Wadephul in Kiew: Frieden als einziger Ausweg – Putin müsse das endlich akzeptierenAußenminister Johann Wadephul hat bei einem Besuch in der Ukraine dazu aufgerufen, das Leid der Menschen in dem von Russland überfallenen Land nicht aus dem Blick zu verlieren. „Die Ferienwochen im Juli und August, für Menschen überall in Europa die schönste Zeit des Jahres, waren für die ukrainische Zivilbevölkerung die tödlichsten seit mehr als vier Jahren“, sagte Wadephul bei seiner Ankunft am Bahnhof von Kiew am Samstagmorgen. Nie vorher habe Russland mehr Raketen auf sein Nachbarland abgefeuert. „Jeden Tag werden Frauen, Männer und Kinder von Russland der Zukunft beraubt, auf die das ganze Land hofft und nach der ganze Land strebt“, sagte Wadephul. „Einer Zukunft in Frieden, einer Zukunft endlich ohne Angst um Freunde und Familie, ohne Angst vor dem, was die nächste Nacht bringt.“ Die täglichen Bilder der Zerstörung dürften niemanden kaltlassen.Den ganzen Sommer über hatte Russland die Ukraine beständig angegriffen mit Drohnen und ballistischen Raketen. Weil die russischen Drohnen nicht nur zahlreicher, sondern durch Strahlenantriebe schneller geworden sind, wird die Abwehr schwieriger. Zudem bittet Kiew seit langem schon um mehr Raketen zur Abwehr ballistischer Raketen – allen voran für die amerikanischen Patriot-Batterien. Weil diese fehlen, können Russlands ballistische Raketen zunehmend nicht mehr abgefangen werden. Aus Sicherheitsgründen war wie üblich die Reise des deutschen Außenministers geheim gehalten worden. Er reiste mit einem Nachtzug aus Polen an. Es ist die vierte Reise Wadephuls in die Ukraine als Außenminister. Er äußerte, auch in Russland werde immer mehr Menschen klar, dass die Ukraine „mit internationaler Unterstützung den längeren Atem hat und dass eine Fortführung des Krieges Russland nur weiter in den wirtschaftlichen Ruin führt“. Wadephul sagte: „Die immer wirrere Propaganda und immer totalitärere Unterdrückung im Inneren ist auch ein Zeichen der Schwäche des Regimes.“ Frieden sei der einzige Ausweg. Es sei das Ziel aller „unserer Maßnahmen“, dass Putin dies endlich akzeptieren müsse und aufhöre, auch die Jugend seines Landes in den tausendfachen Tod zu schicken.In Kiew stehen für Wadephul nicht nur politische Themen auf dem Programm. „In den Tagen des 35. Unabhängigkeitstags der Ukraine ist es mir ein persönliches Anliegen, mir selbst ein Bild vor Ort zu machen und mit möglichst vielen Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen zu sprechen“, sagte er. Darüber, wie Deutschland als wichtigster Partner der Ukraine in Europa das Land gezielt unterstützen könne. Dabei steht auch die Vorbereitung auf dem kommenden Winter im Fokus. „Denn neben wahllosem Mord an Zivilisten greift Russland gezielt die Energieinfrastruktur der Ukraine an, um die Lebensgrundlagen zu zerstören und damit den Durchhaltewillen der Menschen zu brechen“, sagte Wadephul. Mit dem französischen Außenminister steht Wadephul dazu schon im Gespräch. Unter den Partner wollen beide dafür werben zu prüfen, was man zu Vorbereitung auf den Sommer beitragen könne. Begleitet wird der Minister auch von einer Wirtschaftsdelegation, es soll bei dem Besuch auch um die technische und wirtschaftliche Zusammenarbeit gehen, allen voran bei der Entwicklung von gemeinsamen Drohnensystemen. Man lerne von der Ukraine, sagte Wadephul. Es gebe „kaum ein anderes Land, in dem derart viel Initiative und Innovation jeden Tag gelebt wird“.
Ukraine-Liveticker: Wadephul zum Unabhängigkeitstag in der Ukraine | FAZ
Der Außenminister ist am Samstagmorgen in Kiew angekommen +++ Ukrainische Soldaten in Deutschland desertiert +++ Mindestens 16 Tote nach russischem Drohnenangriff +++ Neuigkeiten im Liveblog











