Beim Polizeipräsidium Südosthessen häufen sich bereits seit einiger Zeit falsche Notrufe. Die Beamten registrierten eine Vielzahl von Fällen, die dem Phänomen „Swatting“ zuzuordnen seien, heißt es in einer am Freitagabend veröffentlichten Mitteilung des Polizeipräsidiums. Es warnt, dass es sich bei solchen Fällen um eine gefährliche Straftat und keinesfalls um „Spaß“ handele.Aktuell werde zu einem Fall aus dem Main-Kinzig-Kreis ermittelt: Eine bislang unbekannte Frau habe sich telefonisch bei der Polizei gemeldet und behauptet, ihr Bruder habe soeben ihre Schwester mit einem Messer angegriffen. Alle drei Geschwister würden sich in der gemeinsamen Wohnung aufhalten, sie selbst habe sich im Badezimmer eingeschlossen. Zudem trage der Bruder eine Waffe bei sich. Während des Telefonats seien im Hintergrund eine schreiende männliche Stimme sowie vermeintliche Tritte und Schläge hörbar gewesen, berichtet die Polizei.Entsprechend seien die Beamten von einer „akuten Gefahrenlage“ ausgegangen und sofort mit mehreren Streifen zum vermeintlichen Tatort ausgerückt. Dort jedoch trafen sie auf völlig ahnungslose Menschen: „Allen ging es gut, keiner wusste etwas von der Situation, die bei der Polizei zuvor geäußert wurde“, berichten die Beamten. Sie sind auf eine offensichtlich ausgedachte Geschichte reingefallen. Wer die unbekannte Anruferin war und welches Motiv sie hatte, ist nun Gegenstand der Ermittlungen.Trend begann in AmerikaIn anderen Fällen seien unter anderem vermeintliche Brände mit eingeschlossenen Personen, angebliche Bedrohungslagen an Wohnanschriften oder Bombendrohungen gemeldet worden, die sich im Nachhinein als falsch und frei erfunden herausgestellt hätten, zählt die Polizei auf.Das Präsidium in Südhessen ist nicht das erste, das davor warnt, falsche Notfälle zu inszenieren und zu melden. Am Jahresbeginn warnte die Polizei in Norddeutschland vor dem sogenannten Swatting. Schon vor einem Jahr wurde auf der Plattform Reddit eine Diskussion eröffnet, was hinter solchen Aktionen stecken könnte. Im Verdacht steht ein weiteres Mal Social Media, wo die Anrufe als Mutprobe oder unterhaltsame Einlagen in Livestreams behandelt würden. Vom amerikanischen Geheimdienst FBI sind im Internet Meldungen und Warnungen zu diesem Phänomen bereits aus dem Jahr 2008 zu finden.Polizei ist verpflichtet, den Notrufen nachzugehenWas von den Verantwortlichen möglicherweise als Scherz oder „Streich“ gedacht sei, könne erhebliche Folgen haben. „Die Polizei muss eine ernstzunehmende Meldung über eine bewaffnete Person, eine schwere Gewalttat oder eine andere akute Gefahrenlage zunächst für wahr halten und entsprechend handeln.“ Damit könnten erhebliche polizeiliche Ressourcen gebunden werden, während sie für tatsächlich hilfesuchende Menschen möglicherweise nicht zur Verfügung stünden.Nicht zu unterschätzen sei auch die Belastung für die ahnungslosen Menschen, deren Adresse von den Anrufern angegeben werde, wirbt die Polizei um Verständnis. Wenn plötzlich mehrere Polizeifahrzeuge vor dem Haus ankämen, entstünde in der Nachbarschaft leicht der Eindruck, die betreffende Person habe tatsächlich etwas mit einer schweren Straftat zu tun.Das bewusste Vortäuschen einer Straftat oder einer Gefahrenlage sei „kein Kavaliersdelikt“. Es könne sich um das Vortäuschen einer Straftat, Missbrauch von Notrufen oder „Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten“ handeln. Entsprechende Fälle würden konsequent verfolgt. Wird der Anrufer gefunden, müsse er neben den strafrechtlichen Konsequenzen auch die Kosten für den Polizeieinsatz tragen, warnt die Polizei. Diese seien erheblich. Nach dieser Mahnung folgt noch ein Aufruf an beteiligte Dritte: Wer von einer solchen konkret geplanten Aktion erfahre, solle nicht wegsehen, sondern dafür sorgen, dass sie unterbleibe – und sich im Zweifel an die Polizei wenden.
Swatting: Was Fake-Notrufe auslösen und wie teuer sie werden können
Eine Frau meldet eine angebliche Messerattacke und löst damit einen großen Polizeieinsatz im Main-Kinzig-Kreis aus. Dahinter steckt ein gefährlicher – und für den Steuerzahler teurer – Trend.






