Die Indierock-Band Kraftklub hat einen bemerkenswerten Spagat geschafft. Schon seit über zehn Jahren gehört die Gruppe mit Frontmann Felix Kummer zu einem der beliebtesten Artists im deutschsprachigen Raum und trotzdem haben es die inzwischen doch weit über 30-jährigen Jungs geschafft, nicht als reinen Entertainment-Pop abgetan zu werden. Die Gefahr besteht durchaus, denn Kraftklub haben zwar mit ihrem krachig-spaßigen Punkrock-Sound einen überdeutlichen Wiedererkennungswert, allerdings auch den unschönen Nebeneffekt, dass nicht jeder Song eine einzigartige Perle ist. Das im November letzten Jahres erschienene Album „Sterben In Karl-Marx-Stadt“ schafft aber tatsächlich den Absprung von der Spaß-Rocktruppe hin zu erwachsenen und mUnd so erwartet man auch trotz 15 Grad und Regen (im August!) vor Beginn des Konzerts in der Wuhlheide neben Feiergarantie auch die – passend zum Wetter – sorgfältig gesetzte Traurigkeit aus dem letzten Album der aus Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) stammenden Jungs.

Kraftklub in Berlin: fast wie eine private Feier

Die Stimmung der Fans könnte trotz des wirklich bescheidenen Wetters kaum besser sein. Gut gelaunt wird bereits zur Vorband Giant Rooks in Merch und roten Hosenträgern – dem Markenzeichen von Kraftklub – gesungen und getanzt. So lange, bis eine eigens für das Konzert aufgebaute, gut 30 Meter hohe Säule mit Countdown um 20.50 Uhr den Start der Hauptshow verkündet.Felix Kummer kommt auf die Bühne gerannt, rote Konfettikanonen explodieren und die Band legt ohne Begrüßungszeremonie sofort mit dem typisch treibenden Kraftklub-Sound los. Gute zehn Minuten ballern die Jungs zunächst ohne jegliche Interaktion mit den feiernden Fans durch die Diskografie. Die rein auf die Musik konzentrierte Eröffnung zeigt wunderbar, warum die Band riesige Locations wie die Parkbühne ausverkauft bekommt. Diesmal sogar an zwei Tagen in Folge: Freitag und Samstag.