Klar Unterlegen : Wehen ist weit weg vom PokalschreckVon Alex Westhoff23.08.2026, 11:40Lesezeit: 3 Min.Der SV Wehen Wiesbaden muss sich in der ersten Runde Bayer 04 Leverkusen 0:4 geschlagen geben. Das Drittliga-Schlusslicht steht nach drei Pflichtspielniederlagen vor schweren Wochen.Rechtzeitig zum 100-jährigen Vereinsbestehen in der zweiten Liga zu kicken, dafür hat es vorige Saison nicht gereicht. Aber beständig wiederkehrend ist immerhin die Präsenz des SV Wehen Wiesbaden in der ersten DFB-Pokal-Hauptrunde. In den vergangenen Jahren waren es zudem echte Highlight-Spiele mit Erinnerungswert, als der Drittligaklub aus der hessischen Landeshauptstadt die Erstligavertreter aus der bayrischen und der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt arg forderte. Auch gegen RB Leipzig bot der SVWW einen Pokalfight, der diese Bezeichnung verdiente.Als in dieser Serie am Samstagnachmittag nun Bayer Leverkusen an der Berliner Straße antrat, war die Wiesbadener Arena mit 12.000 erwartungsfrohen Zuschauern fast ganz gefüllt. Kampfgeist zeigte die zwei Klassen tiefer angesiedelten SVWW-Profis auch dieses Mal.Doch zu einem reizvollen Vergleich zwischen Groß und Klein kam es nur in Spurenelementen. Weil die Kleinen die Großen nicht wirklich fordern konnten. Und die Großen mit ihrem neuen Trainer (Carles Martinez) und ihren hohen Ambitionen den Pflichtspielauftakt äußerst ernst nahmen und seriös absolvierten. Der 4:0-Sieg der Leverkusener bildete die Kräfteverhältnisse auf dem Rasen wahrheitsgetreu ab.Statistenrolle in der zweiten HalbzeitDie ersten 42 torlosen Minuten taugten dabei durchaus als Mutmacher für die Hessen, nach dem Drittligafehlstart bald in die Spur finden zu können. Die folgenden 48 gegentorreichen Minuten aber hatte sich der Underdog – „jeder in der Leverkusener Startelf ist mehr wert als unser gesamter Kader“, so Trainer Daniel Scherning – in eine freudlose Statistenrolle zu fügen beim kontrollierten wie leichtfüßigen Leverkusener Saisonaufgalopp.Da fügte sich manches ins Bild eines SVWW-Teams, bei dem noch nicht viel zusammenläuft und das in dieser Runde noch nicht so recht angekommen zu sein scheint. Es hätte mehr Offensivszenen (kein einziger aussichtsreicher Torabschluss in 90 Minuten) gebraucht, um das Publikum mitzureißen. Zwei Niederlagen, 1:7 Tore und der letzte Platz im Drittligatableau – eine Heimniederlage gegen Absteiger Münster (2:3), die unglückliche Züge trug, und ein furchtbarer Auswärtssauftritt bei Aufsteiger Würzburg (0:4) bedeuteten einen Start, der quasi schlechtest möglich ausfiel. Zumal sich der Klub zu der durchaus großen Gruppe in der dritten Liga rechnet, die Aufstiegsambitionen hegt.Bayer Leverkusen mit dem Torschützen Nathan Tella (Mitte) ist dem SV Wehen Wiesbaden klar überlegendpaNach dem Match gegen Bayer blieb den SVWW-Profis nicht viel übrig, als die Klasse des rheinischen Starensembles zu würdigen. „Eiskalt“, seien die, sagte Mittelfeldspieler Tarik Gözüsirin, der in der Zentrale so manchen Leverkusener Vorstoß durchwinken musste. „Man muss anerkennen, dass die eine brutale Qualität haben“, sagte Moritz Greilinger. Coach Scherning sprach von einem „brutalen Ballbesitz“, allerdings erst nach dem zweiten Treffer, der den Wiesbadenern „den Stecker gezogen“ habe.In der ersten Halbzeit hatten die Wiesbadener noch von der Tempoarmut und einigen Ungenauigkeiten im Leverkusener Vortrag profitiert. Die aufmerksam verteidigenden Drittligaprofis kamen jedoch zu kaum eigenen Vorstößen. Immerhin Niklas May kann sich eine Szene einrahmen: Als er bei einem dynamischen Lauf die linke Außenlinie hinunter mit Ball den spanischen Star Lucas Vazquez, seines Zeichens fünfmaliger Champions-League-Sieger mit Real Madrid, abhängte.Im Dauerregen der ersten Halbzeit war es Bayer-Torjäger Patrick Schick (43.), der den SVWW empfindlich traf. Und dann Vazquez, der in der sonnigen zweiten Hälfte kurz nach Wiederanpfiff (47.) die Wiesbadener entmutigte. Im Tor der Hessen stand während der (kurzen) Pokal-Reise Noah Brdar anstelle von Stammkeeper Florian Stritzel, der voriges Jahr im Pokal noch das Kunststück fertigbrachte, einen Elfmeter von Bayern-Star Harry Kane zu parieren. Vor Vazquez' Treffer hatte Brdar einen Kopfball nicht konsequent genug zur Seite abgewehrt und beim Nachschuss die kurze Ecke nicht dichtgemacht. Bei den Treffern von Nathan Tella (69.) und Christian Kofane (79.) war Brdar dann chancenlos, zudem fielen sie in Entstehung und Abschluss in die Kategorie sehr schöner Fußball.So mancher auf den Tribünen wird sich gedacht haben, dass dem Wiesbadener Spiel die Präsenz der langjährigen Identifikationsfigur Sascha Mockenhaupt und Torjäger Fatih Kaya gutgetan hätte. Doch beide sind seit diesem Sommer nicht mehr Teil des Teams. Gut möglich, dass es nach den ersten Saisoneindrücken auch nicht bei den bisher vier Neuzugängen bleibt. Um die Chancen zu erhöhen, vielleicht ausgangs des Jubiläumsjahres der zweiten Liga näherzukommen.