Womöglich hätte Christos Tzolis nichts dagegen gehabt, in der 68. Spielminute selbst ausgewechselt zu werden. Stattdessen nahm der FC Arsenal zu diesem Zeitpunkt zwei seiner Teamkollegen vom Platz. Der Linksaußen stand bei seinem Premier-League-Einstand für den englischen Meister sichtlich erschöpft am Seitenrand und hielt gleich zwei Plastikflaschen in den Händen, aus denen er abwechselnd trank. Die Sommerverpflichtung vom FC Brügge hatte Durst. An die Intensität des englischen Fußballs muss sich Tzolis – hierzulande durch seine Zweitligasaison 2023/24 bei Fortuna Düsseldorf bekannt – offenbar noch gewöhnen.Ansonsten präsentierte sich der 24-Jährige erstaunlich vertraut in seiner neuen Umgebung. Wie beim 3:0 im Supercup gegen Manchester City vor einer Woche war Tzolis auch am Freitagabend der auffälligste Spieler der Gunners. Das Auftaktspiel der neuen Premier-League-Runde gewann Titelverteidiger Arsenal gegen Neuling Coventry City erneut souverän mit 3:0. Die Torschützen waren abermals Kai Havertz (15. Minute) und Martin Ödegaard (49.), dazwischen erhöhte Bukayo Saka auf 2:0 (23.).Andoni Iraola:Dieser Trainer könnte dem FC Liverpool guttunDer englische Traditionsklub erlebt aufwühlende Zeiten. Da kommt der neue Coach, der die baskische Fußballschule und den Ansatz von Jürgen Klopp verkörpert, gerade recht.Der Qualitätsunterschied zwischen beiden Mannschaften war trotz Verstärkungen für rund 150 Millionen Euro bei Coventry so deutlich, dass die Partie zeitweise eher einem letzten Vorbereitungstest für Arsenal glich. Mit den beiden deutlichen Siegen unterstrichen die Gunners ihren Anspruch, die Nachfolge der Seriensieger Manchester City und FC Liverpool anzutreten.Die bisherigen Auftritte des Griechen aus Thessaloniki seien „phänomenal“ gewesen, lobt Trainer Mikel ArtetaTzolis leitete die Führung gegen Coventry mit großem Einsatz ein. Nach einem Ballverlust setzte er geschickt nach, eroberte den Ball zurück und leitete ihn an Riccardo Calafiori weiter, der Havertz im Strafraum bediente. Beim zweiten Treffer war Tzolis der direkte Vorlagengeber: Seine Flanke wurde von einem gegnerischen Abwehrbein abgefälscht und landete vor dem einschussbereiten Saka. Damit knüpfte er an seine beiden Vorlagen gegen Manchester City an. Ein eigener Treffer blieb ihm trotz vier Torschüssen und acht Ballkontakten im gegnerischen Strafraum allerdings verwehrt.Die bisherigen Auftritte des Griechen aus Thessaloniki seien „phänomenal“ gewesen, lobte Trainer Mikel Arteta. Besonders hob er die Zielstrebigkeit und die Energie hervor, mit der Tzolis als Pendant zu Saka agiere. Für die Gegenspieler ist Tzolis schwer auszurechnen, weil er seine Position während der Partie immer wieder verändert. Mal hält er sich auf dem Flügel auf, mal rückt er in die Halbräume im Zentrum. Zwar verfügt er über viel Tempo und Dynamik, seine größten Stärken liegen jedoch im Spielverständnis und in seiner Fähigkeit, im Angriffsdrittel die richtigen Entscheidungen zu treffen. Mehrfach brachte er seine Mitspieler in aussichtsreiche Positionen – unter anderem Havertz, der sich zunehmend nach seiner langen Verletzungspause als Mittelstürmer etabliert.Aufgrund dieser Qualitäten wurde Tzolis für den zu Besiktas Istanbul gewechselten Routinier Leandro Trossard ausgewählt, der eine ähnliche Spielweise verkörpert. In zwei Spielzeiten beim FC Brügge hatte Tzolis zuvor beachtliche 43 Tore und 45 Vorlagen in 108 Pflichtspielen verbucht. Seine Ablöse von 40 Millionen Euro wirkt angesichts der momentanen Marktpreise beinahe wie ein Sonderangebot. Dabei wurde er schon früh in seiner Profikarriere hoch gehandelt. Vor fünf Jahren überwies der Premier-League-Aufsteiger Norwich City elf Millionen an Paok Thessaloniki für den damals 19-Jährigen. Doch der hoch veranlagte Tzolis konnte in der Abstiegssaison des Klubs unter drei verschiedenen Trainern kaum Akzente setzen. Auch anschließend blieb er während seiner Leihe zum FC Twente hinter den Erwartungen zurück.Bei der Fortuna entwickelte sich Tzolis zum LeistungsträgerDie verfahrene Situation nutzte Fortuna Düsseldorf und nahm Tzolis für dreieinhalb Millionen Euro unter Vertrag. Mit Deutschland war er gut vertraut: Im Zuge der Finanzkrise Griechenlands war seine Familie einst mit ihm als Jugendlichem für einige Jahre dorthin ausgewandert. Bei der Fortuna entwickelte sich Tzolis zum Leistungsträger und kaum auf 34 Torbeteiligungen. Damit führte er den Verein bis in die Bundesliga-Relegation, wo die Fortuna trotz eines 3:0-Auswärtssiegs im Hinspiel am Ende im Elfmeterschießen am VfL Bochum scheiterte. Nach dem verpassten Aufstieg war Tzolis nicht mehr zu halten. Dank einer festgeschriebenen Ausstiegsklausel wechselte er zum FC Brügge, mit dem er den belgischen Pokal und in der vergangenen Saison die Meisterschaft gewann.Nun ist er beim FC Arsenal angekommen. Sein Potenzial bringt die Gunners eine Woche vor der Schließung des Transferfensters in eine komfortable Lage. Der Klub hat sich in allen Mannschaftsteilen verstärkt: mit Tzolis im Angriff, mit Bruno Guimarães von Newcastle United im Mittelfeld für 85 Millionen Euro sowie mit Ezri Konsa in der Abwehr, der gerade von Aston Villa für 60 Millionen Euro verpflichtet wurde. Auf diese Weise können die Londoner abwarten, ob sich der anvisierte Transfer einer Offensivgröße noch realisieren lässt. Der Klub hatte sich um Vinícius Júnior von Real Madrid bemüht, ehe der Brasilianer seinen Vertrag bei den Königlichen verlängerte. Zu den Alternativen gehören Julián Álvarez von Atlético Madrid und Kenan Yildiz von Juventus Turin. Arteta betonte nach dem Sieg gegen Coventry, er sei „wirklich zufrieden“ mit seinem Kader.Daran hat Christos Tzolis bereits einen nicht unwesentlichen Anteil. Für ihn geht es jetzt darum, sich an das hohe Pensum in England zu gewöhnen. Denn auch nach seiner ausgiebigen Flüssigkeitszufuhr konnte er am Freitag nicht mehr lange durchhalten. Acht Minuten später nahm ihn Arteta ihn vom Platz – begleitet vom großen Applaus der Zuschauer.
Arsenal Sieg gegen Coventry mit Tzolis und Havertz
Der frühere Düsseldorfer Profi Christos Tzolis ist nun beim FC Arsenal gelandet – und begeistert sofort Trainer Arteta.








