Der „Kabarettist“ Uwe Steimle hat eine Unterlassungserklärung unterschrieben. Aber nicht, weil er das richtig findet, wie sein Anwalt Peter-Michael Diestel sagt, „sondern weil er gespürt hat, dass er in seinem Beruf als politischer Kabarettist etwas berührt hat, was rechtlich zulässig ist, was aber andere verletzt hat“. Und das habe Steimle nicht gewollt.Verletzt hat Karl Graf von Stauffenberg, dass Steimle die Erinnerung an seinen Großvater, den von den Nazis hingerichteten Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg, in den historischen Dreck zog. Bei einer Wahlkampfveranstaltung der AfD in Dessau-Roßlau mit dem Parteisprecher Tino Chrupalla und dem Spitzenkandidaten in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, hatte Steimle zuerst über „das“ Merkel gewitzelt, also über die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel, deren Bild respektive sie selbst man aufhängen oder an die Wand stellen solle. Das fand das Publikum im Saal schon sehr witzig.„Das ist Geschichtsklitterung par excellence“Und dann setzte Steimle die zweite, als Pointe getarnte Gewaltphantasie ab: „Wenn ich Friedrich Merz sehe, frage ich mich manchmal: Wo ist eigentlich Stauffenberg, wenn man ihn mal wirklich braucht?“ Nun johlten die Menschen im Saal, Chrupalla glänzte vor Spaß an der Freude, und Siegmund grinste: Merz als Hitler, den sprengen wir in die Luft, das kommt bei der AfD gut an. „Das ist Geschichtsklitterung par excellence“, sagte Karl Graf von Stauffenberg der „Bild“-Zeitung. Sein Großvater habe „Recht, Ordnung und Freiheit“ wiederherstellen wollen und werde nun „in den Schmutz gezogen – es ist ganz grauenhaft“.Grauenhaft findet der Witzemann Steimle, wenn wir seinen Anwalt richtig verstehen, wohl nur, dass er die Gefühle des Enkels Stauffenbergs verletzt hat. Geschichtspolitisch hingegen glaubt Steimle sich offenkundig im Recht. Zu seinen sonstigen Tiraden gegen das angebliche Wahnsinns- und Unrechtsregime, das dieses Land regiere, passt die Gleichsetzung des demokratisch gewählten Bundeskanzlers Merz mit dem Menschheitsverbrecher Hitler (und in kleinerer Münze mit dem DDR-Regimelenker Erich Honecker) nur zu gut. Ob das alles rechtlich zulässig ist, wie Steimles Anwalt meint, wird die Staatsanwaltschaft in Dessau-Roßlau noch abwägen.Er akzeptiere die „Einlassung“ von Steimle, sagt Karl Graf von Stauffenberg, „eine öffentliche Entschuldigung“ hätte er „jedoch für angebracht empfunden. Steimle hat immerhin dem gewählten Bundeskanzler gedroht“.Auf die Entschuldigung indes können wir lange warten. Als inoffizieller Witzemitarbeiter der AfD hat Steimle schließlich alles richtig gemacht. Bei seinem Mandanten habe es „keinen Sinneswandel gegeben“, und es gebe „auch keinen Grund für eine Entschuldigung“, sagte Anwalt Diestel der „Bild“ und schob den kruden Satz nach, es sei „völlig legitim und zulässig, politische Satire in einem Zeitraum zu pflegen, in dem das friedliche Ansinnen meines Mandanten hoch gefährdet erscheint“. Das „friedliche Ansinnen“ eines Kanzlerattentats? Das ist AfD-Humor.
"Witz" über Merz, Hitler und Stauffenberg: Uwe Steimle gibt Unterlassungserklärung ab, bereut aber nichts
Der Kabarettist Uwe Steimle gibt zu seinem „Witz“ über Merz, Stauffenberg und Hitler eine Unterlassungserklärung ab, obwohl er das nicht richtig findet, wie sein Anwalt sagt. Das passt ins Bild, das der AfD-Witzemacher abgibt.








