PfadnavigationHomeWirtschaftKonjunkturumfrage„Wir bleiben auf den Kosten sitzen“ – Bauindustrie kämpft mit FinanzierungsengpässenStand: 01:07 UhrLesedauer: 4 MinutenBaustelle der Rader Hochbrücke bei Rendsburg im Juli 2026: Für die zweite Hälfte fehlt noch das GeldQuelle: Bodo Marks/dpaDie Bauindustrie senkt die Umsatzprognose für 2026 – wegen höherer Energiekosten, aber auch, weil Mittel aus dem Sonderschuldenprogramm nicht ankommen. Lediglich ein Bereich profitiert schon.Trotz der 500 Milliarden Euro Sonderschulden, die für Infrastruktur und Klimaschutz bereitliegen, kommen die Geschäfte in der Bauindustrie nicht richtig voran. Schleppende Planung und Mittelfreigabe sowie ein erneuter Kostenanstieg durch den Iran-Krieg machen einen Strich durch die Rechnung. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) reduziert deshalb das für dieses Jahr erwartete Umsatzwachstum von 2,5 Prozent auf aktuell noch ein Prozent gegenüber 2025. Grundlage ist die halbjährliche Konjunkturumfrage des Verbands, die WELT AM SONNTAG vorliegt. „Die Hoffnungen auf eine schnelle Wirkung des Sondervermögens für die Auftrags- und Ertragslage schon in diesem Jahr haben sich nicht erfüllt“, sagte HDB-Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller der Zeitung. „Vor allem im Tiefbau waren wir von stärkeren Effekten ausgegangen.“ Zum Teil sei der Rückgang auch auf die lange Kälteperiode im Januar und Februar zurückzuführen. Hauptursache für einen inflationsbereinigt sogar um 2,5 Prozent gesunkenen Umsatz von Januar bis Mai ist laut Umfrage jedoch der Krieg im Nahen Osten. Viele Unternehmen bleiben auf hohen Kosten sitzen80 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass die Sperrung der Straße von Hormus Auswirkungen auf ihr Unternehmen hätte. Fast alle sind von Preissteigerungen bei Energie und Baumaterial betroffen. Knapp 20 Prozent berichten von Verzögerungen bei laufenden Projekten. Nur noch 13 Prozent der Unternehmen im Bauhauptgewerbe gehen von einer Ertragssteigerung aus, 43 Prozent erwarten einen Rückgang. Drei Viertel können die gestiegenen Kosten nicht an ihre Auftraggeber weitergeben und bleiben auf hohen Ausgaben für Diesel und Material sitzen.Lesen Sie auch„Sicher, monatsweise kann es zu positiven Konjunktursignalen kommen – vielleicht schon im Juni“, so Müller. „Es wird sich aber zeigen müssen, ob aus einem Strohfeuer ein Trend wird. Ich würde es uns wünschen. Bis dahin bin ich aber verhaltener als noch zu Jahresbeginn.“Lesen Sie auchEin Problem ist dem Verband zufolge aber auch, dass das Geld aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK) nicht ankommt. Von Januar bis Juli seien nur 33 Prozent oder 7,3 Milliarden Euro der bereitgestellten Mittel für die Verkehrsinfrastruktur abgeflossen. Im Investitionsbereich „Bauen und Wohnen“, der die Wohnungsbauförderprogramme enthält, seien es sogar nur vier Prozent.Sondervermögen nicht für Neubauten gedachtEin Beispiel sei etwa die Rader Hochbrücke über dem Nord-Ostsee-Kanal. Die erste Brückenhälfte wird gerade fertiggestellt, für die zweite Hälfte fehlen aber noch die Mittel aus dem Bundeshaushalt. Doch diese zweite Hälfte gilt als Neubau, und dafür sind die SVIK-Mittel streng genommen nicht vorgesehen – sondern „nur für speziell definierte Projekte, etwa Brückeninstandhaltung“, bemängelt Müller. Erweiterungen gelten laut Koalitionsvertrag dagegen als Neubauten und stehen deshalb unter Finanzierungsvorbehalt. Dass der neue Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) vor Kurzem eigens zu einem Ortstermin anreisen und eine Finanzierung für die zweite Brückenhälfte zusagen musste, zeigt, wie unsicher die Lage ist.Ähnlich sehe es bei der Autobahn GmbH des Bundes aus: Laut HDB fehlen „mindestens 1,4 Milliarden Euro für Aus- und Neubau“, sagt Müller. „Wir erwarten vom neuen Bundesverkehrsminister Steffen Bilger, dass er für eine schnelle Aktivierung der Mittel aus dem Sondervermögen sorgt.“Lesen Sie auchTrotz allem wollen die Bauunternehmen mehr Leute einstellen. „In diesem Jahr dürften 10.000 bis 12.000 Mitarbeiter mehr als im Vorjahr im Bauhauptgewerbe tätig sein“, sagt Müller. „Das deutet darauf hin, dass viele Unternehmen langfristig planen, auch wenn die Auswirkungen von Kriegen, höheren Rohstoffkosten und Lieferkettenproblemen in diesem Jahr dazugekommen sind.“ Grundsätzlich hat sich die Auftragslage verbessert, vor allem im Leitungsbau. 53 Prozent dieser Sparte schätzen ihre Auftragslage als gut ein, nur elf Prozent als nicht ausreichend. Grund dürfte eine regelrechte Auftragsschwemme im Zuge der Energiewende sein. Der Ausbau von Stromnetzen und von Fernwärmeleitungen in der kommunalen Wärmeplanung fordert Kapazitäten – ebenso der bundesweite Glasfaserausbau.Die Konjunkturumfrage des HDB wurde vom 9. Juni bis zum 10. Juli durchgeführt. Größtenteils beteiligten sich Unternehmen aus Niedersachsen und Bremen sowie Nordrhein-Westfalen.Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzcenter von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.Michael Fabricius beschäftigt sich mit Immobilienthemen und schreibt über alles, was Eigentümer, Mieter und Investoren interessiert. Gemeinsam mit Michael Höfling ist er für den Immobilien-Newsletter „Frage der Lage“ verantwortlich, den Sie hier abonnieren können.
Bauindustrie kämpft mit Finanzierungsengpässen – „Wir bleiben auf den Kosten sitzen“ - WELT
Die Bauindustrie senkt die Umsatzprognose für 2026 – wegen höherer Energiekosten, aber auch, weil Mittel aus dem Sonderschuldenprogramm nicht ankommen. Lediglich ein Bereich profitiert schon.






