermittlern bereits aufgefallen sei, da das Wort „Bowling“ auf deren T-Shirts falsch gestanden habe. In einer mitgeführten Bowlingkugel habe man schließlich rund ein Kilogramm Kokain gefunden.Andere Methoden von Schmugglern seien nicht nur kurios, sondern auch lebensgefährlich. Orth berichtet von der Röntgenaufnahme einer Frau, bei der nachgewiesen wurde, dass sie Kokain in eigens verpackten Portionen verschluckt hatte. Kuriere dürften aber nicht das Hauptziel der Fahndung sein. Die Arbeit des Zolls müsse vielmehr auch die dahinterliegenden Strukturen aufzudecken versuchen.Ein weiteres der auf dem Roßmarkt präsentierten Hilfsmittel ist ein mit einem Röntgengerät ausgestattetes Fahrzeug. Damit könne man Gepäckstücke oder andere Behältnisse durchleuchten, ohne sie öffnen zu müssen, erklärt eine Beamtin. Zigarettenstangen und Pistolen seien damit schnell erkennbar. Ein Besucher verfolgt die Präsentation besonders interessiert. Das Angebot von Hipp-Clemens, seinen Rucksack im Van durchleuchten zu lassen, lehnt er jedoch dankend ab. „Den bekomme ich dann nicht mehr wieder“, scherzt er und geht weiter.Mobile Röntgengeräte und Bruce SpringsteenAm Nachmittag steht dann der unterhaltsamste Teil des Tages auf dem Programm: Gepfändete Gegenstände kommen unter den Hammer. Vom schottischen Whisky über ein Briefmarkenalbum bis zur Märklin-Dampflokomotive für 64 Euro ist vieles dabei. Das höchste Mindestgebot liegt bei 1125 Euro für Münzen mit Gedenkprägungen zum 1200-jährigen Bestehen Frankfurts. Wie solche Gegenstände überhaupt beim Zoll landen, erklären die Beamten in den Zelten um die Bühne.Wenn auf das Mindestgebot niemand einsteigen will, legt Auktionator Jörg Wagner auch mal eine „Ahle Wurscht“ drauf.Peter Jülich„Vollstreckungsbeamte des Zolls treiben unter anderem öffentlich-rechtliche Forderungen ein“, sagt Hipp-Clemens. Grundsätzlich könne alles eingezogen werden, was sich zu Geld machen ließe. Der Erlös diene dann dazu, zumindest einen Teil der offenen Schuld zu begleichen. „Bis es so weit kommt, hat man allerdings ausreichend Zeit, die Forderung noch zu begleichen.“ Eine bestimmte Klientel, deren Eigentum eingezogen werde, gebe es dabei nicht. „Vom Professor bis zum armen Studenten“ sei alles vertreten, wie Hipp-Clemens erklärt.Die Vinyl-Box von Bruce Springsteen findet für rund 120 Euro einen neuen Besitzer – angesetzt war sie bei 20. Auch die zahlreichen Spirituosen erzielen deutlich mehr als 100 Euro. Schwerer hat es dagegen eine Fernbedienung von Logitech. Als sich zunächst niemand dafür interessiert, legt der Auktionator noch eine „Ahle Wurscht“ obendrauf.