PfadnavigationHomeDebatteArtikeltyp:MeinungHumanoide RoboterFür die nationale Sicherheit unentbehrlichStand: 13:04 UhrLesedauer: 3 MinutenWELT-Autor Alan PosenerQuelle: Claudius Pflug/WELTBei der Robotik können die Tüftler-Tugenden, die einst deutschen Autobauern zum „Vorsprung durch Technik“ verhalfen, deutschen Robotikfirmen entscheidende Vorteile verschaffen. Mit Auswirkungen auf das Militär der Zukunft.Künstliche Intelligenz kann jetzt schon Schach und Go besser spielen als der beste Großmeister, Röntgenbilder besser auswerten als der beste Facharzt, bessere Politikerreden schreiben als die meisten Redenschreiber, sicherer fahren als die meisten Autofahrer. Sie dürfte bald bessere Unternehmensentscheidungen treffen als der beste CEO, auch wenn die heutigen Topmanager immer noch glauben, sie seien etwas Besonderes.Lesen Sie auchWas die KI bisher nicht kann: eine verstopfte Toilette reparieren; eine Altbauküche fliesen; oder auch nur eine Lampe aufschrauben und ein neues Leuchtmittel einsetzen. Die KI ist wie die Karikatur eines weltfremden Gelehrten, der alles gelesen hat, aber weder seine Socken waschen noch sich einen Kaffee kochen kann.Humanoide Roboter, die wie Menschen aussehen und funktionieren, sind seit E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Der Sandmann“ der Stoff utopischer oder dystopischer Erzählungen, aber sie hinken der Entwicklung der KI hinterher. Anders gesagt: hier ist eine riesige Marktlücke.Deutsche Firmen dürften in absehbarer Zeit zwar nie die großen amerikanischen und chinesischen KI-Firmen einholen, zumal es gegen die großen Datenzentren hierzulande noch mehr Widerstand geben wird als jetzt schon in den USA. Aber bei der Robotik können die Tüftler-Tugenden, die einst deutschen Autobauern zum „Vorsprung durch Technik“ verhalfen, deutschen Robotikfirmen entscheidende Vorteile verschaffen.Lesen Sie auchDeshalb ist es kein Zufall und eine gute Nachricht, dass die Firma Bosch im Schwarzwald-Städtchen Bühl 2027 mit der Serienproduktion humanoider Roboter beginnen will. Sie sollen zunächst in der Industrieproduktion und Logistik Menschen bei eintönigen Arbeiten ersetzen, später auch in der Kranken- und Altenpflege eingesetzt werden.Lesen Sie auchAllerdings will Bosch in Bühl zunächst nur einige hundert Roboter pro Jahr produzieren. Chinesische Konkurrenten wie Unitree denken da eher in Tausender-Stückzahlen. Sollen deutsche Unternehmen nicht, wie schon bei Solarpaneelen, Pionierarbeit bei der Technik liefern, um am Ende an der Skalierung und der dadurch bedingten Verbilligung der Produkte zu scheitern müssen sie sich ambitioniertere Ziele setzen und von der Regierung unterstützt werden.Die chinesische Staatsführung benennt im neuen Fünfjahrplan „physical AI“, also die Entwicklung intelligenter Hardware, als strategisches Ziel. Die deutsche Regierung sollte für Robotik, wie bereits bei der Drohnenproduktion, ein nationales Kompetenzzentrum schaffen – und Roboter neben Drohnen zu systemrelevanten Produkten erklären, die für die nationale Sicherheit unentbehrlich sind.Drohnen und RobotersoldatenDenn die Armee der Zukunft könnte zu einem nicht unwesentlichen Teil aus selbststeuernden Drohnen und Robotersoldaten bestehen. Sie dürfen nicht von einem potenziellen Gegner per Knopfdruck abgeschaltet werden können. Ähnliches gilt aber auch jetzt schon für Industrieroboter.Die Regierung Angela Merkels hat der Autoindustrie des Landes auch dadurch geschadet, dass sie als Lobby jener kurzsichtigen Manager (siehe oben) auftrat, die glaubten, sich dem Trend zum Elektroauto widersetzen zu können und Schummelsoftware statt Zukunftsideen entwickeln ließen. In Krisen ist die Regierung gefragt, das zeigte sich in der Coronakrise, als Donald Trump in den USA, Ursula von der Leyen in der EU den Firmen Druck machten, Impfstoffe zu entwickeln. Die Roboterproduktion im Schwarzwald ist ein gutes Zeichen, aber auch ein Hinweis an die Politik, die Zeichen der Zeit zu erkennen.